Kosmetik
Einnehmen statt eincremen
Weltweit wird in Labors an Lebensmitteln getüftelt, die nicht nur nähren, sondern auch schön machen sollen. «Beauty Food» ist teils Nahrungsmittel, teils Kosmetikum, weshalb es auch «Nutricosmetic» genannt wird.
Schönheit ist gottgegeben. Jein. Denn Schönheit hat viel mit Gesundheit und Körperpflege zu tun. So gelten eine gesunde, ebenmässige Haut, glänzende, starke Haare sowie gepflegte, starke Fingernägel allgemein als Schönheitsmerkmale. Dabei reicht der Griff zu Cremen, Töpfen und Tiegeln allein nicht aus. Unabdingbar ist eine gesunde und ausgewogene Ernährung, denn viele Vitamine, Spurenelemente und Mineralien in unserer Nahrung sind wahre «Schönmacher». Nun gibt es Nahrungsmittel, die einen besonders hohen Gehalt an solchen Vitalstoffen aufweisen, weswegen man dann von Beauty Food oder eben Nutricosmetic spricht. Die wichtigsten Schönmacher sind die Vitamine A, B, C und E, die Spurenelemente Eisen, Zink und Carotinoide. Eine wichtige Rolle dabei spielen auch ungesättigte Fettsäuren.
Schönheit aus der Pillendose
Beauty Food ist teilweise Realität, teilweise Zukunftsmusik. Fest steht, dass sich «eine hochdosierte Menge an Wirkstoffen gegen Falten, brüchige Nägel und stumpfe Nägel kaum über die tägliche Nahrung zuführen lässt», wie Drogerieinhaberin Sibylle Welti von der Dropa Drogerie Welti in Domat/Ems sagt. Deswegen greift vor allem die weibliche Kundschaft schon heute gerne zu Nahrungsergänzungsmitteln in Tablettenform. «Wollte man die nutricosmetisch nötige Tagesdosis an Wirkstoffen für schöne Haare über die Nahrung zu sich nehmen, müsste man täglich zwei Kilo Hirse essen», gibt Welti ein Beispiel. Wer Vitamine und Mineralstoffe in Pillenform zu sich nehmen will, sollte unbedingt eine Fachberatung in der Drogerie in Anspruch nehmen. Je nach Lebensalter, beruflicher oder privater Belastung, körperlicher Gesundheit sind andere Nahrungsergänzungsmittel angesagt. So ist beispielsweise die Antibabypille ein ausgesprochener Vitalstoffräuber.
Wie weit ist die Wissenschaft?
Die Walliserin Petra Huber ist Apothekerin und arbeitet als Dozentin für Kosmetik und Toxikologie am Institut für Lebensmittel- und Getränketechnologie (ILGI) der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW). Im Rahmen interdisziplinärer Projekte erforschte sie die Machbarkeit von angereicherten Lebensmitteln im Bereich Schönheit und Ernährung für den Schweizer Markt.
Frau Huber, Beauty Food soll uns schön machen. Worum geht es da?
Petra Huber: Es ist unbestritten, dass Wirkstoffe wie Vitamine und sekundäre Pflanzenstoffe einen positiven Effekt auf den Organismus haben. Lebensmittel, die als Beauty Food bezeichnet werden, verfügen hauptsächlich über die Vitamine A, C, D oder E oder ungesättigte Fettsäuren wie Omega-3 und -6. Diese Antioxidanzien fangen die freien Radikale ab, die unsere Zellen angreifen und beschädigen können.
Genügt es nicht, sich ausgewogen zu ernähren und auf die Qualität der Produkte zu achten?
Für gesunde Menschen, die sich optimal ernähren, indem sie täglich fünf Portionen Früchte und Gemüse essen, könnte es genügen. Zusätzliche Unterstützung brauchen aber jene, die zum Beispiel viel Sport treiben, unter Stress leiden, Schwangere, Senioren oder Frauen in der Menopause. In jedem Menschenleben gibt es Situationen, die eine Ergänzung nötig machen.

