Gelenke

Wenn der Wetterwechsel schmerzt

Ein Ziehen im Knie oder stechender Kopfschmerz: Viele Menschen meinen, anhand solcher Symptome einen bevorstehenden Wetterwechsel zu spüren. Aberglaube oder Wahrheit?

Vor dem Sturm: Viele Menschen sind wetterfühlig und reagieren mit Beschwerden auf Wetterwechsel.

Vor dem Sturm: Viele Menschen sind wetterfühlig und reagieren mit Beschwerden auf Wetterwechsel.

«Alle reden vom Wetter. Aber keiner tut etwas dagegen.» Der bayrische Komiker und Kabarettist Karl Valentin brachte es auf den Punkt: Das Wetter macht, was es will! Ganz egal, ob uns das passt oder nicht.

Prof. Dr. Hans Richner ist Lehrbeauftragter der ETH Zürich am Institut für Atmosphäre und Klima. Im Interview erklärt er, in welcher Verbindung unser Organismus zum Wetter steht.

Herr Richner, sind «wetterfühlige» Menschen Simulanten?

Prof. Dr. Hans Richner: «Wenn es auch unter wetterfühligen Menschen Simulanten geben mag, so muss doch diese Frage mit einem klaren Nein beantwortet werden. Allerdings dürfte der Grund für die Beschwerden in vielen Fällen nicht das Wetter, sondern irgendwelche andere Umgebungseinflüsse sein. Interessant ist die Feststellung, dass verschiedene Personen zum Teil völlig verschiedene Wetterlagen für die gleichen Beschwerden verantwortlich machen.»

Was sind die häufigsten Symptome bei «Wetterfühligkeit»?

«In unseren Untersuchungen in den Siebzigerjahren waren Kopfschmerzen die am häufigsten genannten Beschwerden (12 %). Deutlich abgeschlagen folgten Muskelschmerzen (6,3 %), Ohrensausen (3,7 %) und Gelenkschmerzen (3,0 %). Interessant ist die Tatsache, dass das Auftreten von Kopfschmerzen mit keiner Wetterlage und keinem meteorologischen Parameter in Zusammenhang gebracht werden konnte.»

Sind Frauen «wetterfühliger» als Männer?

«In den erwähnten Befragungen sind die positiven Antworten bei Frauen etwa 10 Prozent häufiger als bei Männern.»

Welches ist das «gelenkfreundlichste» Wetter?

«Hier gilt eine einfache Feststellung: Die Betroffenen wissen sehr genau, bei welchen Wetterlagen sie sich wohlfühlen. Eine wissenschaftlich fundierte Begründung ist meist unmöglich, hinzu kommt ja die erwähnte Tatsache, dass verschiedene Personen oft auch völlig verschieden reagieren. Aus physikalischer Sicht würde man erwarten, dass warmes und trockenes Wetter günstiger ist als nasskalte Verhältnisse. Dies deshalb, weil unter warmen und trockenen Verhältnisse der Wärmeverlust am geringsten ist. Dieser Wärmeverlust kann natürlich auch durch entsprechende Kleidung bzw. Verbände reduziert werden.»

Hat «Wetterfühligkeit» auch positive Seiten?

«Aber sicher! Das Wetter wirkt auf unser Wohlbefinden einerseits über wissenschaftlich geklärte Mechanismen, und es tut dies natürlich hauptsächlich auch über unsere Psyche. Auch wenn es individuelle Unterschiede geben mag – grundsätzlich fühlen wir uns bei sonnigem, warmem Wetter besser als bei schlechtem. Aber: Das Wetter ist immer nur einer unter sehr vielen Faktoren wie Kleidung, Nahrung, Lärm, Gesundheit, die unser Wohlbefinden beeinflussen.»

Wie lautet Ihr Expertentipp fürs Wohlbefinden in puncto «Wetterfühligkeit»?

«Tun sie das, was Ihnen wohltut! Für Ihr Wohlbefinden sind Sie Ihr eigener Experte. Ob es wissenschaftlich begründet ist oder nicht, spielt dabei keine grosse Rolle.»

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