Vitalpilze – Tradition neu entdeckt

Die Nachfrage nach Vitalpilzen steigt und die moderne Mykotherapie erlebt einen ungeahnten Aufschwung. Ihr Geheimnis sind besondere bioaktive Substanzen, mit denen sogar Krebs behandelt werden kann.

– Vitalpilze spielten in der Medizin unserer Vorfahren eine grosse Rolle. Schon der Gletschermann «Ötzi» linderte vermutlich seine Bauchschmerzen vor über 5000 Jahren mit einem Birkenporling.

Eine lange Tradition

Als Zentrum der Pilzheilkunde gilt China. Dort sind Vitalpilze seit Jahrtausenden ein fester Bestandteil der traditionellen chinesischen Medizin. Auch in Japan, Korea und Singapur war und ist die Mykotherapie hoch im Kurs, heute vor allem bei der Behandlung von Krebserkrankungen.

Im alten Europa setzten einst Nonnen und Mönche auf die heilende Kraft der Pilze. Doch das Wissen ging über die Jahre verloren, nachdem im 19. Jahrhundert die ersten Medikamente im grossen Stil produziert worden waren. Pilze waren nur schwer kultivierbar, chemische Produkte oder Kräuter brachten mehr Geld ein. Einzig die Homöopathen nutzten Grosspilze damals wie heute.

Die Geburtsstunde der modernen Mykotherapie schlug 1968, als der Japaner Tetsuro Ikekawa bewies, dass verschiedene Vitalpilze das Tumorwachstum bekämpfen. Nach vielen weiteren Studien haben Forscher unterdessen bei mehr als 700 Pilzarten eine pharmakologische Wirkung nachgewiesen. Die Shiitake-Substanz Lentinan ist in Japan heute sogar zur Krebstherapie zugelassen.

Vom Leckerbissen zum Präparat

Das Geheimnis der gesundheitsfördernden Pilze sind bioaktive Substanzen (chemische Verbindungen). Ausserdem sind Pilze reich an wertvollen Nährstoffen, sie enthalten Ballaststoffe, Eiweisse, Spurenelemente, Mineralstoffe und Vitamine.

Auberginen mit einer Shiitake-Füllung oder gegrillte Shiitake sind für Pilzliebhaber ein Leckerbissen. Wer Vitalpilze für therapeutische Zwecke einsetzen will, sollte hingegen Präparate einnehmen. Es gibt sie frisch oder getrocknet, als Pulver oder Extrakt in Form von Kapseln oder Tabletten.

  • Pilzpulver enthält alle Bestandteile des getrockneten und gemahlenen Pilzes inklusive der wertvollen Nährstoffe wie Vitamine, Mineralien und Spurenelemente. Es eignet sich vor allem für Personen, die entgiften oder entschlacken wollen.

  • Pilzextrakte helfen dabei, das Immunsystem zu unterstützen. Sie werden aus pulverisierten Pilzen hergestellt und besitzen alle wasserlöslichen Bestandteile des Pilzes, insbesondere die wichtigen Polysaccharide. Nicht enthalten sind die schwer verdaulichen Ballaststoffe. Daher sind Pilzextrakte für Personen, die häufig an Blähungen leiden, verträglicher als Pilzpulver.

Einnahmeempfehlungen

Eine Therapie mit Vitalpilzen kann mehrere Monate dauern. Manche Menschen spüren bereits nach wenigen Tagen eine Verbesserung, andere, vor allem Personen mit chronischen Problemen, erst nach Monaten. Vitalpilzpräparate sind für Erwachsene und Kinder geeignet. Die Dosierung hängt von der Art und dem Ausmass der Beschwerden ab, aber auch vom Anwender. Lassen Sie sich in Ihrer Drogerie beraten.

Die Mykotherapie ist praktisch frei von Nebenwirkungen. Selten kommt es vor, dass Menschen, die an Lebensmittel- oder Penizillinallergie leiden, auch auf Pilze allergisch reagieren. Der Shiitake kann zum Beispiel einen Hautausschlag auslösen. In solchen Situationen sollten Sie, die Mykotherapie stoppen und zuerst eine Darmsanierung durchführen. Ihr Drogist, Ihre Drogistin sagt Ihnen, wie das geht. Wer neben Vitalpilzen gleichzeitig Medikamente einnimmt, muss grundsätzlich keine Wechselwirkungen befürchten. Trotzdem ist es gut, sich zuerst mit seinem behandelnden Arzt abzusprechen, bevor Sie zu Pilzpräparaten greifen.

Nicht im Internet bestellen

Viele Pilzprodukte werden im Internet angeboten. Das kann gefährlich sein, denn massgebend für die gesundheitsfördernde und vitalisierende Wirkung der Pilze sind ihre Qualität und die Art und Weise ihres Anbaus. Pilze nehmen leicht schädliche Pestizide auf. Die Liste der möglichen Gefährdungen ist lang. Von akuten und chronischen Hauterkrankungen über Vergiftungen bis hin als Begleittherapie bei Krebs, Fruchtbarkeits- und Erbgutschäden. Pestizide gehören zu den gefährlichsten Umweltgiften der Welt. Deshalb sollten Sie Pilzprodukte nur über offizielle Verkaufspunkte beziehen. Kontrolliert angebaute Pilze tragen das Bio-Siegel der Europäischen Union.

Autorin: Vanessa Naef
Redaktion: Bettina Epper
Quelle
  • «Drogistenstern»