So finden Sie die richtige Therapie

Naturheilkunde, ja. Aber welche Therapie hilft und wer bezahlt sie? Experte Simon Becker beantwortet häufige Fragen.

Für Patientinnen und Patienten ist es nicht einfach, sich im Dschungel der alternativen und komplementären Therapien zurechtzufinden. Viele stellen sich Fragen wie: Welche Therapie hilft? Wie lange dauert sie, und wer übernimmt die Kosten? Antworten auf diese und viele weitere Fragen gibt Simon Becker, Vorstandsmitglied der Organisation der Arbeitswelt Alternativmedizin Schweiz (OdA AM) und Stv. Leiter der Poliklinik für Chinesische Medizin des See-Spitals im zürcherischen Horgen.

Welche Therapie ist die richtige?

«Tipps von der Familie oder von Freunden können helfen, sich für eine Therapie zu entscheiden», sagt Simon Becker. Wer sich aber selber auf die Suche nach der passenden Behandlung und den geeigneten Therapeuten macht, hat mehrere Möglichkeiten, sich zu informieren:

  • Drogerien können bei Beschwerden eine erste Anlaufstelle sein und Tipps geben.

  • Die Plattform coachfrog.ch bietet Menschen mit gesundheitlichen Anliegen den Zugang zu qualifizierten Therapeuten und Trainern. Ein Expertenteam beantwortet auch gratis Fragen und gibt Tipps.

  • Webseiten und Unterlagen von Berufsverbänden liefern nützlich Informationen zu Therapien und Therapeuten.

  • Das Erfahrungsmedizinische Register (EMR), eine Reglementierungsstelle, setzt sich für Qualitätssicherung ein. Auf der Webseite emr.ch finden Sie eine Liste registrierter und gut ausgebildeter Therapeutinnen und Therapeuten.

  • Auf den Webseiten der Organisationen der Arbeitswelt Alternativmedizin Schweiz (OdA AM; oda-am.ch) und der Arbeitswelt Komplementärtherapie (OdA KT; oda-kt.ch) können Sie sich über verschiedene alternative und komplementäre Behandlungsformen informieren.

  • Ihre Zusatzversicherung verfügt möglicherweise über eine Therapeutenliste.

Wer bezahlt die Therapie?

Viele komplementäre oder alternative Therapien sind über eine Zusatzversicherung abgedeckt. Simon Becker empfiehlt: «Am besten verlangen Sie von Ihrem Versicherer eine Therapeutenliste oder klären ab, ob er die anfallenden Kosten der ins Auge gefassten Therapie übernehmen würde.» Personen ohne Zusatzversicherung müssen ihre Therapie in der Regel selber bezahlen.

Welche Therapeuten arbeiten seriös?

«Therapeuten, die von einer Krankenkasse, einem Berufsverband oder dem EMR anerkannt sind, verfügen über eine fundierte Ausbildung und sind seriös», sagt Becker. Ausserdem gibt es verschiedene eidgenössisch anerkannte Abschlüsse, zum Beispiel Naturheilpraktiker, Komplementärtherapeuten, Kunsttherapeuten und Medizinische Masseure sowie Osteopathen.

Was sollte ich mir vor Therapiebeginn überlegen?

Die Philosophie der Therapie sollte Ihnen entsprechen. Becker: «Für Menschen mit einer Nadelphobie ist Akupunktur wahrscheinlich die falsche Behandlung.» Zudem sei oft Eigeninitiative Voraussetzung. «Patienten sollten nicht erwarten, dass sie sich einfach hinlegen können und der Therapeut sie dann flickt. Sie müssen gewillt sein, ihren Lebensstil zu verändern und Zeit in die Therapie zu investieren.»

Wie lange dauert eine Therapie in der Regel?

Die Dauer einer Therapie ist sehr individuell. Becker: «Am besten definieren Patienten und ihre Therapeuten gemeinsam gleich am Anfang die Anzahl der Behandlungen.» So habe der Klient ein Ziel vor Augen und könne ausserdem davon ausgehen, dass in dieser Zeit eine Besserung eintreten sollte – «vorausgesetzt er hat der Therapie eine faire Chance gegeben und die Tipps des Therapeuten befolgt».

Wann sollte ich die Therapie abbrechen?

Am Anfang einer Therapie, zum Beispiel in der Homöopathie oder Akupunktur, kann sich der Gesundheitszustand erst einmal verschlechtern. «Das ist normal. Doch kurze Zeit später sollte ein Heilerfolg auftreten», sagt Becker. Wer nach der vereinbarten Therapiezeit noch überhaupt keine Besserung spürt, sollte sich überlegen, die Therapie zu wechseln. «Patienten haben manchmal Hemmungen, ihre Bedenken bezüglich der Heilung anzusprechen oder gar mitzuteilen, dass sie die Therapie beenden möchten.» Sind Sie also kritisch und reden Sie mit Ihrem Therapeuten offen über alles!

Quelle: Interviewpartner Simon Becker, Vorstandsmitglied der Organisation der Arbeitswelt Alternativmedizin Schweiz (OdA AM).
Autorin und Redaktion: Vanessa Naef