Pflanzentherapien

Gemmotherapie

1. Definition

Die Gemmotherapie ist eine spezialisierte, sanfte Form der Phytotherapie, bei der ausschliesslich Knospen (lateinisch = gemma), Triebspitzen, junge Schösslinge und im Wachstum befindliche Wurzelfasern verwendet werden. Gemmotherapeutika unterstützen den Körper in Regenerations- und Heilungsprozessen bei verschiedenen Funktionsstörungen.

2. Philosophie

Die Wachstumskräfte von Pflanzen werden mit der Gemmotherapie für den Menschen nutzbar gemacht. In Knospen oder jungen Trieben, also in den Embryonalgeweben, steckt die meiste Energie und Vitalität einer Pflanze. Später nimmt die Wachstumsaktivität ab. Zur Veranschaulichung: Pflanzenwurzeln können in der Wachstumsphase eine Asphaltschicht sprengen.

Der belgische Arzt Pol Henry befasste sich in den 1960-er Jahren als erster mit der Nutzung der Wachstumskräfte von Knospen und Sprossen. Sein Konzept wurde weiterentwickelt und später vor allem in Frankreich bekannt gemacht und verbreitet. Die Grundlage für die Herstellung von Gemmotherapeutika ist heute noch die französische Pharmabibel «Pharmacopée francaise» von 1965.

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Eine weitere nützliche Entscheidungshilfe bei der Wahl der richtigen Therapieform finden Sie in einem Leitfaden des Dachverbandes für Komplementärmedizin (Dakomed).

Dakomed-Leitfaden zum Download (pdf-Datei)

Als Pol 1970 seine Forschungsergebnisse veröffentlichte, nannte er diese neue Therapie «Phyto-Embryotherapie». Diese Disziplin wurde später von Dr. Max Tétau, einem französischen Homöopathen, wieder aufgenommen, weiter entwickelt und unter dem Namen «Gemmotherapie» bekannt. Zu erwähnen sind auch die Arbeiten von Prof. Mallein vom Lehr- und Forschungsinstitut Lyon. Er entdeckte die Wirkung der Johannisbeerknospe (Ribes nigrum), die die Bezeichnung «sanftes, pflanzliches Kortison» erhielt und das bekannteste Mittel in der Gemmotherapie ist.

3. Plausibilität des Konzepts

Bei der Herstellung von Gemmotherapeutika wird nicht versucht – wie im spagyrischen oder homöopathischen Verfahren – die Kräfte einer Pflanze auf besondere Weise aufzuschliessen und zu potenzieren. Gemmotherapie heisst einfach, Arzneien aus dem «Lebendigsten» der Pflanzen herzustellen. Dazu werden frische, einheimische Pflanzenknospen aus biologischem Anbau oder Wildwuchs in einer Alkohol-Glycerin-Lösung mazeriert (eingelegt). Diese Mazerate (Kaltwasserauszug) werden gefiltert und im Verhältnis 1:9 mit einer Alkohol-Glycerin-Lösung verdünnt. Die Knospenmazerate werden ausschliesslich in dieser Arzneiform, nie in höherer Verdünnung und immer als Einzelmittel, verordnet.

4. Belege für die Wirksamkeit

Ein Gemmotherapeutikum wirkt reinigend und ausleitend oder auch regulierend. Die ersten wissenschaftlichen Untersuchungen zur Wirksamkeit gehen auf die 50er Jahre zurück. Seither haben eine Vielzahl pharmakologischer und analytischer Studien die Resultate aus klinischen Experimenten untermauert.

Eine Behandlung ist zum Beispiel angezeigt nach einer Infektion oder einer Antibiotikatherapie. Die Mittel regen die Bildung einer bestimmten Zellenart, der Makrophagen, an. Diese Makrophagen praktizieren die Phagozytose, das heisst, sie nehmen Fremdpartikel wie etwa Bakterien auf und bauen diese ab. Dieser Wirkmechanismus ist bereits in den 50er Jahren wissenschaftlich untersucht und belegt worden. Weitere pharmakologische und analytische Studien beispielsweise der Forscher Rolland, Binsard, Raynaud und Tetau zur Wirksamkeit der Gemmotherapie schlossen sich an.

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