Gesunder Plausch im Hallenbad

Rote Augen, trockene Haut, Fuss- oder Scheidenpilz ... Nach dem Besuch im Hallenbad kann es an einigen Körperstellen jucken. Dagegen können Sie aber viel tun.

– Ob Training oder Plausch: Schwimmen ist sehr gesund. Aber auch im Chlorwasser? Wie beugt man Fuss- und Scheidenpilz vor? Und was kann man gegen rote Augen oder trockene Haut und Haare tun?

Chlor: Waffe gegen schädliche Keime

«Im Schwimmbädern ist Chlor ein Desinfektionsmittel», sagt Drogist und Poolspezialist Roland Schläpfer. «Es sorgt dafür, dass Badegäste nicht krank werden, indem es Viren, Bakterien und Pilze abtötet.» Das Problem mit Chlor ist aber, dass es mit anderen organischen Substanzen wie Schweiss, Hautschuppen oder Urin reagiert und schädliche Verbindungen eingeht. Diese können die Augen und die Atemwege wie Nase oder Bronchien reizen und bei entsprechend veranlagten Personen sogar Asthma auslösen. Deshalb ist es wichtig, dass die Betreiber öffentlicher oder privater Bäder das Chlor richtig dosieren. Schläpfer: «Stimmt die Dosis, ist das Risiko für gesundheitliche Beschwerden relativ klein.» In der Schweiz wird der Chlorgehalt des Wassers von den Behörden überprüft.

Duschen und Toilette benutzen

Damit das Schwimmen gesund bleibt, sollten sich die Badegäste an die Hygienevorschriften halten. Besonders wichtig ist es, vor dem Betreten des Schwimmbeckens zu duschen und fürs kleine Geschäft die Toilette zu benutzen und nicht den Pool. Je sauberer das Wasser, desto weniger reizende Stoffe werden freigesetzt. Allerdings leeren viele ihre Blase im Wasser. Kanadische Forscher der Universität Alberta haben in einer Studie herausgefunden: In einem klassischen Schwimmbecken von 25 Metern Länge und 13 Metern Breite schwimmen manchmal rund 75 Liter Urin.

Chlorwasser schlucken ist harmlos

«Wer viel urin- und chlorhaltiges Wasser schluckt, gefährdet seine Gesundheit jedoch nicht. Urin ist zwar unappetitlich, aber steril», sagt Schläpfer. Bekomme jemand nach dem Schwimmbadbesuch Durchfall, habe diese Person wahrscheinlich Coli-Bakterien erwischt. Diese überlebten bei zu wenig Chlor im Wasser.

Beschwerden in den Griff bekommen

Chlor schützt aber nicht vor jeder Krankheit. «Wo viele Menschen sind und es warm und feucht ist, tummeln sich Krankheitserreger», sagt Schläpfer. Gerade Pilzsporen mögen neben Bädern zum Beispiel auch Duschen, Garderoben, Saunen und Fitnessräume. Dort überleben sie sogar mehrere Monate. Und nicht nur Keime können Schaden anrichten. Wasser trocknet Haut und Schleimhäute aus. Das beeinträchtigt deren Schutzfunktion. «Je nachdem, wie stark das Immunsystem einer Person ist, haben Bakterien, Viren und Co. leichteres Spiel.» Mit ein paar einfachen Massnahmen können Sie möglichen Beschwerden vorbeugen und behandeln. Wer eine Pilzinfektion vermutet, sollte sich ausserdem professionell beraten lassen.

Tipps von Drogist Roland Schläpfer

Fusspilz

In feuchtwarmen Zonen fühlen sich Pilze sehr wohl. Wer zum Beispiel in Hallenbädern, Saunen oder Gemeinschaftsduschen barfuss geht, riskiert, so einen Plagegeist aufzulesen. Das geht so: Alle Mensch verlieren laufend unsichtbar kleine Hautschuppen. Befinden sich pilzhaltige Schuppen auf dem Boden, können diese einfach in die aufgeweichte Fusshaut eines anderen Menschen eindringen. «Jemand kann leider bereits einige Zeit mit Fusspilz infiziert sein, ohne es selbst zu merken», so Drogist Schläpfer.

Symptome

  • Hartnäckiges Jucken

  • Gerötete und schuppige Haut

  • Eventuell kleine Blasen

  • Die Haut sieht wie aufgeweicht aus

Fusspilz vorbeugen

  • Tragen Sie Badeschlappen.

