Eierstockzysten: Schmerzen lindern

Eierstockzysten sind nicht unbedingt gefährlich, können aber sehr schmerzhaft sein. Hilfe bringt die Homöopathie.

– Eierstock- oder Ovarialzysten können als Nebenwirkungen einer Hormontherapie entstehen, aber auch bei normalen zyklusabhängigen Hormonschwankungen, Stress, Schilddrüsenerkrankungen oder Funktionsstörungen der Nebennierenrinde.

Meistens gutartig

Die meisten Eierstockzysten sind funktionelle Zysten. Konstantin Dedes, Gynäkologe und Oberarzt an der Klinik für Gynäkologie des Universitätsspitals Zürich: «Sie sind in 98 Prozent der Fälle gutartig und bilden sich von alleine wieder zurück.» Funktionell bedeutet das, dass diese Zystenart mit dem monatlichen Zyklus der Frau entsteht. Sobald die Mens bei Mädchen erstmals einsetzt, bildet sich einmal monatlich ein Eibläschen (Follikel) im Eierstock. In dem Folikel reift die Eizelle heran. Beim Eisprung platzt der maximal zwei bis drei Zentimeter grosse Follikel und spült die Eizelle heraus. Eine Zyste entsteht, wenn kein Eisprung stattfindet, der Follikel erhalten bleibt und über die Grösse von drei Zentimetern heranwächst.

Neben diesen Follikelzysten gibt es weitere funktionelle Zystenarten:

  • Corpus-luteum-Zysten (Gelbkörperzysten): Nach dem Eisprung wandelt sich der Follikel in den Gelbkörper (Corpus luteum) um. Dieser bildet die Hormone Östrogen und Progesteron. Wird die Eizelle nicht befruchtet, baut der Körper den Gelbkörper ab. Das führt zur Menstruationsblutung. Allerdings kommt es vor, dass er sich stattdessen durch Einblutung vergrössert und eine Gelbkörperzyste bildet.

  • Luteinzysten: Luteinzysten entstehen aus dem Gelbkörper (Corpus luteum) und treten häufig als Nebenwirkungen bei Unfruchtbarkeitstherapien auf.

  • Polyzystische Ovarien: Manche Frauen produzieren überdurchschnittlich stark männliche Hormone. Dadurch wachsen gleich mehrere Follikel (polyzystischen Ovarien) in beiden Eierstöcken heran und entwickeln sich bis zu einem gewissen Grad. Danach sind sie im Reifungsprozess blockiert. Frauen mit polyzystischen Ovarien haben oft eine Insulinresistenz oder sogar einen Diabetes mellitus Typ II.

Schliesslich gibt es auch nichtfunktionelle Zysten. Das sind Zysten, die sich unabhängig von der eigentlichen Funktion des Eileiters entwickeln. Sie gehören zu den gutartigen Eierstocktumoren.

Geplatzt! Und jetzt?

Gutartige funktionelle Zysten werden in der Regel nicht grösser als drei bis fünf Zentimeter. «Ovarien aber können den ganzen Bauchraum ausfüllen, sodass die Patientin aussieht, als sei sie hochschwanger», sagt der Gynäkologe. Meistens platzen sie aber vorher. «Einige Frauen spüren gar nichts, die Mehrheit aber hat starke Schmerzen.» Wer leidet, sollte sich untersuchen lassen. Denn es könnte sein, dass durch das Platzen gefährliche innere Blutungen entstanden sind. «Aber das kommt selten vor.»

Gefährlicher ist es, wenn sich die Zyste um die eigene Achse dreht (Stieldrehung). Sie kann dabei die Blutgefässe verdrehen. Das verursacht akute, sehr starke Unterbauchschmerzen. Ausgelöst wird eine Stieldrehung oft durch Sport oder starke körperliche Aktivität. Betroffene müssen sofort ins Spital und möglicherweise operiert werden.

Wann ist eine Operation nötig?

Nicht immer sind funktionelle Zysten schmerzhaft. Und nicht immer müssen sie entfernt werden. In jedem Fall sollten Sie einen Facharzt zu Rate ziehen. Deshalb sind jährliche Kontrollbesuche beim Frauenarzt wichtig.

