Gesundheit aus der Fabrik

Natur pur oder darfs ein bisschen mehr sein? Mit Vitaminen angereicherte Lebensmittel sind voll im Trend – dennoch sollten sie nicht vorbehaltlos genossen werden.

Knackiges Gemüse und sonnengereifte Früchte waren bis vor wenigen Jahrzehnten das Synonym für eine natürliche, vitaminreiche Ernährung. Mittlerweile hat die Lebensmittelindustrie der Natur unter die Arme gegriffen. Lebensmittelzusätze aller Art sind zum milliardenschweren Geschäft geworden. Unter anderem werden weltweit jährlich bis zu 200'000 Tonnen Vitamine künstlich hergestellt. Diese landen schliesslich zu einem Grossteil als Zusatzstoffe in Lebensmitteln. Vor allem die Kombination der Vitamine A, C und E ist populär.

Vitamin A

Aufgrund der positiven Wirkung auf unsere Sehkraft wird Vitamin A (Retinol) auch als «Augenvitamin» bezeichnet. Es unterstützt zudem das Immunsystem und bekämpft Viren, Bakterien und andere Krankheitserreger. Vitamin A ist ausschliesslich in tierischen Produkten vorhanden. Die Vitamin-A-Vorstufe (Beta-Carotin) ist in zahlreichen Obst- und Gemüsesorten enthalten und wird im menschlichen Körper zu Vitamin A umgewandelt.

Vitamin C

Vitamin C (Ascorbinsäure) ist das wohl bekannteste Vitamin. Eine gute Versorgung mit Vitamin C trägt zum Schutz vor Viren und Bakterien bei. Die Wissenschaft streitet sich allerdings darüber, ob hochdosierte Gaben noch besser vor Erkältungen schützen. Vitamin C trägt zur besseren Verwertung von Eisen im Körper bei.

Vitamin E

Vitamin E (Tocopherol) wirkt wie eine Art zelleigener «Rostschutz». Es macht aggressive Sauerstoffverbindungen unschädlich und verhindert, dass diese die Zellen attackieren. Weiter fördert es den Energiestoffwechsel, sorgt für ein störungsfreies Gewebewachstum und für die Gesundheit der roten Blutkörperchen.

Der Vitaminkombination ACE wird eine antioxidative Wirkung zugeschrieben. Dass heisst, der «Vitamin-Mix» wirkt insbesondere gegen aggressive Sauerstoffverbindungen, in der Fachsprache freie Radikale genannt. Da die freien Radikale oft mit Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems, des Immunsystems sowie des natürlichen Alterungsprozesses in Zusammenhang gebracht werden, soll die Einnahme von ACE-Produkten der Gesundheitsvorsorge dienen.

Das sagt die Wissenschaft

Bisher konnte kein wissenschaftlicher Beweis erbracht werden, welcher die alleinige Wirkung der Vitamine A, C und E bestätigt. Aus erfahrungsmedizinischer Sicht ist jedoch klar, dass eine kombinierte Gabe dieser Vitamine sinnvoll sein kann. Informieren Sie sich vor der Einnahme aber am besten in Ihrer Drogerie.

Allgemein warnt die Fachwelt vor der Überdosierung von Vitaminen. Im Speziellen steht eine Überdosierung von Provitamin A (Beta-Carotin) im Verdacht, bei Rauchern das Risiko für Lungenkrebs zu erhöhen. Auf Nummer sicher geht, wer seinen Tagesbedarf an Vitamin A mit natürlichen Lebensmitteln deckt. Ein Glas Rüeblisaft, 125 Gramm Grünkohl oder zehn Gramm Leber reichen dazu aus.

Functional Food

In punkto Essen heissen die drei Trends Gesundheit, Genuss und Convenience. Der Konsument will vor allem eines: Gesunden und stressfreien Genuss. Genau hier hakt Functional Food ein. Der Begriff an sich ist jedoch viel jünger als die Idee, Lebensmittel mit gesundheitsfördernden Stoffen anzureichern. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts versprach in Deutschland die Markteinführung von Malzbier eine «Extra-Portion» Energie. Probiotische Joghurts waren es schliesslich, die dem Functional Food Mitte der 1990er-Jahre zum Siegeszug verhalfen.

Als Functional Food werden im allgemeinen Lebensmittel bezeichnet, die dem Konsumenten nebst Sättigung und Nährstoffzufuhr einen zusätzlichen Nutzen versprechen und so sein körperliches Wohlbefinden steigern. Zurzeit gibt es weder eine rechtliche noch eine wissenschaftlich gültige Definition von Functional Food.

Foto: © Ute Mulder / pixelio.de
Autor und Redaktion: Didier Buchmann
Quellen
  • «Drogistenstern»

  • Renate Murschall «Vitamine und Mineralstoffe», Gondolino Verlag, 2006

  • Deutsche Gesellschaft für Ernährung

  • Verbraucherzentrale Baden-Württemberg e. V.

  • Bundesamt für Gesundheit BAG