Wenn die ersten Zähne kommen

Wenn Babys rotes, geschwollenes Zahnfleisch haben, unruhig sind, oft ihr Fäustchen in den Mund stecken, einen roten Po und eventuell Fieber haben, dann zahnen sie wahrscheinlich.

– Neugeborene haben zwar noch keine sichtbaren Zähne, vorhanden sind sie aber schon. Gebildet haben sie sich im Mutterleib, etwa im fünften bis sechsten Schwangerschaftsmonat. Nach der Geburt dauert es etwa drei Monate, bis die Zähne beginnen, sich im Kiefer langsam hochzuschieben. Zwischen dem vierten und achten Lebensmonat brechen sie dann durch das Zahnfleisch, das Milchzahngebiss bildet sich.

Mit zwölf die richtigen Zähne

Fast immer kommen die Schneidezähnen im Oberkiefer zuerst, danach folgen die Backenzähne im Unterkiefer, später jene im Oberkiefer. Erst danach stossen die Eckzähne und zuletzt die hinteren Backenzähne durch das Zahnfleisch.

In der Regel ist das Zahnen mit 24 Monaten abgeschlossen. Das kann aber auch schon sechs Monate früher passieren oder sechs Monate länger dauern, die Zeitspanne ist variabel und bei jedem Kind ein bisschen anders. Der Wechsel von den Milchzähnen zum bleibenden Gebiss beginnt mit ca. sechs bis sieben Jahren und ist ungefähr bis zum zwölften Lebensjahr abgeschlossen.

Was gegen Schmerzen hilft

Etwa die Hälfte aller Kinder hat keinerlei Probleme mit dem Zahnen. Die anderen leiden in unterschiedlichem Masse darunter. Oft sind die Stellen, an denen die Zähne durchbrechen gerötet und schmerzen. Die Kinder sind unruhig, weinen viel, schlafen schlecht, bilden grössere Mengen Speichel als sonst und sabbern entsprechend mehr. Manchmal haben sie auch Bauchweh, dünnflüssigen Stuhl und sogar Fieber.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Ihrem Baby das Zahnen zu erleichtern.

Beissring

In Ihrer Drogerie können Sie Beissringe aus Kunststoff kaufen. Durch das Kauen wird das geschwollene Zahnfleisch sanft massiert. Sie können den Beissring auch eine Weile in den Kühlschrank legen, die Kühle lindert den Schmerz noch zusätzlich. Es gibt auch mit Wasser gefüllte Beissringe, die besonders lange kühl bleiben. Legen Sie den Ring aber niemals ins Gefrierfach, das könnte einen Kälteschaden am Zahnfleisch verursachen. Ausserdem könnte das Baby mit der Zunge an dem kalten Ring kleben bleiben oder ihn gar nicht anfassen, weil er zu kalt ist.

Veilchenwurzel

Geben Sie Ihrem Baby eine Veilchenwurzel. Beim Kauen werden entzündungshemmende und zusammenziehende Stoffe freigesetzt. Bleiben Sie aber immer dabei, wenn Ihr Baby auf der Veilchenwurzel herumkaut, damit es nichts verschluckt. Die Veilchenwurzel hat nichts mit Veilchen zu tun und ist auch keine Wurzel, sondern ein Stück des Wurzelstocks der Schwertlilie. Aus hygienischen Gründen sollten Sie die Wurzel, insbesondere, wenn sie oft im Einsatz ist, jeden Abend fünf Minuten mit kochendem Wasser auskochen und dann trocknen.

Kauen

Geben Sie ihrem Baby (ab dem sechsten Monat) etwas Festes zu kauen, zum Beispiel ein Stück Rüebli, Fenchel oder eine Brotrinde. Auch diese können Sie wie den Beissring in den Kühlschrank legen, um den Effekt zu erhöhen.

Tee

Betupfen Sie das Zahnfleisch Ihres Babys mit kaltem Salbeiblätter-, Ringelblüten- oder Kamillenblütentee: 1 TL Pflanzenteile mit 2,5 dl kochendem Wasser übergiessen, zehn Minuten ziehen lassen.

Öle

Geben Sie einen Tropfen Ringelblumen- oder Johanniskrautöl auf die Backe des Babys und massieren Sie das Zahnfleisch sanft von aussen. Die Öle bekommen Sie in Ihrer Drogerie.

Homöopathie

Aus der Homöopathie können helfen:

  • Chamomilla (Echte Kamille) hilft, wenn das Kind ständig kaut und sich in den Mund greift, Bauchkrämpfe hat, gereizt und launisch ist.

  • Aconitum (Blauer Eisenhut) ist hilfreich, wenn das Kind plötzlich zu fiebern beginnt sowie ängstlich und unruhig wirkt.

  • Belladonna (Tollkrische) ist hilfreich bei plötzlichem Fieber, wenn das Zahnfleisch hochrot, geschwollen und berührungsempfindlich ist und das Baby aggressiv wirkt, spuckt und um sich schlägt.

  • Pulsatilla (Küchenschelle) ist hilfreich, wenn das Kind weinerlich ist, an der Mutter klebt und ständig getröstet und getragen werden möchte.

Spagyrik

Aus der Spagyrik können helfen:

  • Storchenschnabel lindert Schmerzen.

  • Kamille hilft gegen Entzündungen, löst Krämpfe und beruhigt.

Schüssler Salze

Schüssler Salze können helfen, z.B. die Heisse 7, über die Muttermilch aufgenommen oder im Schoppen.

