Trockene Heizungsluft: Was hilft gegen trockene Haut und Schleimhäute?

Wenn die Heizung auf Hochtouren läuft, leiden viele Menschen unter trockener Haut, gereizten Schleimhäuten und einem kratzigen Gefühl im Hals. Doch das winterliche Problem lässt sich mit einfachen Massnahmen wirksam bekämpfen.

Warum Heizungsluft so austrocknend wirkt

Das Phänomen hat eine physikalische Ursache: Kalte Aussenluft enthält von Natur aus wenig Feuchtigkeit. Wird diese Luft durch die Heizung erwärmt, sinkt die relative Luftfeuchtigkeit im Raum rapide. Die Folge ist ein doppelter Effekt auf unsere Haut. Einerseits verliert sie Feuchtigkeit an die trockene Raumluft, andererseits weitet die Heizungswärme die Blutgefässe der Haut, wodurch Feuchtigkeit noch schneller verdunstet. Gleichzeitig trocknen die Schleimhäute aus, was die Anfälligkeit für Erkältungen erhöht.

Wie Prof. Dr. Dagmar Simon, Leitende Ärztin der Universitätsklinik für Dermatologie am Inselspital Bern, erklärt, hat dies direkte Auswirkungen auf die Hautbarriere: «Bei Exposition zu trockener Luft kommt es zu einer Austrocknung, der Halt der Hornschicht nimmt ab, Hornzellen werden eher abgestossen, das heisst die Haut schuppt. Das bedeutet auch, dass weitere Faktoren von aussen eindringen können, z.B. Wasser, Seife, die die Hautbarriere weiter schädigen.»

Die Hautbarriere besteht aus verschiedenen Strukturen, wobei besonders die Hornschicht mit den Corneozyten eine wichtige Rolle spielt. Diese sind von einem stabilen Gerüst aus Strukturproteinen stabilisiert und mit einer Eiweiss-Lipid-Wand überzogen. Die Zwischenräume sind mit Lipiden und wasserbindenden Molekülen ausgefüllt. Da die Hautbarriere den äusseren Schutzmantel bildet, ist sie Umweltfaktoren wie trockener Heizungsluft direkt ausgesetzt.

Die richtige Luftfeuchtigkeit macht den Unterschied

Experten empfehlen eine relative Luftfeuchtigkeit zwischen 40 und 60 Prozent bei Raumtemperaturen von 18 bis 22 Grad Celsius. Sinkt die Luftfeuchtigkeit unter 40 Prozent, wird die Luft als trocken empfunden, Schleimhäute werden gereizt und elektrostatische Aufladungen nehmen zu. Steigt sie über 60 Prozent, droht hingegen Schimmelbildung. Mit einem Hygrometer lässt sich die Luftfeuchtigkeit für wenige Franken einfach messen und kontrollieren.

Bewährte Hausmittel gegen trockene Luft

Wasserschalen auf den Heizkörpern oder spezielle Heizungsverdunster sind einfache und wirksame Helfer. Das verdunstende Wasser erhöht die Luftfeuchtigkeit auf natürliche Weise. Wichtig ist dabei die regelmässige Reinigung der Behältnisse, damit sich keine Bakterien ansiedeln. Alternativ erfüllt auch ein feuchtes Handtuch über der Heizung den gleichen Zweck, allerdings nur in beheizten Räumen – im kalten Schlafzimmer droht sonst Schimmel. Zu hohe Luftfeuchtigkeit hingegen kann auch die Besiedlung mit Hausstaubmilben fördern.

Zimmerpflanzen wirken als natürliche Luftbefeuchter, da sie über 90 Prozent des Giesswassers wieder an die Raumluft abgeben. Und auch das richtige Lüften spielt eine wichtige Rolle: Kurzes Stosslüften für 5 bis 10 Minuten bei weit geöffnetem Fenster, mehrmals täglich, sorgt für effektiven Luftaustausch. Dauerlüften oder Kippfenster sollten vermieden werden, da sie die Räume nur auskühlen, ohne wirklich zu lüften.

Elektrische Luftbefeuchter können die Luftfeuchtigkeit gezielt auf 50 bis 60 Prozent anheben und sind besonders wirksam in grösseren Räumen. Allerdings verbrauchen sie relativ viel Strom und können leicht verkeimen, weshalb eine regelmässige Reinigung unerlässlich ist. Zudem fallen Anschaffungskosten an. Das Fazit: Für Haushalte mit besonders trockener Luft sind sie durchaus sinnvoll. Die regelmässige Wartung ist dabei entscheidend.

Die richtige Hautpflege im Winter

Die Haut braucht im Winter eine angepasste Pflege. Für das Gesicht eignen sich reichhaltige Cremes mit pflanzlichen Ölen wie Oliven-, Argan- oder Nachtkerzenöl. Dabei gilt: Je trockener die Haut, desto fetthaltiger darf die Creme sein.

Prof. Dr. Simon empfiehlt zur Behandlung trockener Haut: «Gegen trockene Haut hilft die Anwendung rückfettender Präparate. Je nach Ausprägung und individueller Vorliebe können dies Lotionen, Cremes oder Salben sein. Diese sollten 1x täglich angewendet werden, insbesondere nach dem Waschen oder Duschen, auf trockenen Stellen auch mehrmals täglich.»

