Wirkstoffe

Wie Medikamente wirken

Arzneimittel sind komplexe Gemische. Die enthaltenen Wirkstoffe sind oft der Natur abgeschaut.

Ein Medikament ist ein Mittel zur Behandlung von Krankheiten und Beschwerden bei Menschen oder Tieren. Es kann Krankheiten heilen, lindern oder verhüten. Ausserdem kann es vom Körper selbst erzeugte Stoffe wie Hormone oder Flüssigkeiten ersetzen. Medikamente können auch Krankheitserreger, Parasiten oder andere körperfremde Stoffe unschädlich machen. Ein Medikament besteht zum einen aus Wirkstoffen, die im Körper eine bestimmte Wirkung hervorrufen, sowie aus Hilfsstoffen, die das Medikament in eine bestimmte Form bringen (z. B. Tropfen, Tabletten).

Was drin steckt

Ein Medikament wie beispielsweise Aspirin ist kein Wirkstoff, es enthält ihn. In diesem Fall heisst der Wirk- oder Arzneistoff Acetylsalicylsäure. Wirkstoffe haben einen nachweisbaren Nutzen und werden gezielt eingesetzt, um Krankheiten und Beschwerden zu behandeln. Acetylsalicylsäure beispielsweise ist fiebersenkend und lindert Schmerzen sowie Entzündungen. Manche Medikamente bestehen auch aus mehr als einem Wirkstoff. In der Schweiz sind insgesamt über 3000 pharmazeutische Wirkstoffe zugelassen.

Nxung… was? Warum Medikamente heissen, wie sie heissen

Ganz viele Arzneimittel scheinen Namen zu haben, die kein Mensch aussprechen kann. So dünkt es einen zumindest immer, wenn man einmal wieder nicht weiss, wie denn noch diese Tablette hiess, die einem das letzte Mal so gut geholfen hat. Dabei wären eingängige Namen statt praktisch unaussprechliche Gebilde wie Nxungzictrop, Ribozoxtlitp oder Ähnliches durchaus hilfreich. So haben Forscher aus Deutschland und den USA 2017 herausgefunden: Arzneimittel mit leichter auszusprechendem Namen werden als ungefährlicher eingeschätzt.

Doch warum heissen Arzneimittel eigentlich so, wie sie heissen? In der Regel gilt: Jedes Arzneimittel, das aus einem einzigen Wirkstoff besteht, hat drei Namen:

  • Den chemischen Namen des Wirkstoffs, zum Beispiel C22H23ClN2O2.

  • Den internationalen Freinamen (generischer Name): Er entspricht häufig einer eingekürzten und von Zungenbrechern befreiten chemischen Substanzbezeichnung. In unserem Beispiel Loratadin, was eine frei erfundene Namensschöpfung ist.

  • Den Handelsnamen, unter dem das Arzneimittel verkauft wird. Der Handelsname wird oft durch ein ® (Registered Trade Mark) gekennzeichnet. In unserem Beispiel wäre Claritine® der Handelsname.

Viele der Wirkstoffe, die im 20. Jahrhundert entwickelt wurden, sind natürlichen Ursprungs oder von Naturstoffen wie Pflanzen oder Pilzen abgeleitet. Acetylsalicylsäure etwa stammt ursprünglich aus der Weidenrinde, wird heute aber synthetisch hergestellt.

Neben dem eigentlichen Arzneistoff enthält ein Medikament verschiedene Hilfsstoffe wie Gelatine, Wasser, Farbstoffe, Süssungsmittel usw. Sie sind wichtig, damit man den Wirkstoff überhaupt einnehmen kann und er in der gewünschten Zeit zur richtigen Stelle im Körper gelangt. Hilfsstoffe sind aber auch für die Haltbarkeit oder den Geschmack eines Arzneimittels verantwortlich.

Der Weg durch den Körper

Jedes Medikament hat eine bestimmte Aufgabe. Es soll beispielsweise Schmerzen lindern, den Blutdruck senken oder die Schnupfennase abschwellen lassen. Damit das gelingt, nimmt der Körper den im Medikament enthaltenen Wirkstoff auf, verstoffwechselt ihn und scheidet ihn anschliessend wieder aus. Diesen Prozess nennt man Pharmakokinetik oder kurz LADME.

LADME steht für:

  • Liberation: Zuerst muss der Wirkstoff freigesetzt werden. So zerfällt beispielsweise eine Tablette nach dem Schlucken. Anschliessend können die Zellen der Schleimhaut den Wirkstoff in den Blutkreislauf abgeben.

  • Absorption: Diese Aufnahme des Wirkstoffes in den Blutkreislauf kann im Magen beginnen, bei den meisten Arzneimitteln findet sie im Dünndarm statt.

  • Distribution: Die Verteilung des Wirkstoffes im Blutkreislauf, im Gewebe und zu den Organen ist der nächste Schritt. Nimmt jemand zum Beispiel Antibiotika ein, um eine Blasenentzündung zu behandeln, muss der Wirkstoff zur Blase gelangen, um dort die Bakterien abzutöten.

  • Metabolismus: Der Körper verstoffwechselt den Wirkstoff, er verändert also seine chemische Struktur. Dies unter anderem, um seine Ausscheidung zu erleichtern. So werden Stoffe beispielsweise wasserlöslich gemacht, damit sie über den Harn ausgeschieden werden können.

  • Elimination (Exkretion): Der Körper scheidet den Wirkstoff aus. Meistens passiert das über den Harn oder den Stuhl.

Autorin und Redaktion: Bettina Epper
Wissenschaftliche Kontrolle: Dr. phil. nat. Anita Finger Weber
Quellen
  • Christine Gitter: «Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihre Apothekerin», Droemer Verlag, 2019

  • www.pharmawiki.ch

  • Europäische Patientenakademie EUPATI, www.euati.eu

  • Elsevier GmbH: «Arzneimittellehre», Urban & Fischer, 2018

  • Deutsche Apotheker Zeitung

  • Öffentliches Gesundheitsportal Österreichs, www.gesundheit.gv.at

  • www.interpharma.ch