  • Nr. 1. Calcium Fluoratum

  • Nr. 2. Calcium Phosphoricum

  • Nr. 3. Ferrum Phosphoricum

  • Nr. 7. Magnesium Phosphoricum

  • Nr. 14. Kalium bromatum

Gels

Auch entzündungshemmende und schmerzstillende Gels können helfen, akute Schmerzen rasch zu lindern. Lassen Sie sich in der Drogerie beraten.

Bernsteinketten

Bernsteinketten wird eine lindernde Wirkung bei Zahnungsschmerzen zugeschrieben. Es gibt Hals- und Armketten. Lassen Sie Ihr Baby damit nicht unbeaufsichtigt. Es könnten sich Kügelchen lösen, die das Kind verschlucken oder sich in die Nase stecken könnte.

Wann zum Arzt?

In der Regel verläuft das Zahnen problemlos. Falls die Zähne bei Ihrem Kind viel später als im achten Monat durchbrechen, kann das an schweren Ernährungsfehlern, Rachitis, einer Unterfunktion der Schilddrüse oder einer Störung der Verknöcherung liegen. Gehen Sie also zum Arzt, wenn die Zähne nicht rechtzeitig kommen und auch dann, wenn Ihr Baby während des Zahnens unklares Fieber hat.

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Gesunde Milchzähne sind für Ihr Kind wichtig: Nur mit intakten Zähnen kann es problemlos kauen und auch sprechen lernen. Gesunde Milchzähne sind auch die Basis für starke bleibende Zähne. Milchzähne spielen im Kiefer die Rolle als Platzhalter für die nachfolgenden Zähne, somit sind die Milchzähne auch massgebend dafür, wie sich der Kiefer ausbildet. Deshalb ist es zentral, die Milchzähne so früh wie möglich zu pflegen, um Karies vorzubeugen. Der Begriff stammt vom lateinischen «caries» und bedeutet übersetzt so viel wie «Morschheit» oder «Fäulnis». Kariesbakterien zersetzen Zucker aus der Nahrung zu Säure – es kommt zu chemischen Entkalkungs- und Auflösungsprozessen. Diese zerstören die harte Substanz des Zahnes.

Für die Pflege der Milchzähne gelten daher drei Regeln:

Kein Zucker – keine Karies

Zucker ist der Hauptverursacher von Karies. Achten Sie deshalb darauf, dass Ihr Kind nur wenig zuckerhaltige Speisen und Schleckwaren zu sich nimmt. Zwischenmahlzeiten sollten immer zuckerfrei sein. Das heisst, für Znüni und Zvieri sind gezuckerte oder honighaltige Produkte wie Milchschnitte, Müesliriegel und süsse Kekse ungeeignet. Normales Wasser ist der beste Durstlöscher. Zuckerhaltige Getränke wie Eistee, Cola, Sirup, aber auch reine Fruchtsäfte öffnen Karies Tür und Tor.

Optimale Mundhygiene

Achten Sie darauf, dass Ihr Kind dreimal täglich sofort nach den Mahlzeiten seine Zähne gründlich reinigt. Wenn Sie als Eltern mit gutem Beispiel vorangehen, wird das Zähneputzen bald zu einer Selbstverständlichkeit. Im Kindergarten und in der Schule lernen die Kinder unter Anleitung einer speziell dafür ausgebildeten Fachperson richtiges Zähnebürsten. Kontrollieren Sie als Eltern dennoch bis etwa zur dritten Klasse die richtige Zahnputztechnik Ihres Kindes, und reinigen Sie abends nach!

Starke Zähne dank Fluorid

Fluorid schützt die Zähne, indem es den Zahnschmelz von aussen widerstandsfähiger gegen Säure macht, die durch die Umwandlung von Zucker durch die Kariesbakterien entsteht. Verwenden Sie daher stets fluoridhaltige Zahnpasta und das fluoridhaltige Kochsalz (Pakete mit grünem Aufdruck). Lassen Sie Ihr Kind einmal wöchentlich am besten abends mit Fluorid-Gelée die Zähne bürsten. Nach der Anwendung von Fluorid-Gelée sollte das Kind ungefähr während einer Stunde den Mund nicht spülen und auch nichts essen. Am besten lassen Sie sich in einer Drogerie über die wirklich geeigneten Produkte für die richtige Kinderzahnpflege beraten.

Quellen: Dr. med. Gabi Hoffbauer, «Baby-Lexikon. Alles, was Eltern wissen müssen», Midena Verlag, 2000 / Ruth Jahn, «Kinder sanft und natürlich heilen», Beobachter Ratgeber, 2008 / Dr. Miriam Stoppard, «Säuglinge, Babys und Kinder. Der Ratgeber für die ersten 5 Lebensjahre Ihres Kindes, Urania Ravensburger, 1998 / Dr. med. Martin Lang, Kathrin Ruf, «Die Gesundheit Ihres Kindes. 100 Elternfragen», Urania Verlag, 2007 / Angelika Szymczak, «Das Kind in der Naturheilkunde», Pflaum Verlag, 2006 / Dr. med. Herbert Renz-Polster, Dr. med. Nicole Menche, Dr. med. Arne Schäffler, «Gesundheit für Kinder. Kinderkrankheiten verhüten, erkennen, behandeln», Kösel Verlag, 2004 / swissmom, Schulzahnärztlicher Dienst der Stadt Zürich
Autorin und Redaktion: Bettina Epper