Kleines Abc der Schmerzmittel

Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, Bauchschmerzen, chronische und aktue… Es gibt viele Arten von Schmerz. Und es gibt viele Medikamente dagegen. Aber nicht jedes hilft gegen jeden Schmerz.

– Ein hektischer Tag im Büro, drückende Sommerhitze, keine Zeit für ein richtiges Mittagessen. Und dann auch noch Kopfweh! Zum Glück haben verschiedene Bürokolleginnen Schmerzmittel dabei. Manche enthalten den Wirkstoff Paracetamol, andere Acetylsalicylsäure oder Ibuprofen. Doch welche Tablette ist nun die richtige?

Die verschiedenen Wirkstoffe

Rezeptfrei kaufen können Sie in der Schweiz Schmerzmittel mit den Wirkstoffen Paracetamol, Ibuprofen, Acetylsalicylsäure und Diclofenac, manchmal ist ausserdem Coffein beigemischt:

  • Ibuprofen, Diclofenac, Acetylsalicylsäure hemmen die sogenannte Cyclooxygenase (COX), das ist ein Schlüsselenzym in der Schmerz- und Fieberentstehung. Achtung: Diese Wirkstoffe haben blutverdünnende Effekte, da sie die Blutplättchenaggregation hemmen.

  • Paracetamol ist schmerzlindernd und fiebersenkend, gilt jedoch als nicht oder nur schwach entzündungshemmend und blutverdünnend. Der Wirkmechanismus von Paracetamol ist nicht genau bekannt, es liegen lediglich einige Hypothesen vor.

  • Coffein hat keine eigentliche schmerzstillende Wirkung, wird aber als Zusatzstoff in Verbindung mit Paracetamol oder Acetylsalicylsäure zur Wirkverstärkung eingesetzt.

Zur lokalen Anwendung stark gegen Schmerzen können auch Menthol und Capsaicin sein, erklären Dr. Felix Hammann, Assistenzarzt Klinische Pharmakologie und Toxikologie, sowie Prof. Stephan Krähenbühl, Chefarzt Klinische Pharmakologie und Toxikologie des Universitätsspitals Basel.

Capsaicin ist ein Bestandteil von Pfeffer- und Paprika-Produkten (z. B. Chili) und zur äusserlichen Anwendung geeignet, etwa zur Linderung von Muskelschmerz bei Verspannung. Es stimuliert periphere Schmerzrezeptoren. Da diese bei längerer Anwendung inaktiviert werden, nimmt der Schmerz ab. Menthol ist ein Bestandteil des Pfefferminzöls. Es ist bei lokalen Schmerzen zur Kühlung schmerzlindernd und krampflösend bei Muskelschmerzen.

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Das richtige Schmerzmittel finden

Nicht jedes Medikament wirkt gegen jeden Schmerz gleich gut. Je nach Alter oder Lebenssituation sind andere Schmerzmittel angezeigt:

  • Für Kinder sind Paracetamol und Ibuprofen die Schmerzmittel der Wahl. Auf Acetylsalicylsäure sollten Sie vor allem bei Kindern bis zum sechsten Lebensjahr verzichten, da es bei den in diesem Alter häufigen viralen Infekten in einigen Fällen zum gefährlichen Reye-Syndrom kommen kann. Diese potenziell tödlich verlaufende Erkrankung schädigt vor allem die Leber und das Gehirn.

  • Ältere Menschen sollten generell von der Einnahme von Cyclooxygenase-Hemmern (COX-Hemmern) wie Acetylsalicylsäure (gilt nicht für kardiologische Dosierung), Ibuprofen oder Diclofenac absehen. Es besteht die Gefahr von Magenblutungen, Nierenfunktionsstörungen und Verwirrungszuständen. Paracetamol ist bei Muskel- und Gelenkschmerzen eine gute Alternative. Ausserdem können lokale Massnahmen wie Nackenmassagen oder wärmende Schmerzpflaster hilfreich sein.

  • Frauen mit Kinderwunsch verzichten ebenfalls besser auf Arzneistoffe wie Schmerzhemmer. Diese können die Einnistung der Frühschwangerschaft stören und zu vermehrten Spontanaborten führen. In der späteren Schwangerschaft kann es die Entwicklung des kindlichen Kreislaufsystems ebenso beeinflussen wie die Wehentätigkeit. Eine bessere Alternative während der gesamten Schwangerschaft ist Paracetamol.

  • Bei allgemeinen Schmerzen sollten Sie es zuerst mit Paracetamol versuchen. Dieser Wirkstoff hat im Vergleich zu den anderen weniger problematische Nebenwirkungen. Wichtig ist, die vorgeschriebene Dosierung einzuhalten. Fragen Sie in Ihrer Drogerie nach. Sprechen Ihre Schmerzen nicht auf Paracetamol an, dann versuchen Sie es mit Ibuprofen oder Acetylsalicylsäure.

  • Bei Monatsbeschwerden hilft Ibuprofen sehr oft.

  • Bei Schmerzen im Bereich von Gelenken und Bändern ist Ibuprofen, Diclofenac oder Acetylsalicylsäure erste Wahl.

  • Paracetamol lindert Zahnschmerzen, ersetzt jedoch einen Besuch beim Zahnarzt nicht.

  • Bei leichten Migränefällen helfen oft Acetylsalicylsäure und Ibuprofen. Häufig ist es sinnvoll, zusätzlich ein Medikament gegen Übelkeit zu verwenden. Lassen Sie sich beraten.

Bei jeder Art von Schmerzen gilt: Lassen Sie sich von einer Fachperson wie Ihrem Drogisten oder Ihrer Drogistin beraten, um das geeignete Medikament zu finden. Bei hartnäckigen, lang andauernden Schmerzen sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Schmerzmittel richtig einnehmen

Medikamente sollten Sie immer frühzeitig einnehmen und nicht warten, bis sich der Schmerz aufgebaut hat. «So lassen sich unter dem Strich Medikamente einsparen», sagt Dr. Hammann. «Ausserdem sollten Sie Schmerzmittel an weniger als zehn Tagen pro Monat einnehmen.»

Alle Medikamente haben unerwünschte Wirkungen, die stärker werden können, je häufiger Sie sie einnehmen. Manche Schmerzmittel können beispielsweise den Aufbau der schützenden Magenschleimhaut hemmen, insbesondere Acetylsalicylsäure, Ibuprofen oder Diclofenac. «Gerade ältere Patienten oder solche mit Magenschleimhautentzündungen wie Sodbrennen, Gastritis oder Ulcus sollten zusätzlich einen Magenschutz wie Pantoprazol einnehmen. Ausserdem sollten sie, je nach Alter und Lebenssituation, auf gewisse Stoffe verzichten. Patienten mit Nierenleiden, Leberzirrhose oder Herzschwäche sollten beispielsweise keine COX-Hemmer einnehmen.»

Dr. Hammann rät ausserdem dazu, nicht nur auf Schmerzmittel zu setzen: «Gerade Schmerzen lassen sich gut von begleitenden Massnahmen beeinflussen. So sind Entspannungsübungen, reichliche Zufuhr von Flüssigkeit, Verzicht auf Alkohol und Tabak, ein geregelter Tagesablauf und körperliche Tätigkeit oft hilfreich gegen Schmerzen.»

Quelle: «Drogistenstern»
Autorin und Redaktion: Bettina Epper