Sonnenschutz für Schwangere

Dürfen Schwangere eigentlich sünnele? Welche Sonnencremes eignen sich für die werdende Mutter und ihr Kind?

Keine Zigaretten mehr, kein Tropfen Alkohol und auch kein Sushi. Während der Schwangerschaft gibt es viele Einschränkungen. Auch vor zu viel Sonne und Sonnencremes mit chemischen UV-Filtern warnen Experten.

Die Sonne fördert Pigmentflecken

Während der Schwangerschaft ist die Haut empfindlicher auf Sonnenstrahlen. Der eidgenössisch diplomierte Drogist Stefan von Arx: «Pigmentflecken, die durch einen erhöhten Östrogenspiegel während der Schwangerschaft auftreten und nach der Geburt von allein wieder weggehen, können durch Sonnenstrahlen dunkler werden.» Das gelte auch für Muttermale – diese bleiben aber ein Leben lang. Weiter ist auch die Bauchhaut ist in der Schwangerschaft dünner und somit anfälliger für Sonnenbrand.

Sonnenlicht senkt den Folsäurespiegel

Sonnenlicht hat noch weitere Nachteile für die Mutter und das ungeborene Kind: Die UV-Strahlung zerstört Folsäure und regt zudem die Hautzellenteilung an. Das baut im Körper zusätzlich Folsäure ab, ein B-Vitamin, das an Wachstumsprozessen beteiligt ist. Doch gerade die Folsäure ist im ersten Trimester besonders wichtig für das Baby. «Ein Folsäuremangel erhöht das Risiko von Fehlbildungen», sagt von Arx. Er empfiehlt Schwangeren Folsäurepräparate einzunehmen.

Gehen Sie raus!

Trotzdem können sich Schwangere auch an heissen Tagen draussen aufhalten. Das ist sogar sehr gesund: Sonnenlicht sorgt dafür, dass der Körper Vitamin D produziert. Das ist wichtig für den Knochenaufbau. Drogist von Arx: «Ideal ist, wenn werdende Mütter weder in der Sonne brutzeln, sich noch vor ihr verstecken.» Vor zu viel Sonne und Sonnenbrand schützen Schatten, Kleidung, Sonnenhut und Sonnencreme. Letzteres sollte laut dem Bundesamt für Gesundheit mindestens Lichtschutzfaktor (LSF) 20 aufweisen.

Was gegen sehr hohen Lichtschutz spricht

Doch ein Lichtschutzfaktor ab 50 aufwärts garantiert nicht unbedingt den besten Schutz, sagt Naturkosmetik-Expertin Elfriede Dambacher in ihrem Buch «Naturkosmetik». Ab Faktor 30 könne die Haut durch den hohen Anteil an chemischen Filtersubstanzen wie 4-Methylbenzylidene Camphor oder Phenylbenzimidazolsulfonsäure belastet werden. Allgemein sind Sonnencremen mit chemischen UV-Filtern unter den Experten umstritten.

Chemische Filter in Sonnencremes

Organische UV-Filter gelangen in geringen Mengen in den Körper. Laut dem Bundesamt für Lebensmittelsicherheit ist die geschätzte Aufnahmemenge aber so gering, dass die Gesundheit nicht gefährdet ist. Trotzdem gibt es noch keine sicheren Erkenntnisse darüber, was die Substanzen im Menschen oder beim ungeborenen Kind bewirken. Fakt ist:

  • Chemische Filtersubstanzen wandeln die UVA- und UVB-Strahlen in Wärme um. Das heizt die Haut und den Organismus der Frau zusätzlich auf und das Baby kann überhitzen.

  • Synthetische Stoffe gelangen über das Blut oder die Muttermilch zum Baby.

  • Organische UV-Filter werden verdächtigt, ähnlich wie Hormone zu wirken.

Mineralische Sonnencremes sind verträglicher

Einige Experten raten deshalb zu Lotionen, die mineralische, auch physikalische Lichtschutzfilter enthalten. Die zwei zulässigen UV-Filter sind Titandioxid und Zinkoxid. Die kleinen Teilchen dringen nicht in die Haut ein, sondern liegen darauf und reflektieren die UV-Strahlen. «Produkte mit mineralischem Lichtschutz schützen gleich nach dem Auftragen vor Sonnenbrand», bestätigt Drogist von Arx.

Allergien, nein danke!

Mineralische Filter sind ausserdem auch für Menschen geeignet, die eine Allergie auf organische Filter haben. «Mineralische Filter werden in der Regel gut vertragen», sagt von Arx. Dennoch könne es vorkommen, dass jemand auf ein natürliches ätherisches Öl in der Creme allergisch reagiere. Gut zu wissen: Auf dem Markt werden häufig Mixprodukte angeboten. Diese beinhalten sowohl synthetischen als auch mineralischen Lichtschutz. Ein Blick auf die Rückseite des Behälters oder eine professionelle Beratung in der Drogerie lohnt sich.

Nanopartikel Titandioxid ist ungefährlich

Sonnencremes mit physikalischem Lichtschutz enthalten häufig den UV-Filter Titandioxid – ein Nanopartikel. Titandioxid durchdringt die gesunde Haut nicht und gilt laut dem Bundesamt für Gesundheit als ungefährlich. Allerdings lässt sich das Pigment schwieriger auf der Haut verteilen, und es kann einen weissen Film auf der Haut entstehen.

Autorin und Redaktion: Vanessa Naef
Quellen
  • Bundesamt für Gesundheit

  • Buch «Naturkosmetik» von Elfriede Dambacher, 2015, Herbig Verlag

  • Drogist Stefan von Arx

  • Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen

  • Dr. phil. nat. Anita Finger Weber, Leiterin Wissenschaftliche Fachstelle (WIF) des Schweizerischen Drogistenverbandes