Angst

Dem Löwen trotzen

So unangenehm Angst ist, sie ist für das Überleben unerlässlich.

Angst schnürt einem die Kehle zu, man atmet flach, fühlt sich wie in einem Schraubstock. Das Wort Angst stammt denn auch nicht von ungefähr vom griechischen «ankho» (drosseln, würgen) und dem lateinischen «angor» (Beklemmung).

So unangenehm Angst ist, sie ist für das Überleben unerlässlich. Wer sich vor einem hungrigen Löwen nicht fürchtet, der zähnefletschend angerannt kommt, wird sehr wahrscheinlich von dem Raubtier gefressen; und wer einem heranrasenden Auto nicht ausweicht, ziemlich sicher zu Tode gefahren. Wer aber in solchen Situationen Angst hat, ist in der Lage, richtig zu reagieren und sich zu retten. Sei es durch Erstarren, Kampf oder Flucht. Dazu beschleunigen sich der Herzrhythmus und die Atemfrequenz. Die Blutgefässe ziehen sich zusammen, das erhöht den Blutdruck, was bei der Flucht ebenfalls hilfreich ist. Das ist sogar von aussen zu sehen: Als Nebeneffekt davon wird man nämlich bleich. Die Muskeln werden verstärkt durchblutet, damit man schneller/besser flüchten kann, dafür wird das Verdauungssystem weniger durchblutet, da es in einem solchen Moment unwichtig ist. Die Pupillen weiten sich, alles spielt sich wie in Zeitlupe ab, alle Sinne sind auf Alarm eingestellt, die ganze Wahrnehmung ist geschärft. Das Gehirn gibt Signale an die Nebennieren, damit diese die richtigen Hormone ausschütten, die es dem Körper ermöglichen, Kraftreserven anzuzapfen.

So sieht Angst aus

In der Mimik ist Angst gut zu erkennen. Die Augenbrauen sind hochgezogen, an der Stirn entstehen horizontale Falten. Die Augen sind weit geöffnet, das Oberlid gehoben und das Unterlid horizontal gespannt. Der Mund steht meist offen und die Lippen sind straff. Je mehr die Mundwinkel zurückgezogen und die Lippen über die Zähne gespannt werden, desto intensiver ist die Angst wahrscheinlich.

Angststörung

Angst ist also eigentlich eine gute Sache. Allerdings kann sie auch in Situationen auftreten, die im Grunde ungefährlich sind, zum Beispiel in einer grossen Menschenmenge oder wenn eine Spinne aus der Ecke krabbelt. Eine solche Angst gründet nicht auf einer tatsächlichen Gefahr, niemand wird glauben, die Spinne könne ihn fressen. Trotzdem ist die Angst real und sie kann sich im schlimmsten Fall zu einer Angststörung entwickeln. Wer an einer solchen Angststörung leidet, zeigt verschiedene Symptome wie Brustschmerzen, Zittern, Schwindel, Herzrasen oder Atemnot. Angststörungen sind gut behandelbar, aber je länger abgewartet wird, desto schlimmer können die Angstzustände werden.

Trauma

Der Begriff Trauma geht zurück auf das altgriechische Wort «traûma», was «Wunde» bedeutet. Als traumatisierend erleben Menschen einschneidende Erfahrungen wie schwere Unfälle, Erkrankungen und Naturkatastrophen, aber auch erhebliche psychische, körperliche oder sexuelle Gewalt sowie schwere Verlust- und Vernachlässigungserfahrungen.

Traumatische Erlebnisse können zu einer posttraumatischen Belastungsstörung führen. Das ist eine verzögerte psychische Reaktion auf ein Trauma, wobei die Betroffenen Gefühle wie Angst und Schutzlosigkeit erleben sowie Hilflosigkeit und Kontrollverlust empfinden. Typische Merkmale einer posttraumatischen Belastungsstörung sind das wiederholte Erleben des traumatischen Ereignisses, etwa in sich aufdrängenden Erinnerungen (Nachhallerinnerungen, Flashbacks) oder in Träumen (Albträume). Ebenso können Gefühle von Betäubung und emotionaler Stumpfheit, Gleichgültigkeit gegenüber anderen Menschen und Teilnahmslosigkeit auftreten. Aktivitäten und Situationen, die Erinnerungen an das Trauma wachrufen, werden vermieden. Häufig besteht eine übermässige Erregbarkeit des vegetativen Nervensystems mit verstärkter Wachsamkeit, Schreckhaftigkeit und Schlaflosigkeit. Die Störung kann sich kurz nach dem traumatischen Ereignis, aber auch erst Monate oder Jahre später entwickeln.

Autorin und Redaktion: Bettina Epper
Wissenschaftliche Kontrolle: Dr. phil. nat. Anita Finger Weber
Quellen