Durchfall? Trinken Sie viel!

Bei Durchfall verliert der Körper sehr rasch viel Flüssigkeit und Elektrolyte wie Natrium, Kalium, Kalzium und Magnesium. Wird der Verlust nicht ausgeglichen, kann das schlimme Folgen haben.

Bei mehr als drei Stuhlentleerungen pro Tag spricht man von Durchfall. Dabei ist der Stuhl ungeformt, weich, breiig oder flüssig.

Man unterscheidet zwischen akutem und chronischem Durchfall (Diarrhö). Bei einem akuten Durchfall reagiert der Körper häufig (sofort) auf eine «Vergiftung» und die Entleerung dient dem Loswerden unerwünschter Bakterien, Nahrungsmitteln usw. Dieser Schutzmechanismus ist daher häufig begleitet von Übelkeit, Fieber und Bauschmerzen. Akute Diarrhö ist in der Regel auf eine bis zwei Wochen beschränkt.

Von einer chronischen Diarrhö spricht man, wenn der Durchfall schleichend startet und über mehrere Wochen (über zwei Wochen) anhält. In solchen Fällen ist es ratsam, einen Arzt aufzusuchen. Denn der damit einhergehende Flüssigkeits- und Elektrolytverlust kann lebensbedrohlich werden.

Achtung: Bei Durchfallerkrankungen bei Säuglingen und kleinen Kindern sollte immer ein Arzt aufgesucht werden.

Ursachen und Hintergründe

Zwei Liter Flüssigkeit gelangen durch die Nahrungsaufnahme pro Tag in den Dünndarm, sieben zusätzliche Liter durch Sekrete von Speicheldrüsen, Magen, Pankreas, Galle und Dünndarm. 90 Prozent davon werden im Dünndarm und 8 Prozent im Dickdarm rückresorbiert. Die tägliche Stuhlmenge enthält normalerweise 100 bis 200 Milliliter Wasser. Findet nun eine erhöhte Flüssigkeitsausscheidung (Diarrhö) statt, ist dies auf eine veränderte Rückresorption der Flüssigkeit und Elektrolyte im Darm zurückzuführen. Eine gestörte Rückresorption wiederum ist ein Ausdruck einer gereizten oder entzündlich veränderten Darmschleimhaut oder eines Infektes.

Eine akute Diarrhö kann zum Beispiel durch eine Lebensmittelvergiftung verursacht sein. In über 50 Prozent stecken Viren (vor allem das Norovirus) dahinter. In circa 80 Prozent der Fälle sind bei Reisedurchfall Bakterien die Ursache. Auch Medikamente, wie zum Beispiel Antibiotika, sind häufige Gründe für einen plötzlichen Durchfall. Zuletzt haben auch psychische Gründe wie Angst oder Stress einen stuhlgangfördernden bis hin zu Durchfall führenden Effekt.

Häufigste Ursachen für chronischen Durchfall sind das Reizdarmsyndrom (Colon irritabile), chronisch entzündliche Darmerkrankungen (z. B. Colitis ulcerosa, Morbus Crohn), chronische Darminfektionen (z. B. verursacht durch Amöben, Lamblien, Clostridium difficile), Glutenunverträglichkeit (Zöliakie, Sprue), Milchzuckerunverträglichkeit (Laktoseintoleranz), hormonelle Störungen, der Missbrauch von Abführmitteln oder ein hoher Konsum künstlicher Süssmittel.

Was man selbst tun kann

Einer Durchfallerkrankung kann man nicht tatenlos zusehen, weil der Körper Flüssigkeit und Elektrolyte wie beispielsweise Natrium, Kalium, Kalzium und Magnesium verliert. Je nach Schweregrad und körperlichem Zustand der betroffenen Person kann Durchfall zu einem ernsthaften Problem werden. Folgende Verhaltensmassnahmen können dabei unterstützend wirken:

  • Während 24 Stunden gar nichts essen, nur Tee trinken.

  • Flüssigkeits- und Salzverlust ausgleichen: Gesüssten Tee, Bouillon, verdünnte Fruchtsäfte (1:1 verdünnen) trinken.

  • Fenchel- oder Kamillentee, mit einer Prise Salz und Zucker angereichert, hilft den Mineralstoffverlust auszugleichen, beruhigt den Bauch und wirkt krampflösend.

