Klassische Massage

1. Definition

Klassische Massage ist die äusserliche, manuelle Behandlung bei Beschwerden im Bereich des Bewegungsapparates durch Druck, Zug, Schütteln, Streichen und Klopfen. Mit Hilfe der klassischen Massage können auch erkrankte innere Organe günstig beeinflusst werden. Die Massage versteht sich als Reiztherapie, auf die der Organismus antwortet. Die klassische Massage ist auch unter dem Begriff «schwedische Massage» bekannt, da ihre Technik um die Jahrhundertwende vom Schweden Henri Peter Ling entwickelt worden ist.

2. Philosophie

Der Hauptzweck der Massage liegt darin, die Harmonie des Organismus durch die Kunst der Berührung zu bewahren oder wiederherzustellen. Die klassische Massage ist ein Konzept aus fünf verschiedenen Handgriffen auf der Haut. Die Massagegriffe wirken sich auf die Haut und das darunter liegende Gewebe aus und werden von den Nerven aufgenommen. Diese leiten die Empfindungen ans Gehirn weiter und veranlassen es, körpereigene, schmerzlindernde Stoffe zu bilden. Durch Einwirkung auf das vegetative Nervensystem kann die Massage auch die Atmung, Verdauungsorgane und den Kreislauf beeinflussen.

Zahlreiche Varianten

Anerkannte Varianten der klassischen Massage sind manuelle Bindegewebemassage, Lymphdrainage, Muskelreflexzonenmassage, Periostmassage und Kolonmassage. Mit Geräten werden die Vibrationsmassage, Ultraschallmassage, Elektromassage, Unterwassermassage und Druckluftmassage ausgeführt.

3. Plausibilität des Konzepts

Die Effekte der klassischen Massage sind abhängig von der Art der angewendeten Technik. Es sind verschiedene Wirkungen möglich. Die Massage fördert die Durchblutung, aktiviert das Immunsystem reguliert nachweislich die Körpertemperatur und regt die Stuhl- und Harnausscheidung an, was auf die Stimulation des vegetativen Nervensystems zurückzuführen ist. Sie verbessert die Heilung von Narben und steigert aufgrund der Muskelentspannung die Beweglichkeit des Bewegungsapparates. Massage kann zur Senkung der Stresshormone im Blut beitragen und fördert durch spezielle Griffe am Brustkorb die Tiefenatmung und die Schleimlösung. Sie hat eine ausgleichende und pflegende Wirkung auf die Haut und das darunter liegende Gewebe, verbessert das Gefühl für den eigenen Körper und löst Ängste und erzielt Berührungsreize eine nachhaltig positive Auswirkung auf das Wohlbefinden.

4. Belege für die Wirksamkeit

Die klassische Massage hat sowohl in der Schulmedizin (z.B. Physiotherapie, medizinische Massage) als auch in der Alternativmedizin (z.B. Ayurveda, Shiatsu) ihren festen Platz. Ihre Wirksamkeit wurde in zahlreichen Studien wissenschaftlich nachgewiesen. Zwei Beispiele:

  • Wirkungsnachweis gegen Depressionen

  • Hilfreich bei Rückenschmerzen

5. Anwendung

Die klassische Massage umfasst fünf Griffarten:

  • Streichen (Effleurage): Wird von vielen als angenehm und entspannend wahrgenommen. Streichungen werden mit beiden Händen herzwärts durchgeführt und dienen dem Masseur dazu, Kontakt zum Patienten aufzunehmen und Verspannungen aufzuspüren. Streichungen eignen sich vor allem zu Beginn der Massage zur Eingewöhnung und zum Verteilen der Salbe oder des Massageöls.

  • Kneten (Petrissage): Als Knetungen werden S-förmige Knetbewegungen einer Muskelgruppe von distalen (körperferneren) nach proximalen (körpernäheren) Körperregionen bezeichnet. Die einzelnen Muskelgruppen werden mit Daumen und Fingerkuppen umfasst und im Wechsel der Hände gegeneinander geschoben und gedreht. Knetungen erfolgen in der Verlaufsrichtung des Muskels, lösen Haut und Muskelverspannungen, verbessern die Durchblutung, fördern den Abtransport von Stoffwechselprodukten und entspannen die Muskulatur – je nach Durchführung und Intensität der Griffe. Wichtig bei Knetungen ist, dass der Muskel als ganzer gefasst wird, ansonsten würde nur über die Haut gerutscht werden.

  • Reiben (Friktion): Friktioniert wird meist mit den Handballen mit kräftigem, an- und abschwellendem Druck. Diese Behandlung kann den Muskel erwärmen und Verklebungen (Myogelosen = fühlbare, harte Knoten im Muskelgewebe) lösen.