  • Trockenen Sie ihre Füsse nach dem Duschen gut, auch in den Zehenzwischenräumen.

  • Desinfizieren Sie die trockenen Füsse mit einem speziellen Fussspray aus der Drogerie.

Fusspilz behandeln

  • Fusspilz geht nicht von alleine wieder weg. Zur Behandlung gibt es Salben, Sprays oder Puder, die den Pilz abtöten. Pilzsporen sind sehr robust und überleben mehrere Monate. Eine Behandlung braucht deshalb meistens Zeit und Geduld. Lassen Sie sich in der Drogerie beraten.

  • Waschen Sie Ihre Socken mit einem desinfizierenden Waschmittel, «sonst bekommen Sie das Theater nicht los», sagt Schläpfer.

  • Desinfizieren Sie auch Ihre Schuhe.

  • Zu Hause nach dem Duschen sollten Sie die Füsse gut abtrocknen und desinfizieren, um Personen, die im gleichen Haushalt leben, nicht anzustecken.

Hier erfahren Sie mehr über die Behandlung von Fusspilz.

Scheidenpilz

Scheidenpilz kann verschiedene Ursachen haben. Zum Beispiel ein schwaches Immunsystem, Hormonumstellung oder eine falsche oder übermässige Pflege. Auch Chlor kann Scheidenpilz begünstigen. «Es greift das empfindliche Ökosystem in der Scheide an. Wasser lässt die Schleimhäute zudem aufquellen. Beide Faktoren erleichtern es Pilzen, sich einzunisten.»

Symptome

  • Jucken

  • Brennen

  • Mehr Ausfluss als sonst

  • Eventuell Rötungen und Schwellungen

Scheidenpilz vorbeugen

  • Den nassen Badeanzug sollten Sie nach dem Schwimmen sofort ausziehen und den Intimbereich sorgfältig abtrocknen, weil Pilzsporen sich in feuchtwarmem Klima wohl fühlen. Idealerweise tragen Frauen auch atmungsaktive Unterwäsche, Binden und Slipeinlagen.

  • Kapseln, Tampons, Gels und Zäpfchen mit Milchsäurebakterien sorgen für ein gutes Gleichgewicht der Vaginalflora.

  • Waschen Sie Ihre Intimzone nicht mehr als einmal täglich – und nur mit speziellen Intimpflegeprodukten, die das empfindliche Milieu nicht zerstören. Schläpfer empfiehlt ein Duschgel mit Thymian-Extrakten. «Das desinfiziert.»

Scheidenpilz behandeln

  • Was bei Scheidenpilz hilft, hängt von den Ursachen und Symptomen ab. In der Drogerie gibt es eine breite Palette an natürlichen Mitteln: von Homöopathie, Spagyrik und Schüssler-Salzen bis zu speziellen Antipilzmitteln.

  • Zum Arzt sollten Sie, wenn die Beschwerden zum ersten Mal auftreten oder die Symptome trotz Behandlung nicht bessern. Schwangere lassen sich bei Verdacht auf Scheidenpilz am besten gleich vom Arzt untersuchen.

Hier erfahren Sie mehr über die Behandlung von Scheidenpilz.

Trockene Haut

In Schwimmbädern kommen mehrere Dinge zusammen, die der Haut zusetzen können. Vor allem Wasser in Kombination mit Seife schwemmt die hauteigenen Fette, die die Haut feucht halten und vor Krankheitserregern und Schadstoffen schützen, aus der obersten Hautschicht heraus. Die Haut wird trocken und schuppt leicht. Manchmal bilden sich zudem kleine Risse. Das Chlor kann dann in die Haut eindringen und diese zusätzlich reizen.

Trockene Haut vorbeugen und behandeln

  • Cremen Sie Ihre Haut täglich und nach dem Schwimmbadbesuch mit einer befeuchtenden und rückfettenden Lotion ein. Drogist Schläpfer empfiehlt eine Creme mit den Schüssler-Salz-Nummern 1 und 11. Idealerweise benutzen Sie zudem auf Ihren Hauttyp abgestimmte Pflegeprodukte.