  • Getrocknete Heidelbeeren helfen gegen Durchfall. Auch gerbstoffhaltige Tees wie Schwarz- oder Grüntee lindern die Symptome bei Durchfall (Ziehdauer mindestens 10 Minuten).

  • Milch und Milchprodukte können den Durchfall verschlimmern. Ausnahme: Muttermilch. Babys, die gestillt werden, am besten einfach weiterstillen. Eventuell sogar etwas häufiger als gewöhnlich anlegen.

  • Die alten Cola- und Salzstangen-Rezepte können Durchfall sogar verschlimmern.

  • Elektrolytlösung (selbst gemacht): In einem halben Liter abgekochtem Wasser einen viertel Teelöffel Salz und zwei Teelöffel Traubenzucker oder Honig auflösen und mit etwas Orangensaft abschmecken.

  • Nach 24 bis 48 Stunden leicht verdauliche Nahrung wie Zwieback, Suppe, Reis, geriebene Äpfel, Hafer- oder Reisschleim, Rüeblibrei oder Bananen einnehmen. Keine rohen Gemüse.

  • Bei Durchfall, der von Bauchschmerzen begleitet ist, tut zudem eine wärmende Bettflasche oder ein Wickel gut.

In der Drogerie gibt es verschiedene natürliche Heilmittel, die bei wiederkehrendem Durchfall helfen. Und im Akutfall haben sich folgende Mittel bewährt:

  • Aus der Homöopathie: Arsenicum album D12 oder Veratrum album D12

  • Spagyrische Mischungen aus Schwalbenwurz oder Okoubaka

  • Hochdosierte probiotische Bakterien in Kapsel­ oder Pulverform. Laktobazillen-, Milchsäure-Präparate helfen, den Darm wieder ins Gleichgewicht zu bringen

  • Schüssler-Salze Nr. 8 und 19

  • Hefepräparate

  • Kohletabletten (Aktivkohle bindet Flüssigkeit und vermindert dadurch den Durchfall)

Wichtig: Durchfallerkrankungen stellen vor allem für ältere, geschwächte Menschen und Kinder eine grosse Gefahr dar. Gerade bei dieser Patientengruppe ist ein Arztbesuch unumgänglich. Gleiches gilt, wenn Sie an sehr schweren Durchfällen, Fieber, Koliken, Erbrechen, Schwächeanfällen, Blut im Stuhl oder pechschwarzem Stuhl leiden. Auch wenn Sie Anzeichen von Austrocknung (dunkler Urin, keine Urinausscheidung für mehrere Stunden, sehr trockener Mund, stehende Hautfalten nach Zusammenkneifen, Gewichtsverlust von mehr als 5 Prozent) haben, sollten Sie den Arzt informieren.

Vorbeugen

  • Hände häufig und gründlich waschen; mit einem Einweghandtuch die Hände abtrocknen. Auch nach Bahn- und Busfahrten die Hände gut waschen. Achtung: Durch Viren und Bakterien verursachte Durchfälle sind ansteckend!

  • Auf Reisen in Regionen mit schlechten hygienischen Verhältnissen nur abgekochtes Wasser trinken und nur gekochte oder gebratene Speisen essen. Früchte nur essen, wenn sie sich schälen lassen. Keine Eiswürfel oder Glacen konsumieren.

  • Geflügel, Wild, Fisch, Krusten-, Schalen- und Weichtiere können Salmonellen enthalten. Diese Lebensmittel bei Temperaturen unter 10 Grad und getrennt von anderen Lebensmitteln aufbewahren. Auch separat zubereiten und Küchenutensilien wie Schneidebretter und Messer, die damit in Kontakt gekommen sind, mit heissem Wasser und Spülmittel gründlich reinigen.

  • Wegen erhöhter Salmonellengefahr Geflügel, Fleisch und Fisch gut durchbraten. Hackfleisch immer am Herstellungstag verbrauchen.

  • Gerichte mit rohen Eiern sofort konsumieren, nicht aufbewahren. Bei Anfälligkeit auf Durchfall und Salmonellengefahr ganz darauf verzichten.

Foto: © Rainer Sturm / pixelio.de
Autorinnen: Katharina Rederer und Julia Burgener
Redaktion: Katharina Rederer