Wieso Sex gesund ist

Sex macht nicht nur Spass, Sex ist auch ein Gesundheitselixier. Das belegen seriöse wie auch softere Studien.

Eine Langzeitstudie über zehn Jahre der Universität Bristol (GB) mit 1000 männlichen Probanden im Alter von 45 bis 59 Jahren durch. Das Ergebnis: Sexualität ist ein Gesundheitselixier. Sex soll gar das Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko mindern. Schade bloss, hat die Studie nur Männer erfasst hat. Ob die Kernaussage auch auf Frauen zutrifft, lässt sich wohl trotzdem mit Ja beantworten. Schliesslich gibt es auch Erfahrungswerte, die belegen, dass Sex nicht nur der Seele sondern auch dem Körper gut tut.

Beim Sex schüttet der Körper das Glückshormon Endorphin aus. Das Hormon macht uns nicht nur zufrieden, es wirkt auch gegen Stress und Unruhe. Zudem soll der Botenstoff Dopamin jegliche Stressgefühle für rund zwei Stunden wegfegen. Zu diesem Ergebnis kommt der amerikanische Neurologe Dr. James Couch von der Oklahoma-Universität in Oklahoma City. Nebst den Glückshormonen kommt das Hormon Oxytocin zum Zug. Es wird als «Kuschelhormon» umschrieben, das schläfrig macht. Oxytocin macht aber nicht nur müde, es hemmt anscheinende auch die Wirkung des Stress auslösenden Hormons Cortisol.

Sex hilft ausserdem, verkrampfte Muskeln zu lockern und den Beckenboden zu entspannen; dies kann sich positiv auf einen verspannten Rücken auswirken. Und der einzigartige Hormoncocktail (Oxytocin, Prolaktin und Serotonin), der nach dem Orgasmus zum Tragen kommt, wirkt unter anderem als Schmerzmittel. Die körpereigne, opiumähnlichen Substanzen können vor allem Gelenk-, Menstruations- und Kopfschmerzen merklich lindern. Studien wollen belegt haben, dass das Schmerzempfinden nach dem Geschlechtsverkehr bis zu 70 Prozent herabgesetzt ist.

Liebe ist die beste Medizin

Neurobiologen, Immunforscher sowie andere Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen rund um den Globus haben aber noch einiges mehr herausgefunden, das für die gesundheitsfördernde Wirkung von regelmässigem Sex spricht.

  • Wer sich regelmässig erotisch betätigt, bringt sein Hormonsystem auf Trab und stärkt sein Immunsystem. Zu diesem Ergebnis kommen die beiden amerikanischen Hormonexperten Janice Kiecolt-Glaser und Ronald Glaser der amerikanischen Ohio State University in Columbus. Die These der Forscher stützt sich auf eine Langzeitstudie, die den Stresshormonspiegel und des Wundheilungsprozesses an 90 Paaren in unterschiedlichen Situationen untersucht hat. So verschlechtert sich die Wundheilung markant, wenn Menschen gestresst sind bzw. umgekehrt, wenn sie zufrieden und entspannt sind.

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  • Die Psychologen Carl J. Charnetsk und Francis Brennau von der Wilkens University im US-Bundesstaat Pennsylvania haben herausgefunden, dass ein aktives Liebesleben Erkältungskrankheiten vorbeugt. Gemäss den Forschern verfügen Menschen, die ein bis zwei Mal pro Woche Intimverkehr haben, über mehr Immunglobuline. Dieser Antikörper schützt wirksam vor Schnupfen und anderen grippalen Infektionen.

  • Beim Küssen wie auch beim Geschlechtsverkehr werden Tausende von Keimen ausgetauscht, was sich positiv auf die Immunabwehr auswirkt und einer Art Schutzimpfung gleichkommt. Eine Studie der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH) hat ergeben, dass nach einem Orgasmus die Zahl weisser Blutkörperchen, welche Krankheitserreger abwehren, doppelt so hoch ist wie vorher. Daraus schlossen die Forscher, dass Sex das Immunsystem stärkt.

  • Wer regelmässig Sex hat, zeigt eine bessere Konzentrations- und Gedächtnisleistung als sexuell nicht oder wenig aktive Personen. Angenommen wird, dass Sex die Gehirntätigkeit anregt und somit zu besseren Ergebnissen führt.

  • Anscheinend lassen sich bei einem halbstündigen Liebesspiel durchschnittlich 350 Kalorien verbrennen, was einem rund 40-minütigen Lauftraining entspricht. Ein Zusatzeffekte für den Mann: Während des Liebesaktes wird die Produktion männlicher Geschlechtshormone angeregt, was anscheinend den Abbau von Fett stimulieren und beim Musekelaufbau helfen soll.

  • Liebe macht Frauen schön: Dafür sorgt unter anderem das nach dem Sex verstärkt ausgeschüttete weibliche Hormon Östrogen, welches die Regenerationsfähigkeit der Zellen verbessert und die Bildung von Kollagen fördert. Dadurch bleibt die Haut schön.

  • Sex macht (treue) Männer und Frauen schön: Das behauptet zumindest der am Royal Edinburgh Hospital in Schottland tätige David Weeks. 16 Jahre lang interviewte der Neuropsychologe 3500 Personen zwischen 21 und 102 Jahren zu ihrem Sexualleben. Sein Fazit: Nur etwa 25 Prozent des jugendlichen Aussehens einer Person seien auf die Gene zurückzuführen, den Rest mache das Verhalten und damit auch häufiger Sex aus. Paare, die dreimal pro Woche miteinander schliefen, sähen durchschnittlich zehn Jahre jünger aus als Menschen, die seltener Sex hätten. Das gelte aber nicht für Casanovas. Sex als Anti-Aging-Methode funktioniert nur in einer festen Beziehung, behauptet der Forscher.

  • Wer keinen Partner hat, muss auf die gesundheitsfördernde Wirkung von Sex keineswegs verzichten, da auch die Selbstbefriedigung zu ähnlichen «Gesundheitsresultaten» führt. Auch das ist wissenschaftlich belegt.

  • Forscher empfehlen, zwei bis vier Mal pro Woche Sex zu haben. Damit die gesundheitsfördernden Hormone beim Sex ihre Wirkung entfalten können – zudem sei ein Liebesspiel von mindestens zwanzig Minuten Dauer von Vorteil. Aber Achtung: Lassen Sie sich von solchen Empfehlungen nicht stressen, sonst ist der ganze schöne Effekt von seltenerem oder auch kürzerem Sex gleich wieder weg.

  • Trotz der schönen langen Liste, die erklärt, weshalb Sex gesund ist, leiden viele Menschen unter sexueller Lustlosigkeit. Das sollten Sie nicht einfach hinnehmen. Es gibt viele Lösungsansätze: Angefangen von Beckenbodentraining, Aphrodisiaka aus der Drogerie bis hin zu einer Sexualtherapie.

Autorin und Redaktion: Katharina Rederer