Wanderapotheke

Rasche Hilfe für unterwegs

Mückenstiche, Blasen oder ein aufgeschrammtes Knie können einem den Aufenthalt im Freien ganz schön vermiesen – ausser im Rucksack steckt alles, um kleine Blessuren sofort richtig zu versorgen.

Beim Wandern, Spielen im Wald oder Grillieren kann schon mal ein Missgeschick passieren. Drogist HF Patrick Thurner weiss, was alles schiefgehen kann, wenn man draussen unterwegs ist. Er weiss aber auch, was im Notfall hilft.

Insekten- und Zeckenstiche

Kleine Tiere können ganz schön lästig sein. Um Mücken oder Zecken fernzuhalten, gibt es in der Drogerie sogenannte Repellentien. Diese Mittel werden auf die Haut aufgetragen und ihr Geruch vertreibt die Plagegeister. Auch lange Hosen und Oberteile sowie geschlossene Schuhe können vorbeugend helfen, insbesondere gegen Zecken. Wird man trotz aller Vorsicht gestochen, rät Drogist Thurner zu einem homöopathischen Spray für Insektenstiche. «Innerlich können ergänzend homöopathisch Apis und Ledum helfen.» Ebenfalls ein lokales Antihistaminikum ist geeignet. Zecken unbedingt sofort entfernen, am besten mit einer Zeckenkarte oder -zange. Danach die Bissstelle beobachten. Sollte sich eine Rötung um den Einstich bilden oder grippeähnliche Symptome wie Kopf- oder Gliederschmerzen auftreten, sollten Sie zum Arzt.

Wunden

Einmal ausgerutscht oder an einem dornigen Gewächs entlang geschrammt, schon ist es passiert. Kleine Schürfungen oder Schnitte kann man gut selber versorgen. Insbesondere Schürfwunden sollten zuerst von Steinchen und Schmutz gereinigt werden. «Dazu eignet sich Kochsalzlösung», sagt Patrick Thurner. «Für alle Wunden gilt: Ein Desinfektionsmittel auftragen und ein Pflaster drüberkleben. Ich rate zu einem Hydrokolloid-Pflaster. Das hilft, die Wunde feucht zu halten, und sie heilt besser.» Es ist auch sinnvoll, sofort ein homöopathisches Mittel mit Arnika einzunehmen. «Das gehört eigentlich in jeden Wanderrucksack. Später sollte man auf Ledum und Calendula umsteigen.» Vorsicht bei Bisswunden, sie sollten vom Arzt behandelt werden, da Infektionsgefahr besteht.

Essigsaure Tonerde

Die essigsaure Tonerde hilft gegen viele kleinere Wehwehchen und sollte daher in keinem Rucksack fehlen. «Sie ist zwar selten das Mittel erster Wahl», sagt Drogist HF Patrick Thurner. «Aber sie ist sehr vielseitig einsetzbar. Ob Insektenstich, Sonnenbrand oder eine Prellung, das kühlende Gel tut wohl.» Vorsicht: Nicht auf offene Wunden geben.

Blasen

Wandern wäre so schön, wären da nicht diese vermaledeiten Blasen an den Füssen. Schnell handeln lohnt sich. «Am besten klebt man schon vorbeugend oder ganz am Anfang, wenn die Haut nur gerötet ist und sich noch keine mit Flüssigkeit gefüllte Blase gebildet hat, ein Druckstellenpflaster drauf», sagt der Drogist. «Meistens kommen die Leute aber erst, wenn die Blase schon da ist. In diesem Fall eignet sich ein spezielles Blasenpflaster. Aufstechen sollte man Blasen nicht, das erhöht die Infektionsgefahr.» Ausserdem sollten alte Schuhe beizeiten ersetzt und neue nicht auf einer längeren Tour zum ersten Mal getragen werden.

Sonnenbrand

Wer sich längere Zeit draussen aufhält, sollte sich immer mit Sonnencreme schützen. Besonders in den Bergen oder am Wasser kann die Sonne tückisch sein, dort ist die UV-Strahlung stärker. Das merkt auch Patrick Thurner, in seine Drogerie kommen oft Sommergäste, die sich einen Sonnenbrand eingefangen haben. «Ihnen rate ich zu einem kühlenden Schaumspray oder einer befeuchtenden Aloe-vera-Salbe.» Und auch hier hilft die essigsaure Tonerde (siehe Kasten).

Verstauchungen

Ein verknackster Fuss kann sehr schmerzhaft sein. Wird er sofort richtig behandelt, bleiben grosse Schwellungen und Blutergüsse meistens aus und die Verletzung heilt schneller. Am besten sofort kühlen. Eine Sportsalbe oder ein kühlendes Arnikagel, das nimmt die Schwellung. «Danach die verletzte Stelle mit einem Verband fixieren und möglichst ruhig halten. In der Drogerie gibt es spezielle Knöchelstützen oder Kniebandagen. Zur Unterstützung der Heilung rate ich schliesslich zu Arnika in homöopathischer Form.»

