Räuchern in den Rauhnächten

Tradition trifft Naturheilkunde

Der Duft von Weihrauch und Tannennadeln in den dunkelsten Nächten des Jahres: Das Räuchern zwischen Weihnachten und Dreikönig ist ein uralter Brauch, der gerade eine Renaissance erlebt – nicht als Geisterabwehr, sondern als achtsames Ritual für mehr Ruhe und Entspannung.

Das Räuchern zu Weihnachten hat eine sehr lange Tradition. Insbesondere in den Rauhnächten zwischen dem 24. Dezember und dem 6. Januar war das Verräuchern von Kräutern und Harzen in Europa ein wichtiger Brauch. Im bäuerlichen Umfeld, vor allem in Süddeutschland, wird teilweise heute noch traditionell in den Rauhnächten Haus und Stall zum Schutz vor bösen Geistern ausgeräuchert. Doch auch ohne spirituelle Absichten: Räuchern ist ein wunderbares Ritual, bei dem der Duft Ruhe, Wohlbefinden und Entspannung fördert.

Welche Kräuter zu welchem Zweck?

Kräuter wie Johanniskraut, Alantwurzel, Lorbeer, Lavendel und Rosmarin symbolisieren das Licht und die Sonne, die in der dunkelsten Zeit des Jahres Hoffnung bedeutet. Bei Rauhnachtsmischungen darf Beifuss nicht fehlen, der seit jeher als reinigendes und schützendes Räucherwerk gilt. Auch die wintergrünen, heimischen Nadelbäume gaben den Menschen Hoffnung in der kalten Jahreszeit. Ihre Nadeln und Harze wurden gerne verräuchert. Für den klassischen Weihnachtsduft lassen sich Gewürze wie Zimt, Nelken, Kardamom und Sternanis verräuchern.

Anleitung fürs Räuchern zu Hause

Für Innenräume besser geeignet sind Räucherstövchen. Damit wird das Räucherwerk auf einem Metallgitter langsam mithilfe eines Teelichts erhitzt. Bei der Räucherschale funktioniert das so, dass Kohle angezündet wird und im Sand so lange glosen gelassen wird, bis sie eine weisse Glut bildet. Darauf kann man die zerkleinerten Kräuter oder den Weihrauch geben. Manche räuchern einmal an Heiligabend, manche zu Heiligabend, Silvester und Heilige Drei Könige, manche in jeder Nacht.

Die psychologische Wirkung von Ritualen

Das Räuchern hat natürlich vor allem über den Geruch Einfluss auf den Menschen und die positive Wirkung der verschiedenen Heilkräuter ist medizinisch belegt. Doch manchmal tut es einfach gut, wenn man sich bewusst Zeit für ein Ritual nimmt – gerade in unserem hektischen Alltag kann dies eine richtige Wohltat sein. Das Räuchern schafft Momente der Achtsamkeit und hilft beim Übergang vom alten ins neue Jahr

Quellen

kraut&rüben, "Räuchern zu Weihnachten: Diese Kräuter und Harze duften besonders gut", November 2024

Mit Liebe gemacht by Doris Kern, "Der Zauber der Rauhnächte - ein Guide zum Räuchern", Dezember 2020

Autorin: Lisa Heyl