Inkontinenz
Blasenschwäche – reden Sie darüber!
Blosses «Abwarten und Tee trinken» ist bei Blasenschwäche ein schlechter Ratgeber. Denn: Inkontinenz kann behandelt werden. Lassen Sie sich von Fachpersonen beraten – es lohnt sich.
Wussten Sie, dass in der Schweiz rund eine halbe Million Menschen an Blasenschwäche leiden? Wenn nein, liegt das vermutlich daran, dass dieses Problem nach wie vor ein Tabu ist. Obwohl Blasenschwäche keine lebensbedrohliche Erkrankung ist, kann Sie bei vielen Menschen zu seelischem Stress, Schlaflosigkeit, Beziehungsproblemen oder gar zu Depressionen führen. Darüber zu sprechen, ist ein erster Schritt, dem unkontrollierten Harnabgang ein Ende zu bereiten.
Die in der Fachsprache Harninkontinenz genannte Blasenschwäche wird meist älteren Menschen zugeordnet. Mit zunehmendem Alter steigt zwar die Wahrscheinlichkeit einer Blasenschwäche. Dennoch handelt es sich nicht um eine typische Alterserscheinung. Unkontrollierter Harnabgang kann auch Kindern, jungen Frauen und Männern Probleme machen. Bei den Betroffenen stehen drei Viertel Frauen einem Viertel Männer gegenüber. «Bei den Frauen spielt nicht nur die hormonelle Veränderung eine Rolle. Auch das Bindegewebe wird schwächer und die Muskulatur erschlafft – was auch auf den Schliessmuskel und die Harnblase zutrifft», sagt Drogistin Dorothee Eichenberger.
Störungen der Blasenfunktion
Wie häufig wir Wasser lassen müssen, hängt von unserem täglichen Trinkvolumen sowie vom Fassungsvermögen der Harnblase ab, das individuell verschieden ist. Durchschnittlich benötigt ein Mensch innerhalb von 24 Stunden bis zu acht Toilettengänge. Wer das stille Örtchen noch häufiger aufsuchen muss, kann an einer Funktionsstörung der Blase leiden. Diese ist vor allem dann angezeigt, wenn der Schlaf durch Toilettengänge gestört ist.
Es gibt mehrere Formen von Blasenfunktionsstörungen. Bei Frauen sind die Reizblase (hyperaktive Blase) und die Belastungsinkontinenz (Stressinkontinenz) häufig. Oft treten auch Mischformen auf, die als Mischinkontinenz bezeichnet werden. Männer mit vergrösserter Prostata können von einer Überlaufinkontinenz betroffen sein. Die Funktionsstörungen und ihre Merkmale.
Soll ich weniger trinken?
Eine Blasenschwäche lässt sich nicht behandeln, indem man weniger Flüssigkeit zu sich nimmt. Ganz im Gegenteil – der Urin ist bei Flüssigkeitsmangel konzentrierter und kann den Blasenwandmuskel zusätzlich reizen.
Das hilft bei Blasenschwäche
Falls Sie an einer Blasenschwäche leiden, sollten Sie diese zu Beginn ärztlich abklären lassen. So können ernsthafte Krankheiten ausgeschlossen und die geeignete Therapieform besprochen werden.
Beckenbodentraining
Bei Männern wie auch bei Frauen mit Belastungsinkontinenz kann ein intensives Beckenbodentraining der Beckenbodenmuskulatur die gewünschte Besserung bringen. Die nötigen Übungen lassen sich in Kursen lernen und anschliessend zu Hause selbstständig durchführen.
Basisübung: Spannen Sie beim Ausatmen die Beckenbodenmuskulatur kräftig an. Das heisst, Harnröhrenöffnung, Scheide und After nach innen hochziehen, wie wenn Urin und Stuhl zurückgehalten werden sollen. Bauch-, Gesäss- und Beinmuskulatur nicht anspannen. Beim Einatmen die Spannung loslassen.
Eine hormonell bedingte Blasenschwäche – wie sie in der Menopause vorkommen kann – wird durch Medikamente behandelt. Bei schwerer Inkontinenz ist es möglich, die Harnröhre mit operativen Massnahmen zu stabilisieren. Ihr Arzt wird Ihnen die für Sie passende Lösung vorschlagen. Was Sie sonst noch tun können:
Es gibt spezielle «Gewichte», mit deren Hilfe sich die Beckenbodenmuskulatur trainieren lässt. Ein solcher Konus wird in die Scheide eingeführt und sollte dort während mehrerer Minuten festgehalten werden. Zunächst bedient man sich leichterer, mit zunehmender Kraft der Beckenbodenmuskulatur schwererer Gewichte.

