Stress im Alter

Mit dem Älterwerden verändert sich der Alltag. Das führt bei vielen Menschen zu einer Überlastung. Ein Drogist und ein Psychiater geben nützliche Tipps.

Alt werden ist schwierig. Viele Dinge verändern sich und nicht alle können damit gut umgehen. Eine erste problematische Situation ist der Übergang vom Arbeitsleben zur Rente. Für viele war der Beruf jahrzehntelang Lebensinhalt, Lebenssinn und Grundlage des sozialen Status. Fällt die Arbeit weg, bleibt oftmals nur noch Leere. Unendlich viel Zeit, mit der manche nichts anfangen können. Andere wiederum haben einen übervollen Terminkalender, sind sportlich aktiv, engagieren sich in Vereinen, kümmern sich um die Familie – und sind damit oft überfordert.

Lebensfreude statt Stress – so geht's!

Der deutsche Psychiater und Psychotherapeut Arthur Günthner setzt sich schon lange mit dem Thema «Stressbewältigung im Alter» auseinander und hat mehrere Artikel über Stress und Stressmanagement verfasst. Sein Rat: «Es ist ganz wichtig, den Ruhestand aktiv anzugehen, ihn in einem gesunden Mass zu planen.»

Bei der Planung denken aber viele nicht an die Grenzen, die ihnen das Alter setzt. Günthner rät, nicht dieselben Ansprüche an sich zu stellen, wie früher: «Bei den körperlichen Symptomen ist dies einfacher als bei den kognitiven Fähigkeiten», sagt er. Wer zum Beispiel im Alter nicht mehr scharf sieht, legt sich eine Brille zu. «Hingegen zu merken, dass man selber den Überblick verliert und sich überfordert, ist gar nicht so einfach.» Er sagt: «Beziehen Sie deshalb auch Ihr Umfeld ein, hören Sie auf Familienangehörige und Freunde.» Er selber sei jetzt 63 und habe sich dazu entschieden, «meine Söhne zu fragen, wenn ich drei Kisten Wasser vom Auto ins Haus tragen muss».

Einsam und krank

Neben dem Verlust der Arbeit ist für manche Pensionäre die Paarbeziehung eine grosse Herausforderung. Viele Paare müssen sich im Alter neu definieren. Alleinstehenden droht dagegen oftmals ein Leben in Einsamkeit, weil die sozialen Kontakte durch die tägliche Arbeit ausser Haus wegfallen.

Auch Krankheit und mehr und mehr eingeschränkte Bewegungsfreiheit bedeuten Stress. Wer den Alltag nicht mehr allein meistern kann, muss in vielen Fällen umziehen. Die gewohnte Umgebung zu verlassen und im schlimmsten Fall in ein Pflegeheim einzutreten, kann ausgesprochen traumatisierend sein. Dazu kommt die ständige Angst, krank zu werden, den Partner zu verlieren oder in finanzielle Schwierigkeiten zu geraten. Oftmals sind Rentnerinnen oder Rentner auch massiv überlastet, weil sie ihren Partner oder ihre Partnerin pflegen. Rund um die Uhr sind sie für sie oder für ihn da, kümmern sich nicht mehr um sich selbst, vernachlässigen Freunde und Familie und lassen die eigene Erholung aussen vor.

Probleme ansprechen

Mit dem Alter kommen also nicht nur Gebrechen und körperliche Beschwerden sondern auch neue Stresssituationen auf. Darauf versucht Psychiater Günthner seine Patienten und Patientinnen vorzubereiten, indem er ihnen die Vorteile des Rentnerlebens vor Augen führt. «Plötzlich hat man Zeit, einen Malkurs zu machen. Oder in Ruhe ein Buch zu lesen. Ausserdem verfügt man mit zunehmendem Alter über einen wertvollen Erfahrungsschatz, wird zum Ratgeber für die Enkelkinder und die eigenen, erwachsenen Kinder. Das ist doch ein schönes Gefühl.»

