Das Gehirn ist nie ausgelastet

Das Gehirn arbeitet ständig, aber nicht alle Regionen und Nervenzellen stehen ununterbrochen und gleichzeitig unter Strom. Zum Glück.

Wir nutzen nur 10 Prozent unseres Gehirns. Dieses Gerücht hält sich hartnäckig. Die Behauptung in die Welt gesetzt hat vermutlich Scientology-Gründer Ron Hubbard (1911-86), der mit seiner Lehre Dianetik angebliche Gründe für Lernschwierigkeiten darlegte und Lösungen aufzeigte. Er behauptete, dass der Mensch nur 10 Prozent seines Gehirns auslastet. Die brachliegenden 90 Prozent könnten nur Scientologen zur vollen Blüte bringen. Alles Unsinn.

Wir brauchen das ganze Gehirn

Dieser 10-Prozent-Humbug lässt sich leicht wiederlegen:

  • Hirnverletzte Menschen kämpfen gegen Einschränkungen und Defizite. Würde der Mensch nur 10 Prozent seines Gehirns nutzen, wäre das anders. Dann würden Schlafanfälle oder Unfälle zwar zu Hirnverletzungen führen, die aber meist folgenlos blieben. Ausfälle beispielsweise in der Motorik oder beim Sprechvermögen beweisen, dass jede Hirnregion eine Aufgabe hat.

  • Bildgebende Verfahren zeigen, dass es keine schlafenden Hirnareale gibt. Untersuchungen des Gehirnstoffwechsels belegen ebenfalls, dass es im Hirn kein Ödland gibt.

  • Hirnforscher haben nachgewiesen, dass sich beim Lernen teils weit auseinander liegende Nervenzellen neu verknüpfen. Die Wissenschaftler nennen das plastisches Gehirn. Nutzt ein Mensch diese Fertigkeiten nicht mehr, verkümmern die Verbindungen; er verlernt Dinge wieder. Das heisst wiederum: Wir nutzen alle Gehirnregionen.

Nicht ständig online

Zwar nutzen wir alle Hirnregionen. Allerdings arbeiten nie alle Gehirnareale gleichzeitig und es feuern nie alle Nervenzellen gleichzeitig Impulse ab. Zum Glück! Just diese selektive Aktivität befähigt uns, uns ganz und gar eine Sache zu widmen und diese auszuführen. Wäre es anders, würden wir nonstop herumzappeln und unter einem gewaltigen Druck leiden. Wir würden erinnern, handeln, erkunden, durchdenken, ausprobieren, beobachten... alles gleichzeitig.

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Das Gehirn wird wegen seiner Merkfähigkeit gerne mit einem Computer verglichen. Das ist zwar anschaulich, aber irreführend. Während beim Computer ganz klar ist, wie viel Prozent der Festplatte belegt sind, ist das Gehirn dynamisch. Es arbeitet prozesshaft und anforderungsspezifisch. Es ist plastisch, also formbar und beweglich. Im riesigen Nervenknäuel arbeiten immer wieder neue Verknüpfungen in verschiedensten Regionen zusammen. Wenn man bedenkt, dass wir mindestens 10 Milliarden Gehirnzellen zur Verfügung haben und die Verbindungsmöglichkeiten ausserordentlich vielseitig sind, kann man das Wunderwerk Gehirn zumindest erahnen.

Fazit: Das Gehirn ist zu 100 Prozent ausgelastet und alle Gehirnregionen sind aktiv. Allerdings können Sie das Gehirn durch gesunde Lebensweise (Ernährung und Trinken) und durch geistige Aktivität effizient unterstützen.

Autorin: Katharina Rederer
Redaktion: Katharina Rederer, Bettina Epper