Bronchitis richtig behandeln

Eine akute Bronchitis verläuft in der Regel harmlos und heilt von alleine wieder ab. Trotzdem ist Husten lästig bis schmerzhaft. Ein Drogist verrät, welche Mittel helfen.

Bei einer Bronchitis ist die Schleimhaut der Bronchien (die luftleitenden Anteile der Lunge) entzündet. Meistens sind daran Viren schuld, selten Bakterien.

Drogist HF Thomas Bohl: «Typisch für die Krankheit ist ein starker trockener Husten. Es kann dabei bleiben, aber oft bildet sich in einer zweiten Phase Schleim. Der Auswurf ist schleimig-glasig oder zäh, gelblich-grünlich.» Daneben treten oft Erkältungssymptome auf wie Schnupfen, Halsschmerzen und eventuell Fieber.

Erkältung oder Bronchitis?

«Häufig geht einer Bronchitis eine Erkältung voraus.» Deshalb ist es schwierig, die beiden Infekte voneinander zu unterscheiden – in der Regel kann das nur der Arzt. «Doch wenn jemand Atembeschwerden oder beim Husten Schmerzen in der Brust hat oder wenn der Husten länger als eine Woche dauert, ist die Chance gross, dass es sich um eine Bronchitis handelt», sagt Bohl. Behandelt würden eine Bronchitis und ein Erkältungshusten allerdings mit den gleichen Mitteln.

Dauer

Eine akute Bronchitis heilt in der Regel innerhalb von zwei Wochen aus. «Sie ist meistens harmlos und folgenlos. Nur in seltenen Fällen geht der Infekt in eine chronische Bronchitis über oder wird zu einer Lungenentzündung», sagt Bohl. Bei Kindern komme es häufig zusätzlich zu einer Mittelohrenentzündung. Solche Zweitinfektionen (Sekundärinfektionen) entstehen, weil das Immunsystem geschwächt ist. «Bakterien haben dann leichtes Spiel», sagt Bohl. Deshalb seien Kinder, ältere oder kranke Menschen anfälliger dafür als junge gesunde Erwachsene.

Wann zum Arzt?

Bei einer akuten Bronchitis müssen Sie nicht gleich zum Arzt. Dieser ist erst nötig bei:

  • starken Atemproblemen

  • hohem Fieber über 39º C

  • Blut im Auswurf

oder wenn

  • jemand länger als 5 Tage Fieber hat

  • jemand länger als 14 Tage an Husten leidet

  • die Symptome trotz Behandlung von Tag zu Tag schlimmer werden

Sind Bakterien im Spiel, verschreibt der Arzt häufig Antibiotika. Je nach Beschwerde gibt es in der Drogerie ergänzende alternative Behandlungsmöglichkeiten.

Bronchitis Vorbeugen

Bronchitis überträgt sich durch Tröpfchen von Mensch zu Mensch oder über Gegenstände oder Oberflächen, auf denen Viren und Bakterien haften. Die Krankheitserreger befallen die Bindehaut der Augen und die Nasenschleimhaut, schädigen diese und gelangen so in den Körper und die Bronchien. Gegen Bronchitis gibt es keine Impfung. Das einzige, was davor schützt, sind Vorbeugemassnahmen. Zum Beispiel:

Komplementärmedizin gegen Bronchitis

Thomas Bohl ist Experte für natürliche Heilmittel. In seiner Drogerie berät er oft Menschen, die eine Bronchitis durchmachen. Die besten Erfahrungen hat er mit folgenden Behandlungen gemacht:

Mundsprays und Inhalation

Ein spagyrischer Mundspray mit Thymian, Eukalyptus und Schlüsselblume sowie Meerträubel und Grindelie wirkt schleimlösend, krampflösend und abschwellend auf die Atemwege. Thymian und Eukalyptus bekämpfen ausserdem Bakterien und Viren. Zusätzlich zu diesem Mittel empfiehlt Drogist Bohl einen gemmotherapeutischen Mundspray. Dieser enthält Essenzen von der Schwarzen Johannisbeere, sie unterstützt die Wirkung der spagyrischen Mischung.