Alte Menschen reagieren übrigens stärker auf Stress als junge. Das hat ein internationales Forscherteam in zwei Langzeitstudien herausgefunden. Sie haben Erwachsene mittleren Alters sowie Menschen um die 80 zu ihrer Stimmung und Stressbelastung befragt. Fazit: In hohem Alter scheint die Empfindlichkeit gegenüber Stress zuzunehmen. Individuelle Besonderheiten, wie stark oder schwach eine Person auf Stress reagiert, bleiben über Jahre hinweg stabil. Wie sehr jemand von Stress betroffen ist hängt also auch im Alter von der jeweiligen Person ab und davon, wie sie mit belastenden Situationen umgehen kann.

Tipps aus der Drogerie

Älteren, gestressten Menschen können Heilpflanzen wieder zu innerer Ruhe verhelfen. Drogist Raffael Gmünder schwört auf die krautige Pflanze Herzgespann: «Sie beruhigt das Herz und das Gemüt. Es ist die ideale Heilpflanze bei Überforderung und innerer Unruhe.» Gmünder empfiehlt eine Essenz, die Sie drei Mal täglich in Tropfenform einnehmen können. Herzgespann verhilft auch zu einem erholsameren Schlaf.

Wer sich zusätzlich am Abend etwas Beruhigendes gönnen möchte, trinkt am besten einen Tee mit Hopfen, Baldrian, Passionsblume und Johanniskraut. Für stressbedingte Leiden im Alter eignen sich auch die sibirischen Wurzeln Taiga und Rosenwurz. Gmünder: «Der Körper kann sich besser an die Umstände anpassen, die das Alter mit sich bringt, und die Lebenssituation verbessern.» Es gibt die Wurzel als Tinktur, Bonbons, Kapseln oder Sirup.

Schliesslich rät Gmünder zu einer Auszeit am Wasser. «Ich verweise gerne auf Pfarrer Kneipp, der mit Wassertreten und Kneippgüssen für eine gesunde und ausgeglichene Lebenserhaltung plädiert hat.» Hydrotherapien regen den Kreislauf an und sorgen dafür, dass ein aus dem Gleichgewicht geratener Mensch seine innere Balance wiederfindet.

Die wichtigsten Tipps auf einen Blick

  • Planen Sie mit Freude Ihren Ruhestand. Was können Sie jetzt tun, was früher während der Arbeit nicht möglich war? Planen Sie eine Reise, einen Sprachkurs, ein gemeinnütziges Projekt. Widmen Sie sich Aufgaben, die Ihnen sinnvoll erscheinen und Ihnen eine Struktur im Alltag geben.

  • Halten Sie die Augen offen, nehmen Sie neue Chancen wahr. Denn auch im Alter hält das Leben noch schöne Überraschungen bereit.

  • Tauschen Sie sich mit Freunden in Ihrem Alter über Gebrechen im Alter, Ängste und Unsicherheiten aus. Beziehen Sie auch die Familie und den Partner mit ein, wenn es um unangenehme Dinge wie eine Heimbetreuung oder eine Patientenverfügung geht.

  • Das Hirn ist wie ein Muskel, der trainiert werden muss. Versuchen Sie, aktiv zu bleiben, auch im Kopf. Lesen Sie zum Beispiel, um geistig fit zu bleiben.

  • Fordern Sie nicht zu viel von sich, setzen Sie sich nicht unter Druck. Planen Sie zwischen den Aktivitäten Pausen ein, um sich zu erholen.

  • Holen Sie Hilfe, wenn Ihnen alles über den Kopf wächst.

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Autorinnen: Denise Muchenberger / Bettina Epper
Redaktion: Bettina Epper
Quellen
  • «Drogistenstern»

  • Sliwinski, Almeida, Smyth, & Stawski (2009). «Intraindividual Change and Variability in Daily Stress Processes: Findings From Two Measuremenr-Burst Diary Studies». Psychology and Aging, 24, 828-840.

  • New England Centenarian Study

  • anti-burnout-training.de