Asthma? Treiben Sie Sport!

Bewegung hilft bei chronischen Krankheiten, auch bei Asthma. Was es dabei zu beachten gilt.

Als Christian Protte sein Medizinstudium vor über 20 Jahren abschloss, steckte Sport als Therapie bei vielen Erkrankungen noch in den Kinderschuhen. Stattdessen wurden Bettruhe und Schonung verordnet. Seither hat sich einiges verändert. «Zum Glück», sagt der Oberarzt am Swiss Olympic Medical Center in Magglingen (BE).

Mehr Lebensqualität

Mittlerweile ist erwiesen, dass Sport bei chronischen Krankheiten einen positiven Effekt haben kann. Auch bei Asthma. «Natürlich müssen wir uns vorsichtig an dieses Thema herantasten. Eine gute Absprache mit dem Hausarzt oder dem behandelnden Pneumologen ist wichtig. Denn nicht jede Sportart ist bei Asthma sinnvoll.» Je nach körperlichem Zustand und weiteren Beschwerden wie Bluthochdruck oder Knieschmerzen müsse der Einstieg sanft geschehen. «Gut geeignet ist Nordic Walking. Am besten mit einem Intervalltraining beginnen. Also zwei Minuten flott mit den Stöcken gehen, dann zwei Minuten spazieren und die Stöcke locker hängen lassen.» So könne man seine Leistungsfähigkeit verbessern, die sich mit der Zeit positiv auf das Wohlbefinden auswirken werde.

«Wer an seiner Ausdauer arbeitet, ist leistungsfähiger und belastbarer. Will heissen: Mit der Zeit kommt man besser eine Treppe hinauf, kommt weniger ins Schnaufen, wenn man in den Supermarkt spaziert. Das erhöht die Lebensqualität eines Asthmatikers erheblich», sagt Christian Protte. Denn mit der gesteigerten Kondition nehmen auch Selbstwertgefühl und das Vertrauen in den eigenen Körper zu.

Es geht fast alles

Dennoch gilt es für Asthmatiker, beim Sport einiges zu beachten: Immer den Asthmaspray mit dabeizuhaben, beispielsweise, und zu wissen, wie man bei einem Anfall reagieren würde. Dann auch auf die Umgebung zu achten, in der man Sport treibt. «Jemand mit allergischem Asthma sollte nicht auf einem Rasen Sport treiben, wenn er auf Gräser und Pollen reagiert.» Hier ist laut Protte Sport in einem geschlossenen Raum – also im Fitnessstudio – sinnvoll. Dort könne man Velo fahren, auf dem Stepper trainieren oder auf dem Laufband gehen.

«Unter fachlicher Begleitung sind auch ein Krafttraining und eine Stärkung des Rumpfes oder der gesamten Oberkörpermuskulatur sinnvoll.» Weiterer Vorteil: Man ist beim Sport unter Leuten. «Generell ist es zu Beginn ratsam, noch in Sichtweite von anderen Personen zu bleiben, wenn man sich sportlich betätigt. Ideal ist auch, sich einer Gruppe anzuschliessen.» Mittlerweile gibt es in diversen Kantonen entsprechende Angebote für sportliche Asthmagruppen, auch die Lungenliga bietet Vermittlungshilfe an.

Neben Nordic Walking sind klassischer Langlauf und Schwimmen geeignete Sportarten für Asthmatiker. «Beim Schwimmen sollte man allerdings vorab abklären, ob man allergisch auf Chlor reagiert.» Im Weiteren kommen auch Gymnastik und sanftes Krafttraining im Fitnessstudio oder etwa Golfen infrage.

Asthma

Asthma (allergisches Asthma oder Asthma bronchiale) ist eine entzündliche Folgeerkrankung und geht mit einer Überempfindlichkeit und anfallsweiser Verengung der Atemwege einher. Allergene sind die häufigsten Auslöser von Asthma bronchiale. Je nach individueller Sensibilisierung führt der Kontakt mit Hausstaubmilben, Tieren, Pollen, Schimmelpilzen oder die Einnahme gewisser Lebensmittel bzw. Medikamente zu einer asthmatischen Reaktion mit Husten und Atemnot. Aber: Nicht jede Atemwegsverengung ist ein Asthma. Deshalb sind eine sorgfältige Abklärung und eine konkrete Diagnose wichtig. Die Diagnose wird von einem Lungenfacharzt (Pneumologen) oder einem Allergologen gestellt. Mögliche Asthmaformen sind:

  • Allergisches Asthma, wenn ein Auslöser (Trigger) gefunden wird

  • Angeborenes Asthma, etwa bei extremen Frühgeburten (ungenügender Lungenreife) oder Gendefekten

  • Erworbenes Asthma, beispielsweise bei Rauchern oder gewissen Berufsgruppen (Staublunge)

In der Schweiz sind 12 Prozent aller Kinder betroffen und 6 Prozent der Erwachsenen. Je nach Form des Asthmas werden Medikamente oder eine Immuntherapie verordnet.

Aufgepasst beim Kampfsport!

Weniger geeignet sind Sportarten, bei denen Belastungen auftreten, die nicht kontrollierbar sind. Etwa im Kampfsport. «Wenn ich gegen einen Gegner boxe, kann ich vor dem Kampf nicht abschätzen, welche Belastungen im Verlauf des Kampfes auf mich zukommen», erklärt Protte. Auch im Mannschaftssport ist Achtsamkeit geboten. «Da spielen viele Emotionen mit. Wer aber beispielsweise seine Allergie und die Asthmaerkrankung unter Kontrolle hat und seit Jahren im Fussballclub mitspielt, soll dies auch weiterhin tun.»

Wichtig ist immer, egal um welche Sportart es sich handelt, das Umfeld zu informieren und sich gut mit seinen Ärzten abzusprechen. Wenn man dies getan hat, steht der sportlichen Aktivität laut dem Sportmediziner nichts im Wege. «Ich plädiere dafür, nichts per se im Vornherein zu verbieten. Dafür gibt es ja auch uns Sportmediziner: Wir können Sportarten und Belastungen so anpassen, dass auch Asthmapatienten sie ausüben können. Und das ist ein ganz wichtiger Aspekt – sich als Teil der Gesellschaft fühlen, auch sportlich gesehen.»

Autorin: Denise Muchenberger
Redaktion: Bettina Epper
Wissenschaftliche Kontrolle: Drogistin HF Elisabeth von Grünigen
Quellen