Vornamen: Wie soll es heissen?

Wer bei der Namenswahl seines Kindes allzu originell oder trendy sein will, tut dem Baby keinen Gefallen. Der Vorname begleitet den Menschen ein Leben lang.

Wenn Sie vor der grossen Aufgabe stehen, Ihrem Neugeborenen einen Namen zu geben sollten Sie unbedingt daran danken, dass der Vorname für jedes Lebensalter passen sollte.

Internetplattformen und Bücher zum Thema Namenswahl bieten eine breite Auswahl. Oft gar eine allzu breite Auswahl. Deshalb hier einige Punkte, die bei der Wahl des Vornamens beachtet werden sollten:

  • Nehmen Sie sich Zeit. Nutzen Sie die neun Monate Schwangerschaft. Wer ein Vornamensregister von A bis Z durcharbeiten will, dem wird spätestens beim Buchstaben D schon ganz schwindlig.

  • Hören Sie auf ihren Bauch. Auf welche Namen springen Sie spontan an? Warum? Erstellen Sie eine Liste von in Frage kommenden Namen und tauschen Sie sich mit Ihrem Partner, Ihrer Partnerin aus.

  • Der Name des Babys muss nicht der ganzen Verwandtschaft gefallen, aber dem (Ehe-)Partner schon. Ist ein Name, der die Frau schön findet, ein absolutes No-Go für den Mann, sollte das Paar besser ganz darauf verzichten und sich erneut auf die Suche machen. Über Geschmack bei Namen lässt sich nur sehr schwer streiten. Dies gilt auch für Eltern, die aus verschiedenen Kulturkreisen stammen. Möglicherweise ist ein zweiter Vorname in diesem Fall ein guter Kompromiss.

  • Vielen Menschen ist die Bedeutung des Vornamens wichtig.

  • Der Name sollte nicht allzu fremd klingen oder schwer auszusprechen sein – wie beispielsweise Helemburgis, Maciej, Pollux, Pontian, Thirza… Denken Sie daran, dass das Kind in der Schule (und in seinem ganzen weiteren Leben) immer wieder seinen Namen sagen und eventuell erklären muss.

  • Der Vorname sollte sich nicht mit dem Nachnamen reimen, weil dies unfreiwillig komisch wirken kann: Murilo Torillo.

  • Vorsicht bei Modenamen und Vornamen von Prominenten, vielleicht gefällt er im Moment, aber möglicherweise nicht auf Dauer. Auch freuen sich nicht alle Eltern, wenn in der Klasse ihrer Tochter, ihres Sohnes gleich mehrere Kinder mit demselben trendigen Namen sitzen. Im Klassenzimmer war «Kevin» eine Zeitlang alles andere als «allein Zuhaus».

  • Steht der Namen fest, sollte man sich zusätzlich überlegen, welche Spitznamen Kinder daraus ableiten können.

  • Was die einen als veraltet empfinden, betrachten andere als schöne Familientradition. Im Stammbaum finden sich vielleicht Vornamen, die wieder angesagt sind und sich auch als Zweitname gut machen.

  • Sich nicht beeinflussen lassen. Am besten behalten Eltern den gewählten Namen bis zur Geburt für sich.

Qual der Wahl

Nebst diesen grundsätzlichen Überlegungen sind für Frauen ästhetische Gesichtspunkte wie Klang und Bedeutung wichtig. Das haben Psychologiestudentinnen der Universität Heidelberg (D) herausgefunden. Zudem soll der Name einfach zu schreiben sein. Männer wählen häufig einen Namen nach einem Vorbild oder dem Namen eines Freundes. Auffallend häufig werden auch religiöse Beweggründe genannt. Unverheiratete Paare wählen oft kurze, moderne Namen. Für werdende Mütter wie Väter gilt: Ein Bubenname soll bodenständig sein und für Stabilität stehen; Mädchennamen werden eher nach Modeströmungen gewählt. Akademiker achten anscheinend darauf, dass ein Name möglichst international ist. Nichtakademikern ist es der Untersuchung zufolge wichtiger, dass der Name zum Baby passt. Sie finden sich entsprechend häufig unter den 11 Prozent Eltern, die sich erst nach der Geburt auf einen Namen festlegen, dann nämlich, wenn sie das Kind gesehen haben. Erstaunlicherweise legen 17 Prozent der Eltern den Kindsnamen bereits vor der Zeugung fest. Die Namenswahl begleitet aber die meisten Eltern durch die ganze Schwangerschaft, und dies ist nicht selten auch mit Stress verbunden.

Die Forscherinnen raten dazu, frühzeitig damit anzufangen, Listen mit Lieblingsnamen zu erstellen. Man könne durchaus auch auf ungewöhnliche Quellen zurückgreifen: «Bleiben Sie beim Abspann im Kino ruhig einmal sitzen, und lesen Sie all die Vornamen durch», regen die Psychologinnen an. Man sollte sich zudem kritisch überlegen, wie ein Name wirke. So schlagen sie vor, einen vorläufig gewählten Namen testhalber auf einem Pausen- oder Kinderspielplatz laut zu rufen. Drehen sich mehrerer Köpfe irritiert oder belustigt um, dann sollte man die Wahl eventuell noch einmal überdenken.

Und möglicherweise redet auch der Gesetzgeber ein Wörtchen mit: Das Bundesgericht äussert sich – wenn auch schwammig – zu Grenzen einer freien Namenswahl für Kinder: Zivilstandsbeamte müssen einen Namen nur dann zurückweisen, wenn er «die Interessen des Kindes offensichtlich verletzt».

Autorin und Redaktion: Katharina Rederer
Quellen