So finden sie den passenden Schuh

Schuhe schützen die Füsse. So die Theorie. In der Praxis aber schaden viele Schuhe mehr als dass sie nützen. Worauf Sie beim Kauf achten sollten.

Auf die Idee, die Füsse durch Bekleidung zu schützen, kamen Menschen schon in der Zeit um 12'000 vor Christus. Auf Felsenmalereien aus dieser Epoche sind Figuren mit einer Art Stiefel aus Fell zu sehen. Bereits vor 5000 Jahren zogen sich unsere Vorfahren Sandalen mit Papyrus-Sohle und Leder an. Im Aussehen ähnelten diese Schuhe unseren Flip-Flops.

Schuhe mit Absatz stammen wohl aus dem Orient. Absätze dienten ursprünglich den Reitern als Hilfe, um Halt im Steigbügel zu finden. In Europa setzte sich der Absatz an Halbschuhen erst im 16. und 17. Jahrhundert durch. Zuerst an Männerschuhen. Nach und nach bekamen auch Damenschuhe einen Absatz.

Seit etwa 1830 werden Schuhe maschinell hergestellt. Nach und nach entstand so eine wahre Schuhindustrie. In der Folge wurden Schuhe immer günstiger, das Angebot an Farben und Formen vielseitiger. Das macht es alles andere als einfach, das passende Paar zu finden.

Sitzt, wackelt und hat Luft

Ein guter Schuh sitzt wie angegossen. Theoretisch. Nur ist jeder Fuss so individuell, dass ein Schuh selten richtig passt. Das führt dazu, dass sehr viele Menschen in zu engen, zu schmalen oder zu spitzen Schuhen herumlaufen. 2010 haben Forscher für den «Deutschen Fussreport» 10'400 Füsse untersucht. 80 Prozent der begutachteten Menschen trugen Schuhe, die schlecht sassen (die meisten hatten zu grosse Schuhe an). Und das kann böse Folgen haben.

Zu spitze Schuhe beispielsweise drücken die Zehen zusammen. Es kann zu Deformationen des Grundgelenks der grossen Zehe kommen, dem «Hallux valgus». Sollten Sie unter dieser schmerzlichen Verformung leiden, lassen Sie sich in Ihrer Drogerie beraten. Zu hohe Absätze verkürzen die Achillessehne. Zu unbewegliche Schuhsohlen verhindern die Bewegung der Füsse, das schwächt die Fussmuskeln. Sitzt der Schuh nicht richtig, bilden sich unter Umständen rasch Blasen oder Sehnen und Bänder verletzen sich. Schliesslich können Haltung und Wirbelsäule leiden. Nicht selten verursachen falsche Schuhe auch Kopfschmerzen.

Kaufen Sie Schuhe also mit Bedacht. Wichtig ist zunächst einmal die Länge. Vor den Zehen sollte ungefähr ein Fingerbreit Platz bleiben. Diese Zugabe braucht der Fuss zum Abrollen. Je höher der Absatz, desto weniger Zugabe ist nötig, denn durch den Absatz kann der Fuss gar nicht mehr stark abrollen. Achten Sie auch auf die Weite des Schuhs. Ist er zu weit, rutscht der Fuss nach vorn, die Zehen werden gestaucht. Ist der Schuh aber zu eng, sitzt der Fuss wie in einem Schraubstock. Das kann zu Durchblutungsstörungen führen. Ausserdem bekommen Sie leicht Blasen, Hühneraugen oder verdickte Hornhaut. Ideal sind Schuhe, die an der breitesten Stelle eng anliegen, ohne hinten zu weit zu sein. Die Ferse darf nicht rutschen.

Am Abend einkaufen

Grundsätzlich gilt: kaufen Sie Schuhe nicht nach der Grösse, sondern probieren Sie sie immer an. Am besten gehen Sie am Nachmittag oder Abend ins Schuhgeschäft, dann sind ihre Füsse etwas grösser als am Morgen. Hilfreich ist auch, ein abgelaufenes Paar mitzunehmen. Das Verkaufspersonal sieht daran, wie Sie gehen und kann passende Schuhe empfehlen. Ziehen Sie das Paar Ihrer Wahl immer an – und zwar beide Schuhe. Gehen Sie im Geschäft herum. Achten Sie auf Schnallen, Nähte, Knöpfe: sie könnten drücken oder reiben. Die Sohle ist praktischerweise rutschfest. Zu hohe Absätze üben zu viel Druck auf den Vorderfuss aus, bevorzugen Sie im Alltag also flache Schuhe. Und Füsse brauchen Luft. Darum sollten Sie darauf achten, dass Ihre Schuhe aus luftdurchlässigem Obermaterial hergestellt sind. Leder ist besonders gut geeignet.

Ein kleines Experiment

Oft tragen wir zu enge und zu kleine Schuhe, ohne uns dessen bewusst zu sein. Probieren Sie einmal folgendes: Nehmen Sie Ihren Lieblingsschuh. Stellen Sie ihn auf ein Blatt Papier und zeichnen Sie die Umrisse mit einem Stift nach. Danach stellen Sie sich barfuss auf das Papier und übertagen die Umrisse des Fusses. Vergleichen Sie die Linien – und wundern Sie sich, wie Ihr Fuss in diesen kleinen Schuh passt.

Und vergessen Sie nicht: Füsse brauchen Pflege. Feuchtigkeitscrèmes, die Sie in der Drogerie bekommen, helfen, die Füsse geschmeidig zu halten. Auch bei Blasen, Hornhaut oder anderen Unannehmlichkeiten kann Ihnen Ihr Drogist, Ihre Drogistin weiterhelfen.

Foto: © Sarah Blatt / pixelio.de
Autorin und Redaktion: Bettina Epper
Quellen
  • Drogistenstern

  • Dr. Heidi Schewe, «Starke Füsse, da steh’ ich drauf», Trias Verlag, 2007

  • Alexa Iwan, Anne Welsing, «Fitte Füsse. Tipps, Tricks und Rezepte», Egmont vgs Verlagsgesellschaft, 2005

  • Österreichische Verbraucherorganisation

  • «Der Brockhaus. Gesundheit», F. A. Brockhaus, 2004