Tipps gegen das Frieren

Neben dicken Pullovern, Mützen und Schals können auch Zimtsohlen, Handwärmer, Rosmarin oder Ingwertee an eisig kalten Tagen mollig warm halten.

Wer sich regelmässig in grosser Kälte aufhält, zum Beispiel, weil er in einem Kühllager arbeitet, gewöhnt sich daran. Für alle anderen hat Drogist HF Harald Plank heisse Tipps. Zum Beispiel Handwärmer, die mit einer speziellen Flüssigkeit gefüllt sind und angenehm warm werden, wenn ein darin enthaltenes Plättchen geknickt wird. Plank: «Diese Beutel wärmen zwischen 30 und 60 Minuten lang.» Die Beutel sind mehrmals verwendbar. Legen Sie das kalte Kissen in kochendes Wasser, bis der Inhalt wieder flüssig wird, und lassen Sie den Beutel abkühlen.

Zimtsohlen und Rosmarin

Gegen kalte Füsse helfen Zimtsohlen. «Da ist richtiges Zimtpulver in die Sohle eingenäht», sagt Drogist Plank. Zimt wirke regulierend auf die Durchblutung. Deshalb wärmen solche Sohlen die Füsse im Winter und sorgen im Sommer dafür, dass sie weniger schwitzen.

Personen, die chronisch frieren, empfiehlt Plank eine Tinktur oder eine spagyrische Mischung mit Rosmarin. Dazu können je nach individueller Gegebenheit weitere Essenzen hinzukommen wie Ingwer, Weissdorn oder Eisenkraut. «Diese Heilpflanzen fördern die Durchblutung, heben den Blutdruck und bringen den Körper ins Gleichgewicht.» Auch Ingwertee spende Wärme und stärkt zusätzlich das Immunsystem.

Rosmarin ist auch als Essenz in einem Badezusatz geeignet. «Ein warmes Rosmarinbad weitet die Blutgefässe, und der Kreislauf kommt in Schwung», sagt Plank. Aber auch eine Bettflasche, ein warmes Kirschsteinsäckchen oder ein Traubenkernkissen tun gut. Legen Sie Säckchen und Kissen bei 90 Grad für zehn Minuten in den Backofen, und schon sind sie angenehm warm.

200'000 Kälterezeptoren

Frieren empfinden die Meisten als unangenehm bis schmerzhaft. Trotzdem ist diese Körperreaktion lebenswichtig. Prof. Dr. phil. nat. Walter Senn, Co-Direktor des Instituts für Physiologie der Universität Bern, sagt: «Es ist ein Schutzmechanismus. Damit will uns der Körper vor dem Erfrieren warnen.» Über 200'000 Kälterezeptoren durchziehen die Hautoberfläche. Am dichtesten sind sie im Bereich der Nase und des Mundes. Sinkt die Hauttemperatur auf ein bestimmtes Mass, werden die Kälterezeptoren aktiviert, bei tieferen Temperaturen zusätzlich die Schmerzrezeptoren. Dabei ziehen sich die peripheren Blutgefässe, also jene in der Haut und nahe der Körperoberfläche, zusammen. «Das reduziert den Wärmeverlust über die Haut», sagt Senn. Zudem stellt unser Körper die uns im Laufe der Evolution verbliebenen Körperhaare auf, in der Hoffnung, wärmende Luftschichten im «Fell» anzusammeln. Weil der Pelz aber nicht mehr vorhanden ist, resultiert daraus eine wenig hilfreiche Gänsehaut. In der nächsten Stufe des Kampfs gegen die Kälte beginnen die Muskeln zu zittern. Das schnelle Anspannen und Entspannen produziert Wärme.

Erfrieren

Bei den meisten Menschen hat der Körper eine Kerntemperatur von rund 37 Grad Celsius. Sinkt sie um mehr als zwei Grad, setzt Unterkühlung, die sogenannte Hypothermie, ein. Bei winterlichen Minusgraden oder in sehr kaltem Wasser schafft es der Körper nicht einmal, die Kerntemperatur für 20 Minuten aufrechtzuerhalten, danach dringt die Kälte bis ins Innerste vor. Lebenswichtige Organe wie Herz, Lunge und Gehirn kühlen langsam aus.

Bei etwa 32 Grad Körpertemperatur kann der Körper absurd reagieren: «Er erweitert die peripheren Blutgefässe, wodurch uns heiss wird», sagt Senn. Deshalb werden Erfrorene oft unbekleidet aufgefunden. Sinkt die Kerntemperatur auf 29,5 Grad, verlieren die meisten Unterkühlten das Bewusstsein. Kalt und steif, wie tot, sehen sie dann aus. Die Organe arbeiten aber noch, allerdings im langsamsten Rhythmus. Das Herz schlägt nur noch dreimal pro Minute, Puls und Atem sind kaum mehr messbar. Bekommt das Kälteopfer jetzt keine Hilfe, stirbt es.

Der menschliche Thermostat

Der Mensch beginnt relativ rasch zu frieren. Im Gehirn, im Bereich des Hypothalamus, liegt ein körpereigener Thermostat, der aus Tausenden von Nervenzellen besteht. Er misst die Körpertemperatur und entscheidet, wann der Körper auf die Abweichungen von seiner optimalen Temperatur reagiert. Der Bereich, in dem der Mensch weder schwitzt noch friert, ist sehr eng. «Diese Wohlfühlzone beträgt weniger als ein Grad», sagt Physiologe Senn. Sobald die Kerntemperatur des Körpers den Sollwert von 37 Grad um ein halbes Grad unterschreitet, friert der Mensch. Wird sie um mehr als ein halbes Grad überschritten, fängt er an zu schwitzen. «Für den Körper ist das ein grosser Aufwand. Ein wesentlicher Teil unserer Energie verwendet er für den Erhalt der Temperatur», sagt der Experte. Der menschliche Organismus braucht 37 Grad, andere gleichwarme Säugetiere haben eine ganz andere optimale Temperatur: Die Fledermaus hält konstante 31 Grad, die Ziege 40 und das Rotkehlchen, ein spatzengrosser grauer Vogel mit oranger Brust, eine Rekordtemperatur von 44,6 Grad. «Offenbar gibt es ein Funktionsoptimum», erklärt Senn. «Praktisch alle zellulären Funktionen sind temperaturabhängig. Viele lebenswichtige Prozesse haben sich beim Menschen auf die 37 Grad eingestellt.» Der Sollwert kann sich im Laufe des Lebens verändern. «Bei Menschen über 65 ist er im Durchschnitt ein halbes Grad tiefer.» Verschiedene Körperreaktionen sind im Alter weniger effizient. Das beeinflusst unter anderem die Wärmeregulation.

Kälte ertragen ist trainierbar

Bis zu einem gewissen Punkt hat der Mensch die Fähigkeit, sich eisigen Temperaturen anzupassen. Kälteresistenz ist also trainierbar. Vorausgesetzt, wir halten uns viel draussen auf. Weil wir aber meistens angepasste Kleidung tragen und uns in temperierten Unterkünften aufhalten, kommt der Körper gar nicht erst in den Kältebereich, in dem er sich akklimatisieren müsste.

Physiologe Senn: «Um Kälte zu trotzen, ist der Körper in der Lage, die Wärmeproduktion durch einen erhöhten Stoffwechsel anzukurbeln. Weiter kann er seinen Hauttemperatur-Sollwert reduzieren, damit er weniger Wärme verliert.» Denn je höher der Unterschied zwischen der Luft- und der Hauttemperatur ist, desto grösser ist der Wärmeverlust. Ist unser Hauttemperatur-Sollwert zum Beispiel 30 Grad und wir halten uns draussen nackt bei 10 Grad auf, frieren wir wahrscheinlich. Ist er aber 5 Grad tiefer, also 25 Grad, frösteln wir bei gleicher Aussentemperatur weniger stark.

Mit zunehmender Dauer des Winters verbessert sich wahrscheinlich die Fähigkeit, die Hautoberfläche mehr abkühlen zu können, indem sich die Blutgefässe verengen. «Je prompter das gelingt, desto weniger müssen wir frieren, weil der Körper weniger Wärme verliert», sagt Senn.

Bewahren Sie die Wärme

Damit Ihr Körper in der Kälte möglichst wenig Wärme verliert, sollten Sie folgendes beachten:

  • Bedecken Sie im Winter vor allem den Kopf. Obwohl der Schädel lediglich neun Prozent der Körperoberfläche hat, kann er durch viele oberflächliche Blutgefässe reichlich Wärme abgeben.

  • Schuhe und Handschuhe dürfen nicht zu eng sein, um die Durchblutung nicht zu behindern.

  • Ihre Kleider müssen trocken bleiben. Feuchte Kleidung durch Regen oder Schweiss bildet eine Wärmebrücke, über die Wärme verloren geht.

  • Saunieren, Kneippen oder auch kalt Duschen stimulieren das Immunsystem und beleben bei prinzipiell gesunden Menschen Herz und Kreislauf.

  • Körperliches Training sorgt dafür, dass die autonome Wärmeregulation auch noch im Alter möglichst effizient bleibt.

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Autorin: Vanessa Naef
Redaktion: Bettina Epper
Quelle
  • «Drogistenstern»