Was ist der Intelligenzquotient?

Niemand weiss so genau, was Intelligenz ist. Trotzdem misst die Wissenschaft sie mit einem Quotienten. Doch was sagt dieser überhaupt aus?

Die Bezeichnung «Intelligenz» geht auf das lateinische «intellegere« zurück. Das bedeutet «verstehen». Doch die Wissenschaft ist sich nicht einig, was Intelligenz überhaupt ist. Wann ist jemand intelligent? Wenn er analytisch denkt und mathematische Probleme schnell löst? Wenn er kreativ ist und eine Oper komponiert? Wenn er gut mit Menschen umgehen kann und sich in sie hineinversetzt? Gar nicht so einfach zu beantworten. Eine möglich Definition ist diese: Intelligenz ist die Fähigkeit, Zusammenhänge zu erkennen und Probleme zu lösen. In bekannten und unbekannten Situationen.

Der Intelligenzquotient

Obwohl Intelligenz keine klar definierte Grösse ist, messen manche Wissenschaftler sie mittels Intelligenztests. Daraus berechnen sie den Intelligenzquotienten (IQ). Was dieser tatsächlich aussagt, ist umstritten.

Seinen Ursprung hat der Intelligenztest beim französischen Juristen Alfred Binet. 1904 beauftragte ihn die französische Regierung. Er sollte eine Methode entwickeln, um Schüler mit Lernproblemen zu erkennen. Binet entwarf mit seinem Kollegen Théodore Simon 30 Prüfungen, jede schwieriger als die vorangegangene. Kleine Kinder konnten die einfachsten Aufgaben lösen, die schwierigsten setzten Fähigkeiten voraus, die in der Regel erst bei älteren Kindern ausgeprägt waren. Konnte also ein Siebenjähriger Aufgaben lösen, die normalerweise erst Zehnjährige bewältigen, war er überdurchschnittlich intelligent, schaffte er Aufgaben, die schon Fünfjährige lösten nicht, war er weniger intelligent. Später regte der deutsche Psychologe William Stern an, das Testergebnis durch das Alter der Kinder zu teilen. Der Intelligenzquotient war geboren. Als eigentlicher Begriff kam IQ aber zehn Jahre später zu Ehren, als der US-amerikanische Psychologe Lewis Terman die von Binet erfundenen Tests überarbeitete. Heute noch funktionieren IQ-Tests ganz ähnlich wie jener von Binet.

Zahlen und Fakten zum IQ

  • Ein Intelligenzquotient von 100 entspricht einer durchschnittlichen Intelligenz.

  • Männer und Frauen unterscheiden sich in Sachen IQ nicht signifikant.

  • Ein IQ von 85 bis 115 gilt als «normal intelligent» 68 Prozent aller Getesteten liegt in diesem Bereich.

  • Mit einem IQ von über 115 ist jemand «hochbegabt». Das sind noch 14 Prozent aller Probanden.

  • Höchstbegabt schliesslich ist jemand mit einem IQ von über 135. Das trifft noch auf 1 Prozent zu. Höchstbegabte können früh laufen und sprechen, kommen früh in die Pubertät, sind selten psychisch und physisch auffällig, erbringen bessere Leistungen in der Schule, sind emotional ausgeglichener, sind interessierter und haben häufig Mehrfachbegabungen.

Vererbt – aber nicht nur

Nach heutigen Erkenntnissen ist Intelligenz zum grössten Teil angeboren. Das folgert die Wissenschaft aus der Forschung an Zwillingen. Selbst wenn diese in unterschiedlicher Umgebung aufwuchsen, entwickelten sie eine ähnlich hohe Intelligenz. Trotzdem haben Faktoren wie Familiensituation, schulische Bildung oder kultureller Hintergrund vermutlich enorme Auswirkungen auf die Intelligenz. Denn da die Intelligenz von 2/3 der Menschen eng beieinander liegt (IQ von 85-115), haben schon kleine Unterschiede grosse Auswirkungen. Ein von den Genen vorgegebener IQ von 100 kann mittels optimaler Förderung auf 110 gebracht werden oder ohne jede Förderung auf 90 fallen.

Multiple Intelligenz

IQ-Tests sind umstritten. Ihre Aussagefähigkeit ist beschränkt. Zentrales Problem ist die Schwierigkeit, Intelligenz überhaupt zu definieren. Ein Kritiker ist der US-amerikanische-Psychologe Howard Gardner. Er hat die Theorie der multiplen Intelligenzen entwickelt. Demnach gibt es:

  • eine sprachliche Intelligenz (Schriftseller, Journalisten).

  • eine musikalische Intelligenz (Musiker).

  • eine logisch-mathematische Intelligenz (Mathematiker).

  • eine räumliche Intelligenz (Architekten).

  • eine körperlich-kinästhetische Intelligenz (Sportler, Tänzer).

  • eine naturkundliche Intelligenz (Naturwissenschaftler).

  • eine interpersonale Intelligenz (Befähigt zur Arbeit mit Menschen, Psychologen, Pfleger).

  • eine intrapersonale Intelligenz (Selbstreflexion).

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Autorin und Redaktion: Bettina Epper
Quellen
  • Der Brockhaus Gesundheit

  • Universität Bremen

  • GEO