Der Gynäkologe oder die Gynäkologin klärt ab, ob der Tumor bös- oder gutartig ist. Ist das Zystengewebe bösartig (Eierstockkrebs oder Ovarialkarzinom), muss es operativ entfernt werden. «Frauen mit Brustkrebsgenen und Frauen über 50 haben ein höheres Risiko als jüngere Frauen», sagt Dedes. Frauen nach den Wechseljahren haben keine funktionellen Zysten, weil die Eierstöcke nicht mehr aktiv sind. Deshalb werden diese Zysten operiert. Bei Frauen vor der Abänderung gilt: Ist die Zyste gutartig, sollte die Patientin zwei bis drei Monatsblutungen abwarten. Denn häufig verschwindet die Zyste von alleine. Wächst sie allerdings weiter, muss sich die Betroffene chirurgisch behandeln lassen.

Homöopathische Mittel lindern Beschwerden

Es kann vorkommen, dass grosse Zysten auf die nebenliegenden Organe drücken. Betroffene spüren dann starke, periodenähnliche Unterbauchschmerzen, haben Schmierblutungen oder die Periode bleibt aus. Auch Rückenschmerzen sowie Schmerzen bei Stuhlgang oder beim Sex sind möglich. Dagegen gibt es auf schulmedizinischer Ebene keine medikamentöse Therapie, vorbeugend helfen entsprechende Antibabypillen.

Bei immer wiederkehrenden schmerzhaften Zysten kann die Homöopathie helfen. Peter Schertenleib, Homöopath und eidg. dipl. Drogist aus Bern, empfiehlt eine Konstitutionstherapie: «Dabei gilt es herauszufinden, was hinter der Zyste steckt.» Die Konstitutionstherapie startet mit einer ausführlichen Anamnese. Das heisst, der Homöopath geht auf Ursachensuche. Dabei spielen die Familiengeschichte, die akuten Symptome, andere Krankheiten und die individuelle Medikamenteneinnahme eine Rolle, aber auch der Lebensstil - also Ernährung, Schlafgewohnheiten und Aktivitäten. Eine solche Fallaufnahme dauert bis zu zweieinhalb Stunden. «Das klingt sehr aufwendig, ist aber nötig, um für die betreffende Person das entsprechende homöopathische Mittel zu finden. Denn allein für Zysten gibt es 65 verschiedene Arzneimittel.» Ein paar wichtige Mittel bei Zysten sind:

  • Apis (Gift der Honigbiene): Die Betroffene hat brennende und stechende Bauchschmerzen und fühlt sich gebläht. Bei Hitze nehmen die Beschwerden zu. Berührungen und Druck in der Bauchregion empfindet die Patientin als unerträglich.

  • Aurum (Gold): Die Zystengeplagte ist möglicherweise unfruchtbar und leidet an starken Depressionen. Zudem nehmen die Beschwerden bei kalten Temperaturen und nachts zu.

  • Graphites (Grafit): Die Periode kommt mit Verspätung, spärlich oder sehr unregelmässig. Der Unterleib fühlt sich schwer an, und die Frau hat keine Lust auf Geschlechtsverkehr. Die Schmerzen nehmen ab, sobald sie draussen spazieren geht oder etwas warmes trinkt. Schlecht bekommen ihr Bettwärme oder Zugluft.

  • Rhus toxicodendron (Giftsumach): Wenn es in der Schamregion juckt. Die Menstruation ist stärker als sonst, kommt früher oder dauert länger als gewöhnlich. Trockenes Wetter, Ausdauertraining wie Joggen und auch Wärme lindern Schmerzen. Nasskaltes Wetter und Inaktivität dagegen verstärken sie.

  • Silicea (Kieselerde): Verwendung bei Abszessen, also Ansammlungen von Eiter in einem neu gebildeten Gewebshohlraum. Wärme und Massagen helfen gegen diverse Schmerzen. Kälte dagegen macht alles noch schlimmer.

Homöopathische Mittel werden nur auf allfällige Symptome verschrieben, vorbeugen können Sie Zysten nicht. Bei ersten Anzeichen von Zysten sollten Sie für eine Diagnose den Gynäkologen konsultieren. Der Besuch beim Homöopathen ist Schritt Nummer zwei.

Foto: © Stephanie Hofschlaeger / pixelio.de
Autorin: Vanessa Naef
Redaktion: Bettina Epper
Quelle
  • «Drogistenstern»