Festliche Gewürze

Die Nase ist ein feines Erinnerungsorgan und knüpft Düfte an Erlebtes und wiederkehrende Rituale. Kein Wunder, dürfen Zimt, Nelken, Anis zu Weihnachten nicht fehlen.

Rund 2000 Aromastoffe kann die Nase wahrnehmen. Gerüche werden im Gehirn abgespeichert und mit Erinnerungen verknüpft. Britische Neurowissenschaftler vom University College London glauben, eine Erklärung dafür gefunden zu haben: Erinnerungen sind nicht an einem zentralen Ort, sondern über das gesamte Gehirn verstreut gespeichert. Sie werden aber vom Hippocampus zentral gesteuert. Wird nun einer der menschlichen Sinne (z.B. Riechen) stimuliert (z.B. durch den Duft von Zimtsternen) und aktiviert dadurch eine Erinnerung (Adventszeit als Kind), werden auch verwandte Erinnerungen (wie der Schein von Kerzen) aufgerufen, die auf andere Sinne (Sehen) zurückgehen. Das Forscherteam nimmt aufgrund von Untersuchungen mit hirnverletzten Menschen an, dass Erinnerungen, die an einen Geruch gebunden sind, weit aus am längsten gespeichert bleiben. Warum dies so ist, wissen sie nicht.

Weihnachtsdüfte

Für die meisten Kinder ist Weihnachten eine magische Zeit, die auch im Erwachsenenleben noch viele Emotionen weckt. Will man das Advents- oder Weihnachtsritual oder Teile davon hochleben lassen, ist eines wichtig: Weihnachten riecht und duftet. Da dürfen Gewürze wie Zimt, Anis oder Nelken einfach nicht fehlen.

Zimt

Die Rinde von 1-2-jährigen Ästen des Zimtbaums wird abgeschält und fermentiert. Dieses Endprodukt bezeichnet man als Zimt. Zimt enthält mehrerer ätherische Öle (Zimtaldehyd, Zimtalkohol, Zimtsäure), die den typischen Zimtduft erzeugen.

In der hiesigen Volksheilkunde werden dem Zimt wärmende und stärkende Eigenschaften zugesprochen. Er wirkt krampflösend, verdauungsregulierend und schmerzlindernd. So wurde er gerne bei Kopfschmerzen und bei Gichtanfällen eingesetzt. In der modernen Forschung wird Zimt eine positive Wirkung für Diabetiker Typ2 zugesprochen. Regelmässiges Einstreuen von Zimt in den normalen Speiseplan soll den Blutzuckerspiegel positiv beeinflussen. Das Zimtaldehyd, das auch in Kosmetika oder Parfums vorkommt, ist hingegen weniger erfreulich, es gilt als potenzielles Kontaktallergen.

In der asiatischen Kultur kommt Zimt eher im Bereich der Psyche zum Zug. Dies macht sich auch die Aromatherapie zunutze. So soll Zimt die Stimmungslage verbessern. Räucherstäbchen mit Zimtbeigaben waren Bestandteil vieler Zeremonien in der Antike, Fürbitten und Wünsche wurden so zu den Göttern geschickt. Bei Beerdigungsritualen wollte man mit Zimträucherungen die Toten mit einem Hauch Unsterblichkeit umhüllen.

Seine Beliebtheit machte den chinesischen Zimt zu einem der ersten wichtigen Welthandelsgüter. Es entstand als eine der ersten wichtigen Seehandelsverbindungen die «Zimtroute» von Asien bis zur ostafrikanischen Küste.

Gewürznelke

Nägeli sind die getrockneten Blütenknospen des immergrünen tropischen Gewürznelkenbaumes. Die Blütenknospen erntet man vor dem Blühen und lässt sie trocknen, damit die ätherischen Öle erhalten bleiben. Ursprünglich war der Gewürznelkenbaum auf den Molukken (Indonesien) beheimatet.

Zusammen mit Zimt und Muskatnuss zählen Gewürznelken zu den Stimmungsmachern. So soll der Duft von Nelken beruhigende und leicht antidepressive Eigenschaften haben. Nelken(öl) soll zudem krampflösend und blähungsmindernd wirken.

