Reisen
Wenn das Gehirn rebelliert
Sie kennen die Szene: Plötzlich wird das Kind im Auto ganz still und blass, beginnt zu schwitzen und... erbricht. Ursache ist die Reisekrankheit. Doch, was ist das genau? Und was kann man dagegen tun?
Die Reisekrankheit, medizinisch Kinetose (griechisch: kinein = bewegen), entsteht in Fahrzeugen, die sich mit beständiger Schnelligkeit bewegen. «Das Problem entsteht, wenn es im Gehirn zu einem Informationsdurcheinander kommt, weil Augen, Muskeln und Innenohr widersprüchliche Botschaften senden», erklärt der Drogist HF Yvan Gougler von der gleichnamigen Drogerie in Bulle (FR). Nehmen wir zum Beispiel eine Person, die in einem fahrenden Auto ein Buch liest. Ihr Blick und die Körperhaltung sind unbeweglich, doch das Innenohr nimmt wahr, dass das Auto beschleunigt, um Kurven fährt oder abbremst. Als Folge davon wird das Gehirn durch widersprüchliche Informationen gestört. Das ist der Anfang der Kinetose.
Typische Symptome sind: generellen Unwohlseins, blasse Haut, ständiges Gähnen, kalter Schweiss, verstärkter Speichelfluss, Kopfweh und schliesslich Übelkeit oder Erbrechen.
Verstärkt werden die Beschwerden durch weitere Faktoren wie Benzin-, Parfüm- oder Tabakgerüche. Der blosse Anblick eines Lebensmittels kann die Reisekrankheit verschlimmern. Auch Ängstlichkeit spielt eine Rolle. So haben Kinder, die schon einmal reisekrank waren, oft Angst vor langen Reisen. Kinder unter zwei Jahren werden allerdings selten reisekrank. Gefeit vor der Reisekrankheit ist eigentlich niemand, allerdings sind Frauen häufiger betroffen als Männer.
Etwas knabbern
Die Symptome der Kinetose lassen sich mit mehreren Massnahmen lindern. «Einerseits sollte man nie mit leerem Magen reisen, weil eine Unterzuckerung das Unwohlsein fördern kann. Andererseits sollte man üppige und schwer verdauliche Mahlzeiten meiden», sagt Yvan Gougler. Statt eine grosse Mahlzeit einzunehmen, ist es besser, während der Fahrt von Zeit zu Zeit etwas Kleines zu essen, etwa eine Banane, einen Apfel oder ein paar Biskuits. Zudem muss vor und während der Reise auf Alkohol und Rauchen verzichtet werden.
Je nach Fortbewegungsmittel empfehlen sich weitere Massnahmen:
Auf Autoreisen ist der Fahrer nie von Reisekrankheit betroffen, weil er die Kurven sozusagen vorwegnehmen muss, die Geschwindigkeit des Fahrzeugs kontrolliert und die Bewegungen des Fahrzeugs besser wahrnimmt.
Wem es leicht übel wird, setzt sich am besten auf den Beifahrersitz, blickt geradeaus auf die Strasse und folgt mit den Augen dem Strassenverlauf.
Den Kopf gerade halten, rasche Kopfbewegungen vermeiden und die Landschaft nicht betrachten. Auf diese Weise entstehen keine widersprüchlichen Informationen zwischen dem, was die Augen sehen, und dem, was der Körper spürt.
Machen sich erste Anzeichen von Reisebeschwerden bemerkbar, sollte man versuchen zu schlafen. Auf diese Weise erhält das Gehirn keine weiteren visuellen Botschaften und damit auch keine widersprüchlichen Informationen.
Oder besser noch: Machen Sie regelmässig Pausen und gehen Sie ein wenig spazieren, vor allem wenn Sie merken, dass Unwohlsein aufkommt.
Zu vermeiden ist Lesen während der Fahrt. Es führt meist innerhalb von wenigen Minuten zu Übelkeit.
Im Sommer sollten die Fenster geöffnet werden, damit man frische Luft einatmen kann.
Im Winter sollte die Heizung nicht ganz aufgedreht werden.