Inhalieren

Mit den gleichen spagyrischen Essenzen als Tropfen, einer Salzlösung oder ätherischen Ölen wie Thymian, Eukalyptus und Pfefferminze können Sie auch inhalieren. Dafür benötigen Sie einen Kaltvernebler. Das Gerät befördert kleine kühle Wassertropfen gemeinsam mit den hustenreizlindernden und schleimlösenden Wirkstoffen direkt in die unteren Atemwege zu den Bronchien. Kaltvernebler können Sie in gewissen Drogerien ausleihen. Hinweis: Inhalationen mit heissem Wasser und ätherischen Ölen lindern Beschwerden in den oberen Atemwegen. Die Wasserdampf-Tropfen sind zu gross, um bis zur Entzündung in den unteren Atemwegen gelangen zu können.

Hustensirup

Hustensirup aus der Drogerie mit Efeu, Thymian, Meerrettich und Spitzwegerich wirkt schleim- und krampflösend. Dieser ist für alle geeignet und für Kinder unkompliziert anzuwenden.

Lutschtabletten oder Topfen
  • Schüssler-Salz-Lutschtabletten oder –Tropfen mit den Nummern 3, 4 und 8 helfen bei entzündeten Bronchien, stärken das Immunsystem und regulieren den Wasserhaushalt im Körper. Alternativ erhalten Sie in der Drogerie eine fertige Schüssler-Salz-Kombination.

  • Wenn der Schleim im Hals zäh und gelb-grünlich ist, sollten Sie zusätzlich die Schüssler-Salz-Nummer 6 schlucken.

  • Bei einer langwierigen oder chronischen Bronchitis fügt Drogist Bohl der Grund-Schüssler-Salz-Kombination (siehe Punkt 1) die Nummer 12 hinzu.

Salbe

Eine Schüssler-Salz-Salbe mit der Nummer 3 wirkt entzündungshemmend und abwehrstärkend. Sie ist bei Kindern praktisch und einfach auf Brust und Rücken anzuwenden.

Wickel

Warme Kartoffel-Brustwickel mit Thymian- und Eukalyptusöl oder Umschläge mit Heilerde helfen, Schleim aus dem Körper zu befördern, wirken entzündungshemmend und entgiftend. Die Wärme hat zudem einen entspannenden Effekt. Das beruhigt Husten ebenfalls. Vorsicht: Bei Kindern sollten Sie auf Eukalyptusöl verzichten. Es kann die empfindlichen Atemwege reizen oder gar Atemnot verursachen. Bei Säuglingen und Kleinkindern sind Anwendungen mit ätherischen Ölen grundsätzlich sehr heikel, lassen Sie sich dazu in der Drogerie beraten.

Wickel brauchen etwas Zeit und Geduld. Sie sollten sie mindestens 20–30 Minuten einwirken lassen und dabei unter eine warme Decke schlüpfen. Passen Sie auf, dass die Wickel nicht zu heiss sind und Sie sich verbrennen.

Drogistinnen und Drogisten stellen auch individuelle Mischungen gegen Krankheiten her. Um möglichst schnell wieder gesund zu werden, ist es am besten, sich in der Drogerie beraten zu lassen.

Schulmedizin gegen Bronchitis

Gegen die lästigen Symptome einer Bronchitis hilft auch die Schulmedizin. Drogerien verkaufen Medikamente der Listen D und E, in den Kantonen Appenzell Ausserrhoden, Appenzell-Innerrhoden sowie Solothurn solche der Liste C. Achtung: Die folgenden Wirkstoffangaben sind Beispiele, die Aufzählung ist nicht vollständig. Lassen Sie sich ausserdem in der Drogerie beraten, falls Sie noch andere Medikamente, auch komplementärmedizinische Mittel, einnehmen.

Hustenstiller

Rezeptfreie, hustenstillende und schmerzlindernde Arzneimittel sind unter anderem als Tabletten, Brause- oder Lutschtabletten oder als Kapseln, Tropfen oder Sirup erhältlich. Was Sie bei folgenden Wirkstoffen beachten sollten:

  • Codein: kann müde und abhängig machen, wenn die Einnahmeempfehlungen nicht befolgt werden.

  • Dextromethophan: hat ein geringeres Suchtpotential als Codein, kann aber die Wirkung von bestimmten Medikamenten beeinträchtigen.

  • Noscapin: ist in der Regel besser verträglich als Codein. Nehmen Sie Noscapin nicht gemeinsam mit schleimlösenden Mitteln, Beruhigungsmitteln, Schlafmitteln und Antidepressiva ein. Es kann deren Wirkung negativ beeinflussen.

  • Butamirat: wirkt auf der Gehirn- und Rückenmarkebene. Es kann die Wirkung von bestimmten Arzneimitteln beeinträchtigen.

  • Morclofon: wirkt auf der Gehirn- und Rückenmarkebene.

Tipps von Drogist Thomas Bohl: «Husten ist ein Schutzreflex des Körpers, der die Atemwege befreit und reinigt. Ich empfehle deshalb, chemische Hustenstiller, die meistens stark wirken und nur die Symptome bekämpfen, lediglich abends anzuwenden, um gut schlafen zu können.» Wichtig bei Hustenreiz sei vor allem, viel zu trinken. «Für kleine Kinder, Schwangere und Stillende sind diese Medikamente eher nicht geeignet. Besser sind sanfte, natürliche Massnahmen.»

Schleimlöser

Rezeptfreie, schleimlösende Arzneimittel sind unter anderem als Tabletten, Brause- oder Lutschtabletten oder als Kapseln, Tropfen oder Sirup erhältlich. Was Sie bei folgenden Wirkstoffen beachten sollten:

  • N-Acetylcystein: kann die Wirkung von Antibiotika reduzieren, falls jemand den zeitlichen Abstand der beiden Mittel von 2 Stunden nicht einhält.

  • Carbocistein: sollten Sie nicht mit hustenreizmildernden Mitteln kombinieren, weil es zu einem Sekretstau kommen kann.

  • Guaifenesin: schmeckt bitter und kann die Wirkung von Beruhigungsmitteln verstärken.

  • Bromhexin: sollten Sie nicht zusammen mit den Schmerzmittelwirkstoffen Ibuprofen oder Acetylsalicylsäure einnehmen. Das kann den Magen reizen.

  • Ambroxol: wirkt lokal und zusätzlich gegen Atemwegsentzündungen und Schmerzen.

Tipps von Drogist Thomas Bohl: «Nebst diesen auswurfsfördernden Wirkstoffen sollten Sie grundsätzlich keine Hustenstiller einnehmen. Sonst kann der Schleim nicht abtransportiert werden. Schwangere und Stillende sollten vor der Einnahme dieser Wirkstoffe unbedingt mit Ihrem Arzt darüber sprechen. Für Kinder gelten ausserdem tiefere Dosierungen.» Bohl empfiehlt Schwangeren, Stillenden und Kindern, zuerst mit natürlichen Wirkstoffen zu versuchen, den Schleim zu lösen.

Chronische Bronchitis

Aus einer unbehandelten Bronchitis kann sich unter Umständen eine einfache chronische Bronchitis entwickeln. Das ist der Fall, wenn jemand innerhalb von zwei Jahren zweimal eine rund dreimonatige Bronchitis mit Husten und Schleim durchmacht. Wer eine chronische Bronchitis nicht behebt, geht das Risiko ein, dass sich die Krankheit verschlimmert.

Die nächste Stufe ist eine chronisch obstruktive Bronchitis. Sie gehört zur Gruppe der sogenannten COPD (chronic obstructive pulmonary disease bzw. chronisch obstruktiven Lungenerkrankung). Die Bronchien sind dauerhaft entzündet, die Atemwege verengt und Betroffene leiden regelmässig an Atemnot. Diese Krankheit ist zwar behandelbar, aber unheilbar. Laut der Weltgesundheitsorganisation gehört COPD zu den häufigsten Todesursachen.

Autorin und Redaktion: Vanessa Naef
Quellen
  • Drogist Thomas Bohl

  • Pharmawiki

  • compendium.ch

  • Dr. phil. nat. Anita Finger Weber, Leiterin Wissenschaftliche Fachstelle (WIF) des Schweizerischen Drogistenverbandes