  • Trinken Sie genug und nehmen sie ausreichend Omega-3-Fettsäuren zu sich. Diese spenden der Haut von innen viel Feuchtigkeit. Omega-3-Fettsäuren befinden sich vor allem in Rapsöl, Lachs und Walnüssen. Ergänzend helfen auch Fischölkapseln aus der Drogerie.

  • Waschen Sie sich nicht mit parfümierten Produkten. Diese schaden dem natürlichen Hautschutz und synthetische Duftstoffe können die Haut reizen.

Hier erfahren Sie mehr über die Behandlung von trockener Haut.

Trockene Haare

Wasser und Chlor strapazieren auch die Haare. Sie trocknen sie aus und lassen sie stumpf aussehen.

Hilfe bei trockenen Haaren

Drogist Schläpfer empfiehlt Shampoo, Pflegespülungen und Kuren mit Weizenkeim- oder Amaranth-Extrakten.» Diese Getreidesorten enthalten reichlich Fettsäuren, Vitamine und Mineralstoffe, die das Haar stärken, schützen und regenerieren. Für schöne Haare sorgt auch die richtige Ernährung.

Rote, trockene Augen

Rote Augen nach dem Schwimmen kennen die meisten. Manchmal brennen sie noch dazu oder tränen. Schuld daran ist nicht das Chlor selbst. Chlor kann sich mit Urin, Schweiss und Schmutzpartikeln verbinden, woraus Substanzen entstehen, die die Augen reizen. Zwar sehen knallrote Augen beängstigend aus, aber innerhalb von wenigen Stunden ist der Spuk normalerweise vorbei. Bleiben die Augen jedoch lange nach dem Bad noch gerötet, sollten Sie zum Arzt.

Rote Augen vorbeugen

  • Benutzen Sie eine Schwimmbrille.

Rote/trockene Augen behandeln

  • Greifen Sie zu befeuchtenden Augentropfen. Das sorgt dafür, dass sie weniger schnell Beschwerden verursachen sowie weniger empfänglich für Keime sind.

  • Omega-3-Fettsäuren befeuchten die Schleimhäute von innen. Wer ständig trockene Augen hat, kann Fischölkapseln, die diese Fettsäuren enthalten, nehmen.

  • Schüssler-Salze lindern verschiedene Augenbeschwerden. Bei trockenen Augen sind es die Nummern 3, 8 und 20.

Hier erfahren Sie mehr über die Behandlung von trockenen Augen.

Erkältung und Grippe

Wird man krank, wenn man mit nassen Haaren das Hallenbad verlässt und es draussen kalt ist? Jein, sagt Drogist Schläpfer. «Krank machen Bakterien und Viren.» Doch friere man wegen nasser Haare, sei es für den Körper schwieriger, Krankheitserreger abzuwehren und er bekomme leichter eine Erkältung oder Grippe.

Erkältung und Grippe vorbeugen

  • Wer häufig krank ist, sollte sein Immunsystem stärken. Schläpfer setzt bei seiner Kundschaft oft auf eine Kur mit Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen sowie immunstärkende Mittel mit zum Beispiel Echinacea.

  • Befeuchtende Nasensprays und Nasenspülungen halten die Schleimhäute feucht. Auf intakten Schleimhäuten können sich Viren und Bakterien weniger gut einnisten.

  • Wer grundsätzlich ein schlechtes Immunsystem hat, sollte abklären, ob eine Darmsanierung sinnvoll wäre. Schliesslich werden rund 80 Prozent der Immunzellen im Darm gebildet.

Erkältung und Grippe behandeln

Je nach Symptomen kommen bei Erkältung und Grippe andere Medikamente zum Einsatz. In unseren Dossiers Erkältung und Grippe erfahren Sie alles Wichtige.

Ozon als Alternative zu Chlor

Es gibt Badeanstalten, die das Wasser anstatt mit Chlor mit Ozon desinfizieren. «Die Handhabung ist zwar aufwändiger und teurer, aber auch umweltschonender und wohl gesünder», sagt Schläpfer. Leute, die zu Hause einen Pool haben, empfiehlt er, Aktivsauerstoff zu benutzen.

Autorin und Redaktion: Vanessa Naef
Quellen
  • Drogist Roland Schläpfer

  • Leiterin Wissenschaftliche Fachstelle (WIF) des Schweizerischen Drogistenverbandes: Dr. phil. nat. Anita Finger Weber

  • Suva

  • Bundesamt für Gesundheit