Mit 40 ist es noch nicht zu spät

Viele Frauen sind bei der Geburt des ersten Kindes um die 40 Jahre alt. Obwohl eine späte Schwangerschaft als risikoreich gilt, verlaufen die meisten ohne Komplikationen.

Die Natur hat als ideales Gebäralter die Zeit zwischen 20 und 25 vorgesehen, da Frauen zu diesem Zeitpunkt die Strapazen von Schwangerschaft und Geburt am besten wegstecken können – biologisch gesehen. Katrin Scheibner, Oberärztin an der Universitäts-Frauenklinik in Bern: «Da viele Frauen heute sehr gut ausgebildet sind und dadurch relativ spät ins Berufsleben einsteigen, verschiebt sich der Zeitpunkt der ersten Geburt.»

Spät gebärende Frauen sind heute schon bald die Regel und nicht wie früher Ausnahmefälle. Dennoch hört man bei Schwangeren ab dem 35. Lebensjahr immer wieder den Begriff «Risikoschwangerschaft». «Das tönt weitaus gefährlicher, als es ist», sagt Scheibner. «Denn die allermeisten Schwangerschaften ab diesem Alter verlaufen so komplikationslos wie bei jüngeren Frauen.»

Risiko Bluthochdruck

Trotzdem gibt es einige Faktoren, die es bei einer späten Schwangerschaft zu beachten gibt. Vorbelastungen, wie Bluthochdruck, Übergewicht sowie andere medizinische Probleme können die Schwangerschaft erschweren. Gerade der vorbestehende oder der neu in der Schwangerschaft auftretende Bluthochdruck stelle ein Risiko sowohl für die Mutter als auch für das Ungeborene dar. Schwangerschaftsvergiftung (Gestose) und/oder Mangelernährung des Fötus können den Verlauf der Schwangerschaft komplizieren. Auch erkranken ältere Frauen öfter an einem Schwangerschaftsdiabetes als junge Mütter und bringen ihr Kind vor dem Termin zur Welt.

Pränataldiagnostik

Klarheit zu möglichen Behinderungen des ungeborenen Kindes liefert während der Schwangerschaft die pränatale Diagnostik. In der Schweiz werden bei jeder schwangeren Frau routinemässig zwei Ultraschall-Screening-Untersuchungen durchgeführt. Das erste zwischen der 12. und 14. Schwangerschaftswoche. Dabei werden die Nackenfalte des Kindes gemessen und zwei Hormone aus dem Blut der Mutter bestimmt. «Am Ende dieses Tests kann fakultativ eine Risikokalkulation insbesondere für das Downsyndrom erstellt werden, was zur Entscheidungsgrundlage für eine mögliche Chromosomenuntersuchung beim Kind herangezogen werden kann», sagt die Frauenärztin. Letztere könne entweder durch eine Gewebeprobe des Mutterkuchens (Chorionzottenbiopsie) oder durch eine Fruchtwasserpunktion (Amniozentese) erfolgen. Beim zweiten Screening zwischen der 20. und 22. Schwangerschaftswoche würden insbesondere die Organe des Fötus mittels Ultraschalluntersuchung beurteilt.

«Reifere Mütter gehen oft bewusster in die Schwangerschaft als jüngere und kümmern sich intensiv um ihren Körper und das Ungeborene», sagt Scheibner. Sie reagierten gelassener auf allfällige Schwangerschaftsbeschwerden, würden früher aufs Rauchen verzichten, sich allgemein gesünder ernähren und alle Vorsorgeuntersuchungen einhalten. Auch finanziell müssten sich späte Mütter weniger Sorgen mehr machen und wirkten dadurch gelassener und selbstsicherer.

Autorin: Silvia Stähli-Schönthaler
Redaktion: Franziska Linder
Quelle
  • «Drogistenstern»