Sicher verhüten ohne Hormone

Natürlich verhüten kann sicher sein – vorausgesetzt, das Paar hält sich an alle Regeln.

Viele Frauen möchten ohne Hormone verhüten. Doch ist das auch verlässlich? Schliesslich ist der Pearl-Index, der die Sicherheit einer Verhütungsmethode anzeigt, vor allem bei den hormonellen Methoden sehr gut (siehe Artikel). Ob eine Schwangerschaftsverhütung sicher ist, hängt jedoch nicht allein davon ab. Drogistin HF Ursi Schilliger: «Auch die Lebensphase, der Lebensrhythmus, der Zyklus und die Gesundheit spielen eine grosse Rolle.» Zudem sei es wichtig, dass ein Paar sich mit der gewählten Methode wohlfühle. Dann sei das Risiko kleiner, Massnahmen zu vergessen.

Die symptothermale Methode

Als die sicherste natürliche Verhütungsmethode gilt die symptothermale Methode (Pearl-Index 0,3 bis 3). Bei der symptothermalen Variante ermittelt die Frau die fruchtbaren und die unfruchtbaren Tage selber. Tagsüber muss sie den Gebärmutterhalsschleim (Zervixschleim) untersuchen und jeden Morgen vor dem Aufstehen mit einem Computer oder einem sehr genauen Thermometer ihre Körpertemperatur, die sogenannte Basaltemperatur, messen. Möglichst immer um die gleiche Zeit. Der Schleim verändert sich im Laufe des Zyklus von weisslich, klumpig bis klar und fadenziehend. Schilliger: «Ist er spinnbar, ist der Eisprung nahe.» Achtung: Das ist keine exakte Anleitung. Am besten lassen Sie sich professionell beraten.

Was die Körpertemperatur beeinflusst

Wer zum Messen der Basaltemperatur ein Thermometer benutzt, muss die fruchtbaren und die unfruchtbaren Tage selber festhalten. Steigt die Temperatur im Verlaufe des Zyklus um ein halbes Grad an, signalisiert das den Eisprung. Bis zur nächsten Blutung bleibt sie erhöht. Verlässlich ist die Aussage nach mindestens sechs Stunden Schlaf. Alkohol, Fieber und Medikamente können die Temperatur beeinflussen. Der Verhütungscomputer berücksichtigt diese Faktoren teilweise.

Die Geräte kosten zwischen 150 und 800 Franken und halten bei schonendem Umgang bis zu zwanzig Jahre lang. Für Frauen, die viel reisen, gibt es kleinere Versionen.

Symptothermale Methode: Eher nicht für junge Frauen

Sehr jungen Frauen rät Drogistin Schilliger von der symptothermalen Methode und auch anderen natürlichen Verhütungsformen eher ab. Grund: «Sie erfordern meistens viel Disziplin.» Man müsse sich intensiv mit dem Körper und dem Zyklus auseinandersetzen. Lediglich mit dem Computer oder Thermometer zu verhüten, also ohne Schleimbeobachtung, sei ausserdem nur Frauen zu empfehlen, für die eine mögliche Schwangerschaft nicht völlig unpassend wäre.

Wann zusätzliche Verhütung wichtig ist

Wer mit der symptothermalen Verhütungsmethode startet, sollte nicht sofort ungeschützten Geschlechtsverkehr haben. Schilliger: «Der Computer muss in der Regel bis zu vier Zyklen durchlaufen, bis er den der jeweiligen Nutzerin kennt.» Auch mit dem Thermometer sollte die Frau ein paar Zyklen üben, um die Symptome sicher zu erkennen. Ebenfalls verhüten sollten Frauen immer rund um die fruchtbare Phase. Diese beläuft sich je nach Regelmässigkeit des Zyklus auf sechs Tage bis zwei Wochen. Für die Verhütung eignen sich Kondome. Diese schützen auch vor Krankheiten wie HIV, Syphilis oder Hepatitis B.

Wer anstelle eines Kondoms ein Diaphragma anwenden will, sollte sich von einer Fachperson beraten lassen. Wichtig ist zudem, dass das Diaphragma immer in Kombination mit einem spermiziden Gel, das die Samen unbeweglich macht, verwendet wird.

Das Diaphragma und das Kondom funktionieren übrigens auch als alleinige Verhütungsmethoden. Mehr über deren Sicherheit erfahren Sie hier.

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Autorin und Redaktion: Vanessa Naef
Quellen
  • Leiterin Wissenschaftliche Fachstelle (WIF) des Schweizerischen Drogistenverbandes: Dr. phil. nat. Anita Finger Weber

  • Drogistin HF Ursi Schilliger