Ernährungstipps

Mehr als Breili!

Erst Milch, dann Brei und zuletzt feste Nahrung: Das waren einst die Etappen der Kleinkinderernährung. Doch gelten sie bis heute?

Zitrusfrüchte geben sauren Urin, Eier sind tabu wegen Salmonellengefahr, und Kuhmilch kann Allergien auslösen. Lange Zeit galten diese und andere Ernährungsrichtlinien für frischgebackene Eltern. «Mittlerweile hat sich aber in diesem Bereich vieles getan. Wir arbeiten eng mit der Mütter- und Väterberatung zusammen und tauschen uns regelmässig aus. Dieses Wissen beziehungsweise diese Empfehlungen geben wir auch an unsere Kundschaft weiter», erklärt Drogistin HF Isabella Mosca.

Fast alles ist erlaubt

Nicht immer sei es leicht für die Eltern, das vermeintlich Richtige zu tun, «es gibt zahlreiche Empfehlungen und Ratgeber. Deshalb sehe ich es als wichtig an, das Kind auch mit einem eigenen Gespür und Intuition zu füttern.» Mosca ist überzeugt: Ein Baby darf nach den ersten fünf bis sechs Monaten, in denen es ausschliesslich mit Milch (durch Stillen oder spezielle Säuglingsmilch) ernährt wird, essen, worauf es Lust hat.

«Es gibt wenige Einschränkungen, auf die wir natürlich hinweisen.» So ist etwa Honig im ersten Lebensjahr vom Speiseplan zu streichen, denn darin vorhandene Sporen könnten den sensiblen Verdauungstrakt des Babys zu stark reizen und Erkrankungen auslösen. Auch Industriezucker gilt es wo immer und so lange wie möglich zu meiden. «Natürlich vorkommender Zucker in Früchten allerdings ist kein Problem. Es spricht auch nichts dagegen, ein bisschen frisch gepressten Orangensaft mit Wasser im Schoppen zu verdünnen, wenn es dem Kind schmeckt.»

Ansonsten rät die Drogistin bei den Getränken zu Wasser, der viel gelobte Fencheltee sei nur bei Blähungen und Bauchschmerzen sinnvoll. Salz ist ab dem 9. Monat erlaubt, vorher könnte es dem Kleinkind zu viel Wasser entziehen und somit die Nieren schädigen. «Wenn man aber ab und zu dem Kind vom Tisch ein Löffeli zum Probieren gibt, etwa im Salzwasser gekochte Hörnli, ist das vertretbar. Auch hier gilt: Die Menge machts aus.» Bereits etwas zum Beissen, Saugen, Degustieren vom eigenen Mittagstisch abzugeben, macht der ganzen Familie Freude. «Es bringt Abwechslung in den Speiseplan des Babys. Ausserdem finden Eltern so mit Leichtigkeit heraus, was dem Kind schmeckt und was nicht.»

Geschmack entwickelt sich

In Sachen Breikost gibt es ebenfalls kaum Einschränkungen. Auch eher blähende Gemüsesorten wie Broccoli oder Blumenkohl seien für einen pürierten Gemüsebrei gut geeignet. «Einfach den Strunk wegschneiden, er kann Blähungen auslösen.» Dann eignen sich auch Rüebli, Zucchetti oder Kartoffeln für Brei, ferner Randen oder Kürbis. Gegen wenig frische Gartenkräuter spricht ebenfalls nichts, hingegen ist bei kräftigen und scharfen Gewürzen wie etwa Curry, Paprika und Pfeffer Vorsicht geboten. Sie reizen den sensiblen Organismus des Kleinkindes zu stark. Auch Nüsse sind tabu. Der Grund ist offensichtlich: Die Verschluckungsgefahr ist zu gross.

Ansonsten gilt: «Am besten ausprobieren, was das Baby gern mag. Und kochen, was regional und saisonal ist. Und dem Kind eine Angewöhnungsphase zugestehen. Bei meinen Kindern habe ich gesehen, dass sie bis zu drei Tage Zeit gebraucht haben, um einen neuen Geschmack kennenzulernen und ihn gern zu bekommen.»

Was Isabella Mosca ebenfalls gerne serviert hat, war püriertes Fleisch: «Ich habe gekochte Pouletbrüstli püriert und sie dann portionenweise in einer Eiswürfelform tiefgefroren. So konnte ich jeweils einen Würfel auftauen und unter den Brei mischen.» Generell seien gut gekochtes Fleisch und Fisch auf dem Speiseplan willkommen. «Sie sind gute Eisenlieferanten und wichtig für die Hirnentwicklung», sagt die Drogistin. Deshalb reagiert sie auch skeptisch, wenn Eltern ihre Babys vegan ernähren wollen, also komplett ohne tierische Produkte wie Eier, Milch, Fleisch und Fisch. «Ich sehe es als unsere Pflicht an, in einem solchen Fall die Eltern darauf hinzuweisen, dass diese Ernährungsform für ein Kleinkind nicht gut ist und die Entwicklung beeinträchtigen kann.»

Apropos tierische Produkte: Wie sieht es mit Eiern und Milchprodukten aus? «Eier sind – gut gekocht und idealerweise frisch vom Bauernhof – ab dem 7. Monat kein Problem. Auch Joghurt oder Hüttenkäse sind erlaubt. Unverdünnte Vollmilch und Quark stehen jedoch erst nach dem ersten Lebensjahr auf dem Speiseplan.»

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Kleine Feinschmecker

Schon von Anfang an gewisse Lebensmittel per se vom Speiseplan zu streichen, sei wenig sinnvoll. «Essen soll ja auch Freude bereiten. Auch dies sollte dem Kind vermittelt werden. Von daher: Sich Zeit nehmen beim Füttern. Essen soll ein schönes und gemütliches Ereignis sein.» Wenn ein Kind mit heftigem Durchfall oder Blähungen reagiert oder andere Reaktionen zeigt, die auf eine Unverträglichkeit hinweisen, direkt den Kinderarzt kontaktieren.

In Drogerien gibt es übrigens ein breites Sortiment an Nahrungsmitteln und Zusätzen speziell für Kleinkinder: «Ich habe meinen Kindern gerne Hirseflocken in den Zvieribrei gemischt. Die haben sie geliebt.» Schnell bemerkte sie, dass ihre Kinder einen eigenen, anspruchsvollen Geschmackssinn entwickelten. «Ich erinnere mich noch gut an den Besuch in der Dorfmetzg. Da fragte der Metzger meine Kinder, ob sie ein Rädli von der Lyonerwurst haben wollten. Da fragten sie zurück: Hats denn kein Bündnerfleisch?». Also gilt: Keiner zu klein, ein grosser Gourmet zu sein.

Autorin: Denise Muchenberger
Redaktion: Bettina Epper
Wissenschaftliche Kontrolle: Drogistin HF Elisabeth von Grünigen
Quellen
  • Drogistenstern

  • Drogistin HF Isabella Mosca