Prellungen

«Bei Prellungen hilft eine Arnika- oder eine Sportsalbe. Es kann auch sinnvoll sein, eine Heparin-Salbe zu verwenden, damit der Bluterguss sich rascher abbaut.» Normalerweise sind Prellungen nicht schwerwiegend. Treten sie an Bauch, Brustkorb oder Kopf auf oder sind sehr dunkel bis schwarz, sollte man zur Sicherheit einen Arzt aufsuchen.

Schmerzen

In den Rucksack sollte auch ein Schmerzmittel, das auch gegen Entzündungen hilft. «Es kann sinnvoll sein, einmal eine Tablette zu nehmen. Aber nur kurzfristig. Es ist wichtig, nicht zu oft und zu lange Schmerzmittel einzunehmen, um keine Symptome zu überdecken.» Lassen Sie sich in der Drogerie beraten.

Verbrennungen

Der Cervelat schmeckt einfach besser, wenn er am offenen Feuer grilliert wird. Doch Feuer hat seine Tücken und rasch ist der Finger verbrannt. Verbrennungen immer sofort mit Wasser kühlen. Bei kleinen Verbrennungen rät der Drogist danach zu einer schmerzlindernden, kühlenden Salbe. Bei grossflächigen Verbrennungen sollte man aber einen Arzt aufsuchen.

Wolf

Ruft Ihre Wanderbegleitung plötzlich «Ich habe den Wolf!», meint sie wohl nicht, dass sie ein Tier gefangen hat. Wahrscheinlicher ist, dass sie Schmerzen hat, weil ihre Haut an der Innenseite der Oberschenkel wundgerieben ist. Das passiert vor allem im Sommer, wenn es heiss ist und man schwitzt. «Zuerst sollte man die Ursache entfernen, also eine andere Hose anziehen», sagt der Drogist. «Danach mit einer Fettsalbe, am besten einer mit Ringelblume, behandeln. Allenfalls ist es auch sinnvoll, ein Pflaster auf die wunde Stelle zu kleben. Insbesondere, wenn sie offen ist. So verhindert man Infektionen.»

Richtiges Verhalten bei Gewitter

Draussen in ein Gewitter zu geraten, kann lebensgefährlich sein. Darum sollte bei der Wanderplanung unbedingt die Wettervorhersage konsultiert werden. Unterwegs ist es wichtig, die Wetterentwicklung zu beobachten und beim Aufziehen von Gewitterwolken die Tour rechtzeitig abzubrechen.

Allerdings können Gewitter trotz guter Prognose auftreten. Gerät man also trotz guter Planung in ein Gewitter, sollte man wenn immer möglich Schutz in Gebäuden mit Blitzschutzanlage oder in einem Auto suchen. Ist das nicht möglich:

  • Höhen und Gewässer verlassen.

  • Schutzstellung einnehmen: Mit geschlossenen Beinen in einer Mulde niederkauern und die Knie umschlingen.

  • Nicht unter frei stehende Bäume, Baumgruppen, an Waldränder oder direkt neben Masten, Antennen und Metallkonstruktionen wie Zäune oder Gitter stehen.

  • Schutz unter Freileitungen, in Bodenmulden oder unter Felsvorsprüngen suchen. Aber nicht an der Wand anlehnen.

  • 3 Meter Abstand halten zu Gebäuden, Metallmasten und Bäumen im Wald sowie zu anderen Personen.

Verspannung

So mancher Wandersmann hat am Abend nach einer Tour mit einem schweren Rucksack schon stöhnend seine Schultern gerieben. «Gegen Verspannungen sind Wärmepflaster oder eine wärmende Creme eine gute Wahl. Eventuell kombiniert mit Magnesium zum Einnehmen. Und auch eine Massage oder ein warmes Bad tun wohl. In schlimmen Fällen oder wenn es sich um einen Hexenschuss handelt, kann auch ein Schmerzmittel Linderung verschaffen.» Und für die nächste Wanderung gilt: Darauf achten, dass der Rucksack gut sitzt und ihn weniger schwer beladen. «Und allenfalls mit Stöcken laufen, das ist gut für die Haltung», sagt Patrick Thurner.

Muskelkater

Ob in den Beinen, Armen oder am Rücken, Muskelkater ist immer unangenehm. «Gegen Muskelkater kann eine Arnikasalbe helfen, eine wärmende Salbe oder ein warmes Bad. Und schonende Bewegung.» Dass man Muskelkater erst recht mit intensiver Belastung begegnen soll, ist übrigens immer noch ein verbreiteter Volksglaube.

Autorin und Redaktion: Bettina Epper
Wissenschaftliche Kontrolle: Drogistin HF Elisabeth von Grünigen-Huber
Quellen
  • Drogistenstern

  • Drogist HF Patrick Thurner