Bei reifen Männern

Erst in den letzten Jahrzehnten hat man erkannt, dass es auch altersbedingt zu Testosteronmangel kommen kann. Die meisten Männer sind in der zweiten Lebenshälfte von einem Mangel betroffen. Beim alternden Mann ab vierzig Jahren spricht man bei einem Testosteronwert von unter zwölf Nanomol pro Liter Blut von Partieller Androgen-Defizienz. Das Testosteron-Mangel-Syndrom (TMS) fasst alle Beschwerden zusammen, die durch einen Mangel an Testosteron entstehen können. Es wird in der Fachsprache oft PADAM abgekürzt. Das ist der englische Fachbegriff: partial androgen deficiency in the aging male. Auf Deutsch: partielles Androgen-Defizit beim alternden Mann.

So vielfältig die Aufgaben der männlichen Hormone sind, so unterschiedlich können auch die Symptome und Beschwerden sein, die durch einen deutlichen, altersbedingten Mangel an Androgenen und speziell an Testosteron entstehen bzw. begünstigt werden.

Nicht alle leiden unter Hormondefizit

Längst nicht bei jedem Mann tritt mit dem Alter deutlicher Testosteronmangel auf: «Nur etwa zwanzig bis dreissig Prozent der Pensionäre weisen überhaupt tiefere Werte auf, und die meisten haben deswegen keine Beschwerden», sagt der Hormonspezialist Christian Meier. Der Mediziner führt in Basel eine endokrinologische Praxis. Er entlarvt damit ein Klischee und widerlegt, dass Männer im Alter zwangsläufig weniger männliche Hormone produzieren und körperlich abbauen.

Testosteron ist zur Lifestyle-Droge gegen das Altern im Internet erhältlich. Wer sich die oftmals illegalen und potenziell gesundheitsschädigenden Produkte als Spritze, Pflaster oder Gel verabreicht, erhofft sich mehr Muskelmasse, Manneskraft und Mut. Die Vorteile scheinen bestechend. Doch über die Langzeitwirkungen solcher Therapien ist erst sehr wenig bekannt und die Risiken sind nicht zu unterschätzen. «Testosteron kann das Wachstum bereits bestehender Prostatatumore fördern, das Blut verdicken und ein Schlafapnoesyndrom verstärken», fasst Christian Meier die Erkenntnisse von Studien zusammen. Die medikamentöse Behandlung von Testosteronmangel ist nur empfehlenswert, wenn der Betroffene schwerwiegende Probleme hat und sollte ausschliesslich auf Verschreibung eines Arztes hin durchgeführt werden.

Quelle: «Drogistenstern»
Fotos: Rolf Neeser / fancy / Wikipedia
Autorinnen: Claudia Merki, Nadja Mühlemann
Redaktion: Nadja Mühlemann

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