  • Klopfen (Tapotement): Durch leichtes Schlagen mit lockerer Hand wird die Durchblutung der Tiefenmuskulatur gefördert und gleichzeitig das Nervensystem stimuliert. Weiches Klopfen hat eine muskelentspannende Wirkung. Hartes Klopfen wirkt anregend und kommt eher in der Sportmassage zum Einsatz. Im Gesicht werden zarte Klopfungen mit den Fingerkuppen ausgeführt.

  • Erschüttern (Vibration): Erschütterungen werden mit den Fingerkuppen oder der Handfläche durchgeführt. Schnelle und feine Handbewegungen sollen eine nachhaltig psychisch und physisch wirkende Entspannung auslösen. Im Bauchraum können sie Magen- und Darmkrämpfe lösen helfen. Die Vibrationstechnik gilt als schwer erlernbar.

6. Selbstbehandlung

Bei medizinischen Massagen, die zu Heilzwecken durchgeführt werden (beispielsweise nach Unfällen oder Erkrankungen des Bewegungsapparates), muss eine Untersuchung einer Fachperson vorangehen und/oder eine Verschreibung des Arztes vorliegen. Bei Massagen, die das Wohlbefinden verbessern sollen, ist dies nicht nötig: Selbst- oder Partnermassagen sind wohltuend und angenehm. Meist wird intuitiv richtig massiert. Wer unsicher ist, kann die Drogistin oder den Drogisten um Rat fragen. Die Drogerie bietet eine grosse Auswahl an Produkten (wie Massageöl, ätherische Öle, Salben, usw.) und Geräten (wie Massagebälle, Bürsten, Handschuhe, usw.) zur Selbstbehandlung an. Wer es genauer wissen will, schmökert in einem der unzähligen Massagebücher oder besucht einen Kurs für klassische Massage. Beides gibts sowohl für die Partner- als auch für die Selbstmassage.

7. Anwender und ihre Ausbildung

Adressen von registrierten Berufsmasseuren führt der Schweizerische Verband der Berufs-Masseure.

8. Behandlung und Ablauf

Einzelne Massagesitzungen werden zu Serien von mindestens sechs Behandlungen (zweimal pro Woche) zusammengefasst. Für die verschiedenen Körperbereiche empfehlen sich unterschiedliche Massagedauern. So werden für eine Teilmassage (Kopf, Füsse, Hände) etwa zehn Minuten gerechnet. Eine Massage grosser Körperpartien (Arme, Beine, Rücken) dauert rund zwanzig Minuten. Eine Ganzkörpermassage nimmt 45 Minuten in Anspruch. Die klassische Massage dient vor allem zur Vorbeugung und Behandlung von Verspannungen der Muskulatur. Weiter fördert die Massage die allgemeine Entspannung und steigert das Wohlbefinden. Die häufigsten Beschwerden, die jemanden zum Masseur führen sind: Rückenschmerzen, Kopfschmerzen (verursacht durch verspannte Nackenmuskulatur), Muskelverhärtung (nach körperlicher Überanstrengung) und Bewegungseinschränkung (z.B. bedingt durch eine verkürzte Muskulatur).

9. Grenzen und Risiken

Nach einer sachkundigen Massage sind keine Nebenwirkungen zu erwarten. Doch auch bei der Massage gibt es Kontraindikationen, die beachtet werden müssen. Bei folgenden Krankheiten sollte die klassische Massage nicht oder erst nach Absprache mit einer medizinischen Fachperson erfolgen: Gefässerkrankungen, akute Entzündungen und Infektionskrankheiten, Krebs, hohes Fieber, Herz-Kreislaufprobleme, Erkrankungen der Muskeln und der Nerven, Blutungsneigung, Venenleiden.

10. Praktische Tipps

Hautfreundliche Basisöle – gerne auch mit ätherischen Ölen angereichert – lassen die Hände während der Massage besser auf der Haut gleiten. Tipp von Amin Fischer, diplomiert Drogist in Tägerwilen: «Lassen Sie sich ein individuelles Massageöl in der Drogerie mischen oder stellen Sie selber eine feine Massagecreme her. Ausprobieren lohnt sich.»

11. Zahlt die Krankenkasse?

Viele Krankenkassen leisten einen Beitrag an die Behandlungskosten im Rahmen ihrer Zusatzversicherungen, sofern Therapeuten anerkannt sind. Nähere Informationen erhalten Sie direkt bei Ihrer Krankenkasse.

Autorin und Redaktion: Nadja Mühlemann
Quelle
  • Schweizerischer Verband der Berufsmasseure