Wirkstoffe

Was in Heilpflanzen drin steckt

In Arzneipflanzen wie Heilkräutern sind meistens mehrere arzneilich wirksame Inhaltsstoffe enthalten.

Die Inhaltsstoffe von Pflanzen werden in Wirkstoffgruppen zusammengefasst:

  • Alkaloide sind stickstoffhaltige organische Pflanzensekrete. Sie entsorgen und speichern in der Pflanze überschüssigen Stickstoff. Alkaloide sind meistens giftig, so fressen Tiere die Pflanzen nicht (Tollkirsche, Bilsenkraut). Alkaloide können das Nervensystem anregen oder hemmen und werden oft als Rauschgift verwendet (Tabak, Schlafmohn). Niedrig dosiert können Alkaloide schmerzlindernd wirken. Heilpflanzen mit Alkaloiden sind zum Beispiel Huflattich, Pestwurz und Beinwell.

  • Ätherische Öle sind leicht flüchtige, stark riechende Substanzgemische. Sie haben eine ölige Konsistenz und bestehen oft aus bis zu 50 Einzelbestandteilen. Der Pflanze dienen die Öle als Lockmittel für Insekten und als Schutz. Ätherische Öle werden leicht durch die Haut aufgenommen, sodass sie zum Beispiel gerne als Badezusätze verwendet werden. Ihre Wirkung ist vielseitig: entzündungshemmend (Kamille), verdauungsfördernd (Gelbwurz), harntreibend (Wacholder), durchblutungsfördernd (Rosmarin), oder sie erleichtern das Abhusten (Thymian). Vorsicht: Ätherische Öle können Allergien auslösen, Schwangere und Kinder sollten sie nur in Absprache mit einer Fachperson verwenden.

  • Bitterstoffe kommen in vielen Pflanzen vor, sie wirken appetitanregend und verdauungsfördernd (Enzian, Wermut).

  • Gerbstoffe wurden früher zum Gerben von Leder verwendet. Trinkt man etwas mit einem hohen Gerbstoffgehalt wie tanninreichen Rotwein, entsteht im Mund ein trockenes Gefühl: Ausserdem entsteht ein schützender Film, der das Gewebe oberflächlich abdichtet und reizmildernd, entzündungshemmend und sekretionshemmend wirkt. Keime auf der Haut oder der Schleimhaut haben kein optimales Klima mehr, um einzudringen und sich zu vermehren (antimikrobielle Wirkung).

  • Flavonoide gehören grösstenteils zu den pflanzlichen Farbstoffen. Sie dienen zum Anlocken von Insekten. Manche Flavonoide wehren auch Schädlinge ab oder schützen vor UV-Strahlung. Als Medizin sind Flavonoide antiallergisch, entzündungshemmend, antimikrobiell, antiviral und antioxidativ.

  • Glykoside spalten sich bei der Zersetzung in ein Zuckermolekül und in einen Nichtzuckeranteil auf. Im reinen Zustand schmecken sie bitter und können giftig sein. Zum Beispiel der Rote Fingerhut. Er wirkt in geringen Konzentrationen positiv aufs Herz, kann aber bei Überdosierung tödlich sein.

  • Schleimstoffe sind meist zähflüssige, pflanzliche Reservestoffe. Sie werden beispielsweise eingesetzt bei Reizhusten, Entzündungen im Mund- und Rachenraum oder Durchfall.

Autorin und Redaktion: Bettina Epper
Wissenschaftliche Kontrolle: Dr. phil. nat. Anita Finger Weber
Quellen
  • Stefan Wolf: «Phytotherapie/Pharmakognosie 2/2», Lehrmittel Drogistin EFZ / Drogist EFZ Band N, Careum Verlag, 2012

  • Heinz Schilcher: «Kleines Heilkräuter-Lexikon», Walter Hädecke Verlag, 2008

  • Peter Spiegel: «Altes und neues Heilkräuterwissen. Gesundheit aus der Natur», BLV Buchverlag GmbH & Co. KG, 2006

  • Vera Herbst, Gabriele Holm: «Botanik und Drogenkunde», Deutscher Apothekenverlag, 2010

  • Margret Wenigmann: «Phytotherapie. Arzneipflanzen, Wirkstoffe, Anwendung», Urban & Fischer, 1999