Eltern bleiben, kein Kumpel werden

In der Pubertät stehen die Zeichen auf Sturm: Da heisst es adieu Mutter-Vater-Kind-Idylle, willkommen Mutter-Vater-Kind-Konflikt.

Während die Pubertät bei manchen Familien wie eine Naturkatastrophe hereinbricht, verläuft sie bei andern sanft wie ein warmer Sommerregen. Irgendwann zwischen elf und sechzehn geht es los. Schuld daran sind die Hormone, die Wirkung ist gewaltig und wunderbar. Und anstrengend.

Während Kinderzimmer zu muffigen Grotten mutieren, wird das Wohnzimmer in vielen Familien zur Kampfzone. Und dies nicht nur bei Familien, die das Zusammenleben schon vorher als anstrengend erlebten, sondern auch bei jenen, die sich selbst als harmonisch beschreiben. Damit auch in turbulenten Zeiten Grenzen respektiert und der Familienfrieden weitgehend gewahrt werden können, müssen Eltern erklären, diskutieren, abwägen und Kompromisse schliessen.

Gespräche anzetteln

Bruno Dinner, Sekundarlehrer und Buchautor, weiss, dass es keine Patentrezepte für den Umgang mit Pubertierenden gibt. Wichtig aber sei: «Eltern dürfen den Kontakt zu den Kindern nicht abreissen lassen.» Eltern sollten Gespräche bewusst «anzetteln». Rebellion gehöre zum Ablösungsprozess und sei sogar notwendig. «Das bedeutet allerdings nicht, dass Eltern ihrem Kind alles durchgehen lassen müssen.» Wichtig sei, dass Eltern die Aufsässigkeit ihres Kindes als normalen Entwicklungsabschnitt annehmen. Den Eltern falle dabei die Aufgabe zu, immer wieder neue Grenzen abzustecken. Leichter gesagt, als getan.

Hilfreiche Tipps für Eltern

  • Setzen Sie klare Grenzen. Regelübertretungen müssen Konsequenzen haben.

  • Lassen Sie Jugendliche Wut, Angst, Trauer ausdrücken und Frustration ertragen.

  • Seien Sie Eltern, nicht Kumpel. Zeigen Sie Interesse an den Themen Ihrer Jugendlichen.

  • Lassen Sie Ihr Kind ruhig einmal stolpern, statt ihm alle Steine aus dem Weg zu räumen.

  • Loben Sie Ihr Kind. Nicht als ständiges Berieselungsprogramm, das merken Kinder sofort), sondern, wenn Sie es ehrlich meinen.

  • Zeigen Sie Ihren Jugendlichen, dass Sie stolz auf sie sind.

  • Geben Sie Jugendlichen nach einem Flop eine neue Chance. Pleiten, Pech und Pannen gehören einfach dazu.

  • Nehmen Sie Anteil, aber lassen Sie auch los.

  • Zeigen Sie Verständnis für das Wechselbad der Gefühle. Fühlen Sie mit, aber bleiben Sie klar.

  • Nehmen Sie ruhig mal die Perspektive des Teenagers ein, vermeiden Sie es aber mit Ihrer eigenen Jugendzeit zu argumentieren. Die Zeiten haben sich geändert.

  • Seien Sie ein Vorbild und nehmen Sie Ihr Kind ernst.

  • Wenn Ihre Tochter, Ihr Sohn mit dem Kopf durch die Wand will, seien Sie die Wand, die hält.

  • Hält sich das Kind beim Thema Ausgang an die vereinbarten Abmachungen, können die «Auflagen» mit der Zeit gelockert werden.

  • Eignen Sie sich Wissen an.

Und: Seien Sie nicht verunsichert, wenn die Pubertät Ihrer Tochter, Ihres Sohnes sanft verläuft. Nicht alle Jugendlichen flippen ständig aus oder missachten alle Grenzen und Regeln. «Normal pubertieren» ist auch normal.

Die gute Nachricht

Wenn ständig Ramba Zamba in der Familie ist, dann ist das zwar nicht schön, zeigt aber doch eines: Familienbande sind unkündbar und daher auch belastbarer als andere Beziehungen. Teenager, die wissen, dass sie geliebt werden, trauen sich auch, sich von ihren schwierigen Seiten zu zeigen. Sie wissen, dass die Eltern trotz allem hinter ihnen stehen.

Doch lassen Sie es nicht aus dem Ruder laufen, übersteigen die Schwierigkeiten ein vertretbares Mass, nehmen Sie Hilfe an – zum Beispiel von einer Erziehungsberatungsstelle.

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Autorinnen: Christa Friedli Müller und Katharina Rederer
Redaktion: Katharina Rederer
Quellen
  • «Drogistenstern»

  • Bruno Dinner: «Pubertierende verstehen lernen!», Typotron Verlag, 2001

  • Sarah Renold: «Achtung, Teenager! – Jugendliche verstehen, fördern, fordern», Beobachter-Buchverlag, 2009