Bekannt sind Nägeli im Zusammenhang mit Zahnschmerzen und Mundhygiene. So wird bei Zahnschmerzen (als Nothilfe) dazu geraten, eine Nelke auf die schmerzende Stelle zu legen und diese vorsichtig zu kauen. Auch lassen sich kleine Verletzungen in der Mundschleimhaut sowie Aphthen mit Nelkenöl gut behandeln. Im alten China sollen die Höflinge dazu angehalten worden sein, dem Kaiser nur mit einer Nelke im Mund zu begegnen, um seine sensible Nase nicht durch allfälligen Mundgeruch zu belästigen.

Nelkenöl wird auch gerne in der Kosmetikindustrie eingesetzt: etwa in Parfums, Zahnpasten oder Körperlotionen. Ätherisches Nelkenöl kann in hoher Konzentration zu Hautreizungen führen. Eigentliche Allergien auf Nelkenöl sind selten.

Wurden in der Antike Räucherungen mit Nelken zur Verehrung der Götter verwendet, so werden sie heute rege von der Tabakindustrie genutzt.

Muskat

Die immergrünen Muskatnussbäume wachsen im tropischen Flachland, in Seenähe und sind auf die Beschattung durch andere Bäume angewiesen. Aus den weiblichen Blüten entwickelt sich eine gelbliche Beere, die einen hellbraunen Samen enthält: die Muskatnuss.

Muskatnusspulver wird Linderung bei hartnäckigen Durchfällen zugeschrieben. Zudem soll sie entzündungshemmend und im Winter stimmungsaufhellend wirken. In der Hippie-Bewegung der 1960er-Jahre wurde die halluzinogene Wirkkraft der Muskatnuss gepriesen. Zu hoch dosiert kann es zu Vergiftungserscheinungen mit Gleichgewichtsstörungen und Panikattacken kommen. Eine Überdosierung kann gar tödlich enden.

In der Lebensmittelindustrie taucht Muskatnuss in teilweise überraschenden Produkten auf: So ist sie als Stimmungsaufheller – nebst Zimt, Ingwer, Koriander und Nelken – in Cola zu finden. Auch Ketchup wird mit Muskatnuss gewürzt.

Attraktiv an Muskat ist, dass es sich zum Würzen von süssen wie salzigen Gerichten eignet.

Anis

Anis gehört zu den Doldenblütlern. Die Samen sitzen je zu zweit am Enden der Doldenstrahlen. Die einjährige Pflanze ist unter anderem in Südeuropa zu finden.

Anis gehört zu den ältesten Gewürzen des europäischen Kulturraums. Im alten Griechenland und Rom war es das Gewürz des Volkes. In Gebäck und Broten war es allgegenwärtig. Zur Zeit Kaiser Neros sollen die Zuschauer bei Gladiatorenkämpfen Anis-Gebäck gegessen haben, um ihre Nerven zu beruhigen. Im Mittelalter wurde das Gewürz weiterhin gepflegt. Kaiser Karl der Grosse soll den Anbau von Anis ausdrücklich verfügt haben. In verschiedenen medizinischen Handbüchern sind Hinweise auf Anis-Behandlungen zu finden.

Anis wirkt beruhigend und hilft beim Einschlafen. So kann ein Glas warme Milch mit Honig und einer Prise gemahlenem Anis am Abend getrunken zur erwünschten Bettschwere verhelfen. Anis gilt auch als antibakteriell, krampflösend, hilft bei Husten, Blähungen und Verdauungsproblemen und kann eine massvolle ausgewogene Diät positiv unterstützen.

Anis wurde lange Zeit als Aphrodisiakum gehandelt. Heute hat Anis grössere Bedeutung in Form von Hochprozentigem: Pernod, Pastis, Ouzo und Raki sind einige Beispiele.

Ätherisches Anisöl kann selten zu allergischen Reaktionen führen, die die Atemwege und den Magen-Darm-Trakt betreffen. Eine Überdosierung mit Anisöl kann schwerwiegende Folgen haben und zu Schwindel und im Extremfall zu Tiefschlaf mit Muskellähmung führen.

Der aus China stammende Sternanis, der bei uns zu Weihnachten gerne zu Dekorationszwecken genutzt wird, ist mit unserem heimischen Anis nicht verwandt. Trotzdem verfügen die beiden Gewürze teils über gleiche Inhaltsstoffe.

Autorin und Redaktion: Katharina Rederer
Quellen
  • Dr. Manuela Mahn und Dr. Alexander Schenk: «Naturgesund mit Gewürzen - Heilwissen, Tipps und Rezepte», vgs.de, ISBN 3-8025-1624-9

  • «Drogistenstern»

  • spiegel.de