Besonders geeignet sind Produkte mit sogenannten Moisturizern – Substanzen, die Wasser binden und dadurch die Feuchtigkeit der Haut verbessern. Die Dermatologin erklärt: «Geeignet sind solche Produkte, die Moisturizer enthalten, also Substanzen, die Wasser binden und dadurch die Feuchtigkeit der Haut verbessern, wie zum Beispiel Harnstoff (Urea), Milchsäure (Laktat) oder Glyzerin.»

Für den Körper sind rückfettende Cremes mit Inhaltsstoffen wie Urea (5 bis 10 Prozent), Ceramiden oder Glycerin ideal. Am besten trägt man sie direkt nach dem Duschen auf die noch leicht feuchte Haut auf, so können die Wirkstoffe besser einziehen.

Neurodermitis im Winter

Besonders Menschen mit Neurodermitis leiden im Winter unter verschärften Symptomen. Prof. Dr. Simon erklärt die Zusammenhänge: «Viele der Patienten mit Neurodermitis berichten über eine Verschlechterung des Hautbefundes im Herbst/Winter. Das hat sicher mit der Exposition gegenüber trockener Luft in Innenräumen, Kälte und Feuchtigkeit draussen, Tragen warmer Kleidung zu tun. Dadurch werden von aussen die Bestandteile der Hornschicht geschädigt, was zu einer Störung der Hautbarrierefunktion beiträgt.» Interessanterweise gibt es jedoch auch Patienten, die den Sommer schlechter vertragen. «Hier sind es sicher Wärme, hohe Luftfeuchtigkeit, Schwitzen, häufiges Duschen oder Baden, die die Hautbarriere angreifen und somit zu einer Verschlechterung des Hautbefundes führen», so die Expertin.

Wann sollte man einen Dermatologen aufsuchen?

In den meisten Fällen lässt sich trockene Haut selbst behandeln. Die entsprechenden Produkte sind in Apotheken, Drogerien und Supermärkten erhältlich. Prof. Dr. Simon betont jedoch: «Es braucht schon etwas Beharrlichkeit, denn die rückfettenden Produkte müssen regelmässig, also täglich, und über einen längeren Zeitraum (Wochen, Monate) aufgetragen werden. Je nach Akzeptanz und Verträglichkeit kann es sein, dass mehrere Produkte ausprobiert werden müssen, um das am besten geeignete zu finden.»

Ein Besuch beim Dermatologen ist ratsam, wenn die Haut nicht nur trocken und schuppend ist, sondern wenn es zu längerfristig anhaltenden Entzündungen oder zur Verschlechterung einer vorbestehenden Hauterkrankung wie Neurodermitis kommt.

Praktische Tipps für den Alltag

Schon wenige Grade weniger bei der Heizung helfen spürbar gegen trockene Luft – dafür einfach eine Kleidungsschicht mehr tragen. Das spart nebenbei auch Energie. Beim Duschen ist die Wassertemperatur entscheidend: Heisses Wasser entzieht der Haut zusätzlich Fett, lauwarm ist deutlich schonender. Es muss auch nicht täglich der ganze Körper eingeseift werden, meist reichen Achsel- und Intimbereich.

Ausreichend trinken – etwa zwei Liter Wasser oder Tee pro Tag – hält die Schleimhäute auch von innen feucht. Ein Geheimtipp für die Nacht: Hände reichlich eincremen und Baumwollhandschuhe darüber ziehen. So wirkt die Creme besser und die Feuchtigkeit bleibt in der Haut.

Trockene Heizungsluft ist ein typisches Winterproblem, lässt sich aber mit einfachen Massnahmen gut in den Griff bekommen. Die Kombination aus erhöhter Luftfeuchtigkeit und angepasster Hautpflege schützt Haut und Schleimhäute effektiv. Elektrische Luftbefeuchter sind kein Muss, können aber bei sehr trockener Raumluft oder gesundheitlichen Problemen sinnvoll sein.

Die wichtigsten Massnahmen auf einen Blick

Für optimale Luftfeuchtigkeit:

Luftfeuchtigkeit mit Hygrometer kontrollieren (Zielwert: 40-60%)

Wasserschalen auf Heizung stellen

Zimmerpflanzen aufstellen

Mehrmals täglich stosslüften

Heizung nicht zu hoch einstellen (18-22°C)

Für gesunde Haut:

Reichhaltige Cremes mit Moisturizern (Urea, Laktat, Glyzerin) verwenden

Nach dem Duschen eincremen (auf feuchter Haut, gleich nach dem Abtrocknen)

Lauwarm statt heiss duschen

Ausreichend trinken

Aggressive Pflegeprodukte meiden

Bei anhaltenden Beschwerden Dermatologen aufsuchen

Autorin: Lisa Heyl

Quelle

Prof. Dr. Dagmar Simon

Leitende Ärztin

Universitätsklinik für Dermatologie, Inselspital

Anna-Seiler-Allee 33

3010 Bern