Hilfe bei Blasenschwäche

Blosses «Abwarten und Tee trinken» ist bei Blasenschwäche ein schlechter Ratgeber. Inkontinenz kann behandelt werden. Lassen Sie sich von Fachpersonen beraten – es lohnt sich.

– Obwohl Blasenschwäche keine lebensbedrohliche Erkrankung ist, kann Sie bei vielen Menschen zu seelischem Stress, Schlaflosigkeit, Beziehungsproblemen oder gar zu Depressionen führen. Darüber zu sprechen, ist ein erster Schritt, dem unkontrollierten Harnabgang ein Ende zu bereiten.

Mit zunehmendem Alter steigt zwar die Wahrscheinlichkeit einer Harninkontinenz. Dennoch handelt es sich nicht um eine typische Alterserscheinung. Unkontrollierter Harnabgang kann auch Kindern, jungen Frauen und Männern Probleme machen. Bei den Betroffenen stehen drei Viertel Frauen einem Viertel Männer gegenüber. Drogistin Dorothee Eichenberger: «Bei den Frauen spielt nicht nur die hormonelle Veränderung eine Rolle. Auch das Bindegewebe wird schwächer und die Muskulatur erschlafft – was auch auf den Schliessmuskel und die Harnblase zutrifft.»

Störungen der Blasenfunktion

Wie häufig wir Wasser lassen müssen, hängt von unserem täglichen Trinkvolumen sowie vom Fassungsvermögen der Harnblase ab, das individuell verschieden ist. Durchschnittlich benötigt ein Mensch innerhalb von 24 Stunden bis zu acht Toilettengänge. Wer das stille Örtchen noch häufiger aufsuchen muss, kann an einer Funktionsstörung der Blase leiden. Diese ist vor allem dann angezeigt, wenn der Schlaf durch Toilettengänge gestört ist.

Es gibt mehrere Formen von Blasenfunktionsstörungen. Bei Frauen sind die Reizblase (hyperaktive Blase) und die Belastungsinkontinenz (Stressinkontinenz) häufig. Oft treten auch Mischformen auf, die als Mischinkontinenz bezeichnet werden. Männer mit vergrösserter Prostata können von einer Überlaufinkontinenz betroffen sein. Die Funktionsstörungen und ihre Merkmale.

Soll ich weniger trinken?

Eine Blasenschwäche lässt sich nicht behandeln, indem man weniger Flüssigkeit zu sich nimmt. Ganz im Gegenteil – der Urin ist bei Flüssigkeitsmangel konzentrierter und kann den Blasenwandmuskel zusätzlich reizen.

Das hilft bei Blasenschwäche

Falls Sie an einer Blasenschwäche leiden, sollten Sie diese zu Beginn ärztlich abklären lassen. So können ernsthafte Krankheiten ausgeschlossen und die geeignete Therapieform besprochen werden.

Beckenbodentraining

Bei Männern und Frauen mit Belastungsinkontinenz kann ein intensives Beckenbodentraining der Beckenbodenmuskulatur die gewünschte Besserung bringen. Die nötigen Übungen lassen sich in Kursen lernen und anschliessend zu Hause selbstständig durchführen.

Basisübung: Spannen Sie beim Ausatmen die Beckenbodenmuskulatur kräftig an. Das heisst, Harnröhrenöffnung, Scheide und After nach innen hochziehen, wie wenn Urin und Stuhl zurückgehalten werden sollen. Bauch-, Gesäss- und Beinmuskulatur nicht anspannen. Beim Einatmen die Spannung loslassen.

Eine hormonell bedingte Blasenschwäche – wie sie in der Menopause vorkommen kann – wird durch Medikamente behandelt. Bei schwerer Inkontinenz ist es möglich, die Harnröhre mit operativen Massnahmen zu stabilisieren. Ihr Arzt wird Ihnen die für Sie passende Lösung vorschlagen. Was Sie sonst noch tun können:

  • Es gibt spezielle «Gewichte», mit deren Hilfe sich die Beckenbodenmuskulatur trainieren lässt. Ein solcher Konus wird in die Scheide eingeführt und sollte dort während mehrerer Minuten festgehalten werden. Zunächst bedient man sich leichterer, mit zunehmender Kraft der Beckenbodenmuskulatur schwererer Gewichte.

  • Achten Sie auf eine gute Intimpflege. Das Wasser sollte nicht zu warm und die Waschlotion pH-neutral bis sauer sein. Fetthaltige Emulsionen, Cremen oder Salben schützen empfindliche Haut vor schädlichen äusseren Einflüssen. Sind die Schleimhäute im Intimbereich dünn, trocken und infektanfällig, so helfen Cremen und Ovula, die abends in die Scheide eingeführt werden und/oder aussen aufgetragen werden. Dadurch werden die Schleimhäute und das Bindegewebe aufgebaut und es entwickelt sich wieder ein gesundes Scheidenmilieu.

  • Bei einem Ausflug oder Stadtbummel verleihen Slipeinlagen und Binden das Gefühl von Sicherheit. Sie sind sehr saugfähig und unterscheiden sich von den Monatsbinden durch den enthaltenen Geruchsabsorber.

  • Pessare (Ring/Schale aus Hartgummi oder Kunststoff) sowie Biofeedbackmethoden oder Elektrotherapie sollten nur nach der Konsultation eines Arztes oder einer Ärztin angewendet werden

Trink- und Blasentraining

Vor allem bei einer Reizblase hilft ein gezieltes Trink- und Blasentraining, falschen Gewohnheiten beim Wasserlassen entgegenzuwirken. Solche Gewohnheiten sind zum Beispiel die vorsorgliche Blasenentleerung, weil man gerade in der Nähe einer Toilette ist, Einkaufen geht usw. Durch häufige vorsorgliche Blasenentleerung wird der Blasenmuskel geschwächt, und er verliert die Fähigkeit, grössere Urinmengen zu speichern. Mit einem Trink- und Blasentraining wird das Organ durch eine steigende Trinkmenge und ein immer längeres Hinauszögern des Toilettenganges so weit trainiert, bis es wieder normal funktioniert. Seien Sie ausdauernd! Die Linderung von Reizblasenbeschwerden kann Wochen bis Monate in Anspruch nehmen. Und so funktionierts:

  • Trinken Sie auf 24 Stunden verteilt bis zu zwei Liter. Am besten stellen Sie bereits am Morgen die ganze Tee- und Trinkwassermenge bereit.

  • Versuchen Sie, tagsüber viel und am Abend wenig zu trinken, um in der Nacht nicht durch Harndrang geweckt zu werden.

  • Gehen Sie erst zur Toilette, wenn die Harnmenge schätzungsweise 300 ml beträgt.

  • Trinken Sie aus grossen Gläsern.

  • Achten Sie darauf, dass die Blase nach jedem Toilettengang vollständig geleert ist.

  • Führen Sie ein sogenanntes Miktionstagebuch. Dort werden die getrunkenen und ausgeschiedenen Flüssigkeitsmengen eingetragen. Dadurch erhalten Sie eine gute Kontrolle über die Entleerung Ihrer Harnblase.

Zur Behandlung von Blasenschwäche können auch eine Reihe alternativmedizinischer Arzneimittel eingesetzt werden.

Autoren: Jürg Bareiss, Margrit Lienhard, Therese Schwender
Redaktion: Didier Buchmann
Quellen