Akute Schmerzen helfen also, das Ausmass körperlicher Schäden in Grenzen zu halten. Anders verhält es sich bei chronischen Schmerzen. In der Schweiz hat jeder zehnte Einwohner mit chronischen Schmerzen zu kämpfen. Da der Schmerz auch in diesem Bereich sehr individuell empfunden wird, ist diese Zahl mit Vorsicht zu interpretieren. Was die Schmerzintensität betrifft, kann diese unter anderem mit Hilfe der so genannten visuellen Skala (VAS) ermittelt werden.

Chronische Schmerzen machen uns ebenfalls auf Probleme im Organismus aufmerksam. Dabei handelt es sich aber nicht zwangsläufig um eine akute Gefahr. Hier hat der Schmerz seine schützende Funktion verloren und ist zu einer eigenen Krankheit geworden. Ein Rheumatiker beispielsweise weiss um seine Erkrankung des Gelenkapparates. Salopp ausgedrückt, bräuchte ihm dies der Schmerz nicht täglich in Erinnerung zu rufen. Das Problem ist, dass sich Schmerzsignale im Gehirn «festbeissen» können. Dauern die Schmerzen längere Zeit an, «saugen» sich die schmerzleitenden Nervenbahnen mit Schmerzsignalen voll und es entsteht ein sogenanntes Schmerzgedächtnis. Bereits nach zwei, drei Wochen können akute Schmerzen chronisch werden und das ganze Denken und Fühlen des Patienten beeinflussen.

Quellen: Vereinigung Schweizer Schmerzpatienten, VSP / Cornelia Fischer-Börold und Siglind Zettl: «Schmerz», Schlütersche Verlagsgesellschaft, 2006 / Susanne Holst und Ulrike Preussiger-Meiser: «Erfolgreiche Schmerztherapie», Südwest-Verlag, 2004
Autoren: Didier Buchmann, Michel Schmid
Redaktion: Didier